Alternative zum Studium - Essener Handwerk wirbt für Ausbildung

Nutzt die Börse für ein Gespräch mit dem Team von Friseur Klier: Louisa Hensel (r.) mit Mutter Tanja Hensel.
Nutzt die Börse für ein Gespräch mit dem Team von Friseur Klier: Louisa Hensel (r.) mit Mutter Tanja Hensel.
Foto: Funke Foto Services
Ausbildungsbörse in der Agentur für Arbeit zeigt Handwerk als Alternative zur Uni. Doch Jugendliche sind zögerlich bei der Entscheidung für eine Ausbildung als Schreiner oder Elektriker.

Essen.. Jennifer Boy (19) möchte in diesem Jahr eine Ausbildung beginnen. Mit der Fachhochschulreife in der Tasche stehen ihr zwar die Türen zu einem Studium offen, aber das sei nicht das Richtige für sie. Sie ist auf der Suche nach einem Beruf, der zu ihren Interessen passt. „Es kann auch ruhig eine handwerkliche Ausbildung sein“, sagt sie. Das findet auch Maurice Königshaus (16), der dieses Jahr seinen Abschluss an der Gesamtschule Bockmühle macht. Er ist zwar etwas nervös in den Gesprächen mit den Unternehmen, dennoch sucht er mutig den Kontakt.

Nicht alle Jugendlichen zeigen sich jedoch so offen dem Handwerk gegenüber. Darum gab es am Mittwoch erstmals die Ausbildungsbörse Handwerk in der Agentur für Arbeit, bei der sich unterschiedliche Handwerksbetriebe präsentierten, um mit den jungen Leuten ins Gespräch zu kommen und sie bestenfalls für eine Ausbildung im Handwerk zu begeistern.

So haben auch Marc Sparrer, Obermeister der Dachdeckerinnung, und Thorsten Bas, Lehrlingswart, die aktuell ausgeschriebenen Ausbildungsstellen für den Dachdeckerberuf in Essen dabei. Es sei nicht leicht, Jugendliche für das Handwerk zu begeistern und „leider wird oft propagiert, dass ein Studium am besten ist“, klagt Sparrer. „Hinzu kommt, dass viele junge Leute wenig Antrieb haben, um sich eigene Zukunftsperspektiven zu schaffen“, wirft Bas ein. „Dabei bietet die Meisterlaufbahn im Handwerk beste Möglichkeiten“, weiß Sparrer aus der Erfahrung in seinem eigenen Betrieb.

Mit Vorurteilen aufräumen

Kevin Karbacher (19) ist am Ende seiner Ausbildung. Er vertritt zusammen mit seinem Chef Andreas Dammann dessen Parkettlegerbetrieb Weststadt-Parkett. Karbacher sagt, er habe schon immer gewusst, dass er handwerklich arbeiten wolle und empfiehlt seinen Beruf weiter. Am Anfang seien die Arbeitszeiten ungewohnt gewesen, aber er sei auf jeden Fall glücklich mit seiner Entscheidung. „Man kann den Vorher-Nachher-Effekt sehen und abends weiß man, was man geschafft hat“, erklärt er sichtlich zufrieden.

Aber auch ihm ist die Schwierigkeit, mit der Handwerksbetriebe zu kämpfen haben, durchaus bewusst: „Einige Jugendliche haben zwar echtes Interesse an einer handwerklichen Ausbildung, andere wiederum orientieren sich an ihren Eltern, die im Büro arbeiten und brauchen viel mehr Unterstützung, um sich dem Handwerk zu öffnen.“

Das will die Agentur für Arbeit mit ihrer Börse erreichen. „Unterschiedliche Unternehmen präsentieren sich und kommen mit den Jugendlichen in zwangloser Atmosphäre in Kontakt“, fasst Rolf Heiber, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit, das Ziel zusammen. Denn auch für die Unternehmen sei es wichtig, frühzeitig auf die Heranwachsenden zuzugehen und vor allem mit Vorurteilen aufzuräumen.

Wie diese aussehen, beschrieb am Dienstagabend beim Jahresempfang des Handwerks auch der Präsident der Handwerkskammer, Andreas Ehlert: „Wenn Du nichts wirst, landest Du im Handwerk – mit solchen Sprüchen müssen wir aufräumen.“