An Rosenmontag sind die Löwen los

Wenn Cowboy und Teufel zusammen schunkeln, die Krankenschwester mit dem Löwen kuschelt, Kamelle durch die Lüfte fliegen und ein lautes „Helau“ durch die Gassen hallt, dann weiß jeder: Es ist Karneval. Während sich die einen vor den Jecken verstecken, geben die anderen in puncto Kostüm alles – wann hat man sonst die Gelegenheit als Pirat sein Unwesen zu treiben? Wohl kaum auf dem Geburtstag der Großmutter. Also wird Jahr für Jahr der Säbel poliert und das Kostüm entstaubt. Eingefleischte Jecken geben sich damit jedoch nicht zufrieden und stocken Jahr für Jahr den privaten Fundus auf. Doch was trägt man eigentlich in dieser Session? Was ist der letzte Schrei und was geht gar nicht? Wir haben uns mal bei den Essenern umgehört.

Dominic Steckel, Tim Orlowski und Louis Hut müssen nicht lange suchen. Ein Ganzkörper-Löwenkostüm soll es sein. „Das ist männlich“, betont Tim (15) grinsend und wirft sich mit der plüschigen Hülle in Pose. „Wir werden am Rosenmontag mit rund zehn Freunden im Löwen-Rudel auflaufen. Das wird ein Spaß“, freut sich Dominic jetzt schon.

Mit dieser Wahl liegen die drei voll im Trend, fragt man die amtierende Karnevalsprinzessin Nicole Heiliger. „Beim Straßenkarneval bemerke ich schon länger einen Hang zu Gruppenkostümen, die kuschelig sind und vor allem warm halten. Viele wählen gleich eines mit Kopfbedeckung“, schildert die 46-Jährige. Bei den Karnevalssitzungen geht es in dieser Session eher barock zu. Die Männer tragen Mozartzopf und Rüschenhemd mit passender Jacke. „Natürlich wird das Gesicht weiß gepudert und mit einem schwarzen Leberfleck authentisch verschönert“, sagt Nicole Heiliger und fügt hinzu, dass die Damen den Männern in nichts nachstünden und sich Kissen um die Hüften binden würden, um die für den Barock typisch querovale Form zu erzielen.

Doch keine Angst: Die guten, alten Stücke müssen nicht in den Schränken hängen bleiben. „Klassiker wie Cowboy, Pirat, Polizist, Hexe, Indianerin oder Krankenschwester gehen immer“, versichert Sonja Schöttler, Aushilfe bei Galeria Kaufhof. „Ich habe auch viele Kunden, die sich gar nicht richtig verkleiden und nur ein paar Akzente setzen möchten. Da empfehle ich Fliege und Hut“, rät Schöttler, da das zu tragen heutzutage eher unüblich sei und man sich so trotz weniger Accessoires verkleidet fühlt. „Mir ist es schon öfters passiert, dass mir die Kunden die Hüte vom Kopf weggekauft haben“, lacht die Beraterin, die auf den 1200 Quadratmetern im Untergeschoss des Kaufhauses immer die neusten Modelle präsentiert. Auch wenn laut Carsten Sentker, Geschäftsführer von Galeria Kaufhof Essen, die Städte Köln und Düsseldorf als Hochburgen gelten, „so glauben wir an den Essener Karneval und möchten den Kunden ein großes Warensortiment bieten“. Von Klassikern bis hin zu den angesagten plüschigen Ganzkörperkostümen ist alles dabei. Und so können Eltern und Kinder als Entenfamilie Bonbons fangen.