Am Ende waren die Räder schuld

Handarbeit: Nahe der Haltestelle II. Schichtstraße musste ein Arbeiter das verklebte Bitumen vom Gleis der Linie U 11 mühsam abkratzen.Foto:David Fischer
Handarbeit: Nahe der Haltestelle II. Schichtstraße musste ein Arbeiter das verklebte Bitumen vom Gleis der Linie U 11 mühsam abkratzen.Foto:David Fischer
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Was wir bereits wissen
Ursache für den Störfall auf der Nordstrecke in Essen gefunden: Räder der U-Bahnen ragen über die Schiene heraus. So wurde aufgeweichtes Bitumen aufgerollt.

Essen.. Der Fehler liegt im System. Zu dieser Schlussfolgerung kamen die Experten der Essener Verkehrsgesellschaft Evag, die herausfinden sollten, warum aufgeweichtes Bitumen auf dem Gleisbett der U11-Linie vor zehn Tagen die oberirdische Nordstrecke lahmgelegt hatte. Es waren die schweren und zu breiten Räder der alten U-Bahnen vom Bautyp P86 und P89, die ursprünglich für das Londoner Stadtbahnsystem Docklands Light Railway konzipiert, dann Anfang der 90er Jahre aber 21 Züge an die Evag weiterverkauft wurden.

Weil U-Bahnen möglichst nur noch auf Normalspuren (1,435 Meter Breite) und damit vom Straßenbahn-Netz getrennt fahren sollten, waren diese Züge damals genau das Richtige. „Weil sie richtige Eisenbahnräder haben“, berichtet Evag-Sprecher Nils Hoffmann. Sie sind breiter als Straßenbahn-Räder und ragen auch über die Laufrinne hinaus.

Tunnel viel zu teuer

Das klappt reibungslos auf eigenen Gleiskörpern und auch in der Tunnelröhre, aber – wie in diesem Fall – nicht auf oberirdischen Straßen. Weil dort eine Dehnungsfuge zwischen Schiene und Straßenasphalt nötig ist. Als sich das Bitumen während der Hundstage verflüssigte und über die Fuge trat, „wurde es von den U-Bahnen wie eine Lakritzschnecke aufgerollt“, berichtet Hofmann. Mit der Folge, dass die Gleise zwischen II. Schichtstraße und der Stadtgrenze zu Gelsenkirchen auf drei Kilometern Länge verdrecken und elf U-Bahnen so stark verklebten, dass auf dem Betriebshof Schweriner Straße bereits drei Drehgestelle abmontiert werden mussten.

Was tun? „Bei diesen extremen Temperaturen müssen wir uns etwas einfallen lassen Wir brauchen eine wirtschaftlich tragfähige Lösung“, so Hoffmann. Ein U-Bahn-Tunnel oder ein vom Autoverkehr getrennter Gleiskörper scheiden also schon wegen der immensen Kosten von vornherein aus.

Weiter Ersatzbusse auf letztem Abschnitt

Möglich wäre dagegen, die Dehnungsfuge zwischen Gleis und Asphalt niedriger zu legen, sowie Bitumen mit höherem Schmelzpunkt zu wählen und die Wartungsintervalle auf der Nordstrecke zu verkürzen. Das könnte einen Totalausfall wie letzte Woche verhindern.

Am Montag wird die U11-Strecke bis Haltestelle Alte Landstraße wieder freigegeben, teilt Evag-Sprecher Olaf Frei mit. Für den letzten Abschnitt Alte Landstraße bis Gelsenkirchen-Buerer Straße müssen noch Ersatzbusse fahren. Frei: „Dort wollen wir im Laufe der Woche mit der Arbeit fertig werden.“