Am Anfang stand der Bürgerprotest

Als die Stadt Essen ihre Pläne für die Zukunft des Steenkamp-Hof vorstellte, machte sich Entsetzen bei den Borbecker Bürgern breit: Abgerissen werden sollte das historische Gebäude! Für eine Kleingartenanlage! Der Protest ließ nicht lange auf sich warten. Als dann auch noch das Rheinische Amt für Denkmalpflege den Steenkamp-Hof zum Baudenkmal erklärte, gab die Stadt nach: „Wenn die Borbecker einen Verein auf die Beine stellen, der den Hof erhalten will, kann er ihn haben.“ Gesagt, getan: Am 17. Dezember 1984 nahm der Kultur-Historische Verein Borbeck seine Arbeit auf.

Das neue Leben des Steenkamp Hof

Heute, 30 Jahre später, gehört der Hof am Reuenberg 47a zu den Aushängeschildern des Stadtteils und wird vielseitig genutzt: In einer Ausstellung in den oberen Kammern wird die Geschichte der Familie Kleine Steinkamp gezeigt, die einst den Hof bewirtschaftete. Im Nebengebäude sind landwirtschaftliche Geräte von damals zu sehen, während im Wohntrakt seit 2001 die Künstlergruppe 3+ beheimatet ist. Sie nutzt die Räumlichkeiten nicht nur als Atelier, sondern veranstaltet darüber hinaus Ausstellungen, zu denen regelmäßig Gastkünstler an den Reuenberg kommen. Auch der Imkerverein Borbeck hat sich auf dem Gelände niedergelassen: Er betreibt hier einen Lehrbienenstand. Darüber hinaus gehen regelmäßig Veranstaltungen unterschiedlicher Couleur an diesem Schauplatz über die Bühne: Zu den populärsten gehört das Mittelalterfest, das die Musik AG Essen Jahr für Jahr in diesem historischen Ambiente auf die Beine stellt und damit zahlreiche Besucher anlockt.

Der Alten Cuesterey drohteeinst die Abrissbirne

Seit dem Jahr 2000 nutzt der Kultur-Historische Verein auch die Alte Cuesterey am Weidkamp 10 als Veranstaltungsort und organisiert dort wechselnde Ausstellungen zu mannigfaltigen geschichtlichen oder künstlerischen Themen, von Borbecker Familienkunde über Lego und Schach bis hin zu Krippen aus Lateinamerika und dem lokalen Fußallverein Rot-Weiss Essen. Veranstaltungen wie das Erzählcafé oder Singnachmittage locken ebenfalls regelmäßig Besucher in das ehemalige Küsterhaus. Wer das schmucke Gebäude heute sieht, mag kaum glauben, dass ihm einst die Abrissbirne drohte.

Dass es soweit nicht kam, ist Jürgen Becker, dem Vorsitzenden des Kultur-Historischen Vereins, zu verdanken: Er kaufte das marode Haus 1996 auf und ließ es grundlegend renovieren. Erhalten ließen sich nur Außenmauern, Dachkonstruktion und Innenmauern. Der Rest des Gebäudes musste erneuert werden, wobei Becker viel Wert auf historische Genauigkeit legte: So erinnern die Balken im Haus an das alte Fachwerk, Eingangstür und Sprossenfenster sind dem Originalzustand nachempfunden. Eine besondere Entdeckung ist der 4,85 Meter tiefe Brunnen, den man heute dank Beleuchtung von oben in Augenschein nehmen kann. Neu hinzugekommen ist die Glasfront, die Besucher auf die heutige Nutzung des Hauses als Kulturzentrum und Museum hinweisen soll.

Doch der Steenkamp-Hof, das erste Herzensprojekt des Vereins, spielt auch weiterhin eine zentrale Rolle in seiner Arbeit. Hierhin hatte er 1988 erstmals die Öffentlichkeit zur Veranstaltung „Tiere auf dem Bauernhof“ eingeladen. Die Begeisterung der Besucher war so groß, dass daraus prompt ein fester Termin im Veranstaltungskalender wurde, der inzwischen immer am zweiten Sonntag im September, also am Tag des offenen Denkmals, stattfindet.