Altenkamp nimmt Kritik an OB Paß zurück

Die Einladung zum Politischen Aschermittwoch lag der Tagesordnung bei, denn auf dem SPD-Parteitag sollte erst gar keine Katerstimmung aufkommen. Nein, die Lust, sich in aller Öffentlichkeit gegenseitig zu zerfleischen, mag in der Essener SPD ausgeprägter sein als in anderen Parteien. Selbstmordabsichten sind aber auch ihr fremd. So sparten sich die Sozialdemokraten am Samstag nach dem nervenaufreibenden Mitgliederentscheid eine Generalabrechnung. Stattdessen hoben die Delegierten erwartungsgemäß Reinhard Paß auf den Kandidatenschild für die Oberbürgermeister-Wahl im September.

Paß erhielt 79,8 Prozent der Delegierten-Stimmen. Parteivorsitzende Britta Altenkamp stand gar nicht erst zur Debatte, sie bleibt im Amt und zitierte in bester sozialdemokratischer Tradition aus einem Arbeiterlied: „Da schreiten sie Seit’ an Seit’“. Als sei nichts gewesen.

Dass es auf dem Parteitag im Ruhrturm an der Huttropstraße nicht zum großen Show-Down kommen sollte, deutete sich bereits beim Blick auf die Tagesordnung an. Eine Aussprache sah diese nicht vor. Auch jene auf Krawall gebürsteten Genossen, die nach dem Mitgliederentscheid Altenkamps Rücktritt gefordert hatten, nahmen dies hin. Widerspruchslos. Altenkamp selbst baute ihren Kritikern gleich zu Beginn eine Brücke, als sie erklärte, sie habe auf den Regionalkonferenzen einen „konzilianten und ideenstarken“ Reinhard Paß erlebt, der es verstanden habe, auf die Genossen zuzugehen.„Deshalb“, so Altenkamp, „haben sich meine Worte vom Sommer erledigt.“ Paß, die „falsche Person“ für das Amt? „Ich würde sie heute nicht mehr äußern.“

Eine öffentliche Entschuldigung war das nicht, aber eine solche hatten die Delegierten von „ihrer Britta“ auch nicht erwartet. Auch Reinhard Paß gab sich damit zufrieden. Zwar mochte der OB nicht verhehlen, dass die „Angriffe und teilweise auch Demütigungen der letzten Zeit“ nicht spurlos an ihm vorübergegangen seien. Nachkarten wollte aber auch er nicht. Der OB beschränkte sich darauf, die sozialdemokratische Seele zu streicheln und sparte auch nicht mit Selbstkritik: „Ich gebe zu, das ein oder andere ist daneben gegangen.“ Paß weiß nur zu gut, dass er seine Partei braucht, will er der Wahl gewinnen. Insofern war die Höhe der Zustimmung ein erstes Indiz dafür, wie stark sein Rückhalt tatsächlich ist.

Die Gräben wieder zuschütten

103 Ja-Stimmen bei 17 Gegenstimmen und neun Enthaltungen waren jenes klare Signal, das der OB von seiner Partei erwartet hatte. Die der geheimen Abstimmung vorausgegangene Nominierung per Kartenzeichen war mit nur sechs Enthaltungen und sechs Gegenstimmen deutlicher ausgegangen. Nur die Delegierten des Ortsvereins Oststadt hatten geschlossen mit „Nein“ gestimmt. Dessen Vorsitzende, Ratsfrau Barbara Soloch, nannte das Votum nur folgerichtig, hatte sich die Mitgliederversammlung im Kandidatenstreit gegen Paß und für dessen Herausforderin Angelika Kordfelder positioniert. Andere Ortsvereine beugten sich auf dem Parteitag der Parteiräson. Wie hatte es Paß in seiner Rede formuliert: Es wäre naiv zu glauben, es hätten sich keine Gräben aufgetan. „Wir schütten sie heute spätestens zu.“ Ob die Tragschicht zumindest bis zum Wahltag am 13. September hält, wird man sehen.