Andreas Bomheuer soll Kulturdezernent werden
18.11.2009 | 19:44 Uhr 2009-11-18T19:44:00+0100
Dem 57-jährigen parteilosen Ex-Essener scheint eine bunte Rats-Mehrheit aus CDU, Grünen, FDP und EBB und Linken sicher
Ein guter alter Bekannter der hiesigen Kulturszene schickt sich an, die Stadt Essen ins Kulturhauptstadtjahr 2010 zu führen: Andreas Bomheuer, einst Mitbegründer der Zeche Carl, später Leiter des Rock- und Popmuseums in Gronau, Bonner Kulturamtschef und erst seit Mitte 2008 Sozial- und Kulturdezernent in der Nachbarstadt Hattingen, bewirbt sich für den seit einigen Monaten vakanten Job an der Spitze des Kulturdezernats.
Obwohl parteilos und nicht von der zahlenmäßig stärksten Ratsfraktion, der SPD, ins Rennen geschickt, scheint dem aus vielen Initiativen bekannten Soziokulturexperten eine politische Mehrheit sicher: Dem Vernehmen nach kann der 57-Jährige in der Ratssitzung am 25. November mit den Stimmen von Christdemokraten und Grünen, FDP, Linken und dem Essener Bürger Bündnis rechnen.
Die SPD dagegen war von der gestern eingereichten Bewerbung Bomheuers so überrascht, dass ihr Ratschef Thomas Fresen keinen Kommentar zur Person abgeben mochte. OB Reinhard Paß hielt sich ebenfalls bedeckt: Er kenne Bomheuer als „sehr netten Menschen”, habe in seiner bisherigen Arbeit aber nicht so viele inhaltliche Schnittmengen gehabt. Unverhohlen ärgerlich zeigte sich SPD-Parteichef Dieter Hilser, der die „Hopplahopp-Last-Minute-Bewerbung” Bomheuers als „schwarz-grüne Postenschieberei” kritisierte.
„Ich habe sehr mit mir gerungen”, hält Bomheuer im NRZ-Gespräch dagegen, schließlich fühle er sich in Hattingen sehr wohl. Den Ausschlag für die Bewerbung habe der Zuspruch aus verschiedenen politischen Lagern und aus der Kulturszene gegeben. Und schließlich: „Ich fange ja nicht bei Null an.”
Ob die geplante Wahl Bomheuers Auftakt für eine dauerhafte, wenn auch nicht fest vereinbarte, bunte Ratsmehrheit jenseits der SPD wird, ist noch ungewiss. Fest steht, dass sich die Lager wohl leicht tun, einen Mann zu wählen, der seine Karriere in der Kulturszene ohne Parteibuch bewerkstelligte und genauso eine Antenne für „Hochkultur” hat wie für Soziokultur eine Ader.
Dass CDU-Fraktionschef Thomas Kufen eine Ratsmehrheit für den als Grünen-nah geltenden Andreas Bomheuer hinbekommen hat und damit die Sozis genauso wie SPD-OB Reinhard Paß düpiert, wundert Kenner der Kulturszene überhaupt nicht: Zu groß war das allgemeine Unverständnis darüber, dass die Genossen offenbar ohne einen Kulturdezernenten ins Kulturhauptstadtjahr 2010 gehen wollten: „Da wäre uns der Spott in den überregionalen Feuilletons sicher gewesen”, sagt ein Beteiligter.
Die Stelle war ja auch bereits zu schwarz-grünen Zeiten ausgeschrieben, mit Blick auf die nahende Kommunalwahl aber nicht mehr besetzt worden, um nicht den Eindruck zu vermitteln, man wolle mit alter Mehrheit den neuen Rat vor vollendete Tatsachen stellen.
Nach der Wahl legte die neue Stadtspitze das Thema Kulturdezernat auf Eis, und zumindest offiziell musste vor einigen Tagen der Streit um die Besetzung des Kulturdezernenten-Postens nach wochenlangen Verhandlungen als Sollbruchstelle fürs rot-grüne Bündnis herhalten.
Die SPD signalisierte fortan, keine Eile beim Thema Kulturdezernat zu haben, CDU und Grüne waren dafür umso aktiver. Ein politisches Tempo, das die SPD erst schwindelig und jetzt umso misstrauischer machte und das ihr Fraktionschef Thomas Fresen gestern zumindest als „ganz ungewöhnliches Procedere” kritisierte. Zugleich dementierten die Sozialdemokraten, sie seien die Quelle für den gestern verbreiteten kühnen Vorwurf, FDP und Bürger Bündnis hätten ihre Zustimmung für Bomheuer als Gegenleistung für eine üppigere Fraktionsfinanzierung signalisiert.
„Das ist ehrabschneiderisch”, empörte sich gestern CDU-Fraktionsgeschäftsführer Heribert Piel, auf dessen Berechnungen der Ratsantrag zur Fraktionsfinanzierung fußt. Dieser weist zwar FDP, Grüne und EBB, aber eben auch Linke und SPD als Profiteure aus, allein die CDU verliert eine fünfstellige Summe.
Fraktionsgelder nach
altem Muster kalkuliert
Zudem, so Piel, gründet die Kalkulation auf einstimmig im Rat verabschiedeten Berechnungsverfahren aus den Jahren 2004 und 2008, die nur auf die neue Sitzverteilung umgerechnet wurden. Auch beim Bürger Bündnis erklärt man den Vorwurf des Stimmen-Deals für absurd: Nach der Gesetzeslage, so Fraktionschef Udo Bayer, würde dem EBB sogar deutlich mehr Geld zustehen, als es der von der CDU eingebrachte Antrag vorsieht.
So oder so: Wenn die Mehrheit für Bomheuer zustande kommt, soll dieser seine achtjährige Amtszeit schon zu Jahresbeginn antreten und neben der Kultur auch das Thema Integration übernehmen. Sich in Essen auf die Schnelle zurechtzufinden, dürfte Andreas Bomheuer dank seiner gewinnenden Art nicht allzu schwer fallen, heißt es. Ein alter Bekannter, wie gesagt.
11:03
Bomheuer war kein Mitgründer der Zeche Carl.Als der ankam gabs das Zentrum längst.Alles Lüge
00:35
Und an Rolf Fliß: Et respize finem ...
... ziemlich schwach ins Deutsche: Worau-f wollt Ihr eigentlich hinaus?---- oder: Wo soll das hingehen?
00:32
Die Essener haben bei der Wahl entschieden, dass Schwarz-Grün weg soll!!!!
Und jetzt triumpfieren die ... Ich werde nie wieder Grüne wählen!
22:30
@ Staedter
Du bist mir ja vielleicht ein Hase.
Wenn man Deinem Tastengeklimper folgt, muss also die CDU Alles was die Linken unterstützen, konsequent ablehnen.
Ich habe selten so einen derartigen Schwachsinn gelesen, wie Deinen Beitrag.
10:39
Die SPD hat sich schon immer mit dem Thema Kultur schwergetan. Das war auch schon vor mehr als 30 Jahren so. Ich erinnere an Anneliese Dether, die den Bezirksvertretungen vorschreiben wollte, wie Kultur geschrieben wird. Ohne Kulturdezernenten ins Kulturhauptstadtjahr zu gehen, ist genau so hirnverbrannt, wie die Absicht der Bundesregierung, Steuergeschenke auf Pump zu verteilen.
Andreas Bomheuer hat sich nanlässlich der Saalbaudebatte in den VorOrt-Diskussionen souveräner geschlagen als der damalige Dezernent Dr. Oliver Scheidt. Ich kann seine Wahl zum Essener Kulturchef nur befürworten. Zumal dann auch die Stadtteilkultur davon profitieren wird.
07:55
Seltsam, wie schnell die CDU doch ihre Vorbehalte gegen die Linken aufgibt, wenn es um Postenschieberei geht. Da wird dann das linke Auge ganz schnell zugedrückt.
Vergessen die STASI Vergangenheit der Vorgängerpartei SED.
Die CDU kann wohl immer noch nicht verwinden, dass sie die Kommunalwahl verloren hat und nutzt nun jede sich bietende Gelegenheit, der SPD eins auszuwischen, ob es sinn macht oder auch nicht. Schlechte Verlierer
07:26
4 Artikel zu ein und dem selben Thema auf der Startseite. Zufall?!
01:39
Da sieht man mal wieder den Klassenunterschied zwischen WAZ und NRZ. Während die NRZ gut recherchiert und kommentiert, druckt die WAZ blind Gerüchte als Tatsachen ab und geht ihnen noch nicht einmal nach. Fazit: WAZ abbestellen, NRZ ins Abo.
20:53
Die Hattinger sehen mit einem lachenden Auge, wenn er endlich geht.