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Alte Synagoge öffnet neu als „Haus der jüdischen Kultur“

14.04.2010 | 13:34 Uhr
Alte Synagoge öffnet neu als „Haus der jüdischen Kultur“

Essen. Die Alte Synagoge an der Steeler Straße öffnet am 13. Juli als „Haus der jüdischen Kultur“. Der Umbau des Hauses geht auf die Zielgerade. An der Ausstellung wird noch gefeilt. Es geht um die Geschichte der jüdischen Gemeinde, die das einzigartige Haus 1911 von Edmund Körner errichten ließ.

Was so ein bisschen Farbe doch ausmacht. Im Ernst: Der neue Anstrich in der Alten Synagoge ist beste Werbung für das Maler- und Lackiererhandwerk. Sie stoßen sich an dieser etwas flapsigen Formulierung? Aber die passt ins Konzept der Ausstellungsmacher. Vorbei sollen sie sein, die Zeiten, in denen Besucher eingeschüchtert den Kopf einzogen, wenn sie das Haus betraten und kaum wagten, die Stimme zu heben. Die Alte Synagoge will sich öffnen als „Haus der jüdischen Kultur“. Der neue Anspruch dokumentiert sich in der Farbwahl: Das trübe Gedenkstättengrau ist einem frisch-freundlichen Apricot gewichen.

Innen - Umbau der Alten Synagoge in Essen, hier ein Fenster-Detail. Foto: Ulrich von Born/

Noch ist die Alte Synagoge eine Baustelle. Doch ein Ende der Arbeiten ist in Sicht. Lange hat es gedauert, bis sich die Verantwortlichen in der Bauverwaltung auf einen Termin für die Eröffnung festlegen mochten. Das Datum steht: Es ist der 13. Juli. Bis dahin gibt es noch genug zu tun, sagt Edna Brocke und blickt skeptisch drein. Seit über 20 Jahren leitet die Politikwissenschaftlerin und Judaistin die Alte Synagoge. Der letzte Umbau datiert aus den 80er Jahren. Edna Brocke war alles andere als glücklich damit. Um so mehr achtet sie auf jedes Detail.

Bei einem Besuch in New York hat Edna Brocke die Werbung an einem Hochhaus fotografiert. Erst nach einer halben Stunde drückte sie auf den Auslöser; so lange dauerte es, bis zwei Autos an dem Gebäude vorbei fuhren, die farblich zum Hintergrund passten. Das Foto ist ein kleines Kunstwerk. Und die Anekdote zeigt, wie akribisch Edna Brocke an eine Aufgabe heran geht. So gesehen, wartet auf die Handwerker noch eine wahre Herkulesaufgabe: Treppenhäuser, Toiletten, Lagerräume - die Liste ließe sich fortsetzen. Dennoch gewinnt der Betrachter bereits einen Eindruck davon, wie sich das „Haus der jüdischen Kultur“ präsentieren wird: offen, großzügig, einladend.

NRZ Baustellenserie. Synagoge und Platz an der Steeler Straße in Essen. Foto: Julia Hildebrandt

Die Ausstellungsflächen sind auf die ehemalige Frauenempore gezogen, auf die Orgelempore und ins Mezzanin. Allein die Aussicht von dort oben macht einen Besuch lohnenswert. Die Verwaltung ist ins Untergeschoss gezogen, nicht zuletzt deshalb ging der erste Preis beim Architektenwettbewerb an das Büro Space 4; kein anderer war darauf gekommen. Naheliegender wäre vielleicht nur ein Umzug ins ehemalige Rabbinerhaus gewesen, doch das blieb beim Wettbewerb außen vor. Erst jetzt wird auch dieses Haus umgebaut; 2,7 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket II machen es möglich. Mit dem renommierten Salomon Ludwig Steinheim Institut der Universität Duisburg-Essen erhält die Synagoge einen würdigen Nachbarn.

Multi-Media

An der Ausstellung selbst wird noch gefeilt. Es geht um die Geschichte der jüdischen Gemeinde, die dieses einzigartige Haus 1911 von Edmund Körner errichten ließ und dessen Namen der Vorplatz, der zur Zeit ebenfalls neu gestaltet und vor allem vergrößert wird, tragen wird. Es geht um jüdische Kultur, um jüdische Lebenswirklichkeit. Dass die aktuelle jüdische Gemeinde, wie so viele Gemeinden ein Auffangbecken für Emigranten aus der ehemaligen Sowjetunion, in der Ausstellung nicht stattfindet, sorgt hinter den Kulissen durchaus für Misstöne. Erster Bezugspunkt bleibe eben die Alte Synagoge und ihre Geschichte.

Nicht jedes Exponat wird rechtzeitig zur Eröffnung fertig. Das sei abzusehen, bedauert Edna Brocke, was nicht für das Multimedia-Projekt auf der Orgelempore gelten soll. Dort, hinten rechts, graut es einem noch ein wenig. Den Malern ist hier nicht etwa die Apricot-Farbe ausgegangen. Der alte taubengraue Anstrich ist eine Reminiszenz an den Umbau in den 80er Jahren und gehört damit zur Geschichte dieses Hauses.

Marcus Schymiczek

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