Am Ende steht die Trennung

Jeder kann sie haben: Die Biotonne wird in ganz Essen   angeboten – und das für eine relativ günstige Jahresgebühr. Doch die Nachfrage stagniert. 23.000 Tonnen gibt es derzeit.Foto:Ole Heyer
Jeder kann sie haben: Die Biotonne wird in ganz Essen angeboten – und das für eine relativ günstige Jahresgebühr. Doch die Nachfrage stagniert. 23.000 Tonnen gibt es derzeit.Foto:Ole Heyer
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Was wir bereits wissen
Seit Jahresbeginn müsste eigentlich jeder Bürger die Bioabfälle separat sammeln. Die EBE warten auf Vorgaben aus Düsseldorf.

Essen..  Kippen Sie ihren Teebeutel oder ihre Eierschalen immer noch in die graue Mülltonne? Wenn ja, dann ist das etwas, was der Gesetzgeber nicht mehr zulässt. Denn seit dem 1. Januar 2015 ist eine getrennte Erfassung von Bioabfällen vorgeschrieben.

So steht es im Kreislaufwirtschaftsgesetz des Bundes. In der Stadt Essen werden Bioabfälle bisher freiwillig gesammelt. Ob das so bleibt oder ob höhere Mindestquoten eine Umstellung mit Mehrkosten und Gebührenerhöhungen erfordern, wird sich bald zeigen.

Die Essener Entsorgungsbetriebe (EBE) schauen mit Spannung nach Düsseldorf. In einigen Monaten will das Landeskabinett den neuen Abfallwirtschaftsplan beschließen. Dann steht möglicherweise schwarz auf weiß, wie viele Kilogramm Bioabfälle pro Einwohner pro Jahr getrennt gesammelt werden müssen.

Die EBE hat sich schon mal positioniert. „Von einem Benutzerzwang halten wir nichts“, macht Prokurist Rolf Friesewinkel deutlich. Sollte jeder Hauseigentümer verpflichtet werden, eine Biotonne zu bestellen, werde die Fehlwurfquote auf bis zu 50 Prozent steigen, befürchtet er. „Und dann müssen wir aufwendiger sortieren und die Kosten an die Kunden weitergeben.“ Also die Gebühren erhöhen.

Das Düsseldorfer Umweltministerium will Essen nicht im Detail vorschreiben, was zu tun und was nicht zu tun ist. Jede Stadt müsse ihren eigenen (Entsorgungs-)Weg suchen. „Es geht nicht darum, jedem Bürger eine braune Tonne aufzuzwingen“, sagte Ministeriumssprecher Wilhelm Deitermann. Aber das Ziel der Trennung muss erreicht werden – und das könnte in Zahlen und Prozenten festgeschrieben werden. Spätestens dann liegt der Ball wieder in Essen.

Dort bleibt man noch in Wartestellung. „Wir brauchen Rechtssicherheit“, so EBE-Prokurist Friesewinkel. Erst wenn der NRW-Abfallwirtschaftsplan beschlossen ist, wissen die Entsorgungsbetriebe, was auf sie zukommt. „Dann werden wir mit der Stadt sprechen“, so Friesewinkel. Und – falls nötig – wird die städtische Abfallsatzung geändert, was aber erst im November möglich ist. Für die Essener Privathaushalte bleibt insofern für 2015 alles beim Alten.

Die EBE selbst hält sich in Sachen Bioabfälle schon für „relativ breit aufgestellt“. Jeder kann, wenn er will, eine Biotonne bestellen – und das seit 13 Jahren und zu einer günstigen Jahresgebühr von 36 Euro für die 80 Liter-Biotonne und 54 Euro für den 120-Liter-Behälter. Zudem können Besteller dann eine kleinere Restmülltonne wählen und damit Geld sparen. Möglich ist auch der Kauf spezieller Säcke oder die Abgabe der Grünabfälle in einem Recyclinghof. Unterm Strich hält die Stadt daher die gesetzlichen Vorschriften eigentlich für erfüllt.

Doch die jetzigen Zahlen geben keinen Anlass zur Euphorie. Neben den Selbstkompostierern haben 23.000 EBE-Kunden eine eigene Biotonne. Das sind viele, aber nicht genug. Die gesammelte Bioabfallmenge sank sogar von 20 Kilo pro Einwohner im Jahre 2004 auf 16,8 Kilogramm im Jahre 2013 – und stagniert auf diesem Niveau. Weitere große Potenziale seien – so die Stadt – nicht erkennbar. Zwar kamen pro Einwohner 2013 noch mehr als 36 Kilogramm an Park- und Gartenabfällen hinzu, doch das für 2021 gesetzte Ziel, die Quote in Essen bis 2021 auf insgesamt 90 Kilo pro Bürger zu erhöhen, ist beim derzeitigen Stand der Dinge nicht zu erreichen.

Sollte das Land aber einen höheren Recyclinganteil verlangen, muss die EBE – wie auch immer – nachrüsten und sich etwas Neues einfallen lassen. „Das ist eine große Herausforderung“, so Friesewinkel. In dicht besiedelten Innenstadtvierteln sei oft kein Platz für eine zusätzliche Tonne, und in großen Wohnanlagen sei das Risiko groß, dass der ein oder andere Nachbar ganz normalen Hausmüll in der Biotonne verschwinden lässt. Weil später keiner mehr herausbekommen kann, wer das gewesen ist.