Als „Prügelclub“ boykottierter BVA kämpft um seinen Ruf

Der BV Altenessen steigt in die Kreisliga A auf, sorgt aber nicht sportlich für Schlagzeilen. Andere Clubs treten gegen das Team nicht mehr an.
Der BV Altenessen steigt in die Kreisliga A auf, sorgt aber nicht sportlich für Schlagzeilen. Andere Clubs treten gegen das Team nicht mehr an.
Foto: Essen
Was wir bereits wissen
Der BV Altenessen wird von den anderen Teams seiner Kreisklasse boykottiert und macht bundesweit Schlagzeilen. Nun hat das Sportgericht des FVN die lebenslange Sperre für den Ex-Kapitän aufgehoben. Wie passt das ins Bild?

Essen.. Nein, beim Deutschen Fußballbund sind sie nicht wegen des sportlichen Erfolges auf den BV Altenessen 06 aufmerksam geworden. Es war die Integrationsarbeit des Traditionsvereins, die den DFB 2010 dazu bewog, den höchsten Sozialpreis des Verbandes in den Essener Norden zu vergeben. Wenn dieser Tage vom BVA die Rede ist, dann ist der Anlass alles andere als erfreulich. Der Kreisligist ist zum Synonym geworden für Gewalt im Amateurfußball. Überregionale Medien berichten über den Meister, gegen den keiner mehr spielen will. Aus Protest gegen unfaires, ja brutales Verhalten treten 14 Teams nicht mehr gegen die zweite Mannschaft des BVA an (wir berichteten). Den Meistertitel wird die Multikulti-Truppe so am grünen Tisch gewinnen. Auch die Partie am Sonntag gegen Barrispor 84 wurde mit 2:0 Toren zugunsten der Altenessener gewertet. So schreiben es die Statuten des Fußballverbandes Niederrhein (FVN) vor. Drei Spieltage vor Saisonende liegt das Team mit 14 Punkten Vorsprung uneinholbar an der Spitze. Wie aber konnte der Preisträger zum Paria, zum Ausgestoßenen werden?

Gewalt im Fußball Auslöser des Boykotts war eine Tätlichkeit des Mannschaftskapitäns gegen den Schiedsrichter nach einer gelb-roten Karte im Februar. Ob der 23-Jährige den Unparteiischen geschlagen oder umgestoßen hat, darüber gehen Zeugenaussagen offenbar auseinander. Die Spruchkammer des Kreises verhängte die Höchststrafe und sperrte den Täter lebenslang. Vergangene Woche aber hob die Bezirksspruchkammer des FVN das Urteil in zweiter und letzter Instanz auf und reduzierte die Sperre auf zwei Jahre, eineinhalb Jahre davon auf Bewährung – auch das kein alltäglicher Vorgang.

Rechtbeistand: Strafmaß war überzogen

Die Empörung darüber ist groß im Kreis wie auch beim Essener Sportbund (Espo), der sich um ein deutliches Zeichen gegen zunehmende Gewalt im Fußball bemüht und nun jegliche Rückendeckung von Verbandsseite vermisst.

Was hat die Kammer dazu bewogen, ein sehr viel milderes Urteil zu fällen? Der Vorsitzende schweigt sich dazu aus. Indizien liefert der Rechtsbeistand des Spielers: Dieser sei in 19 Jahren als Fußballer „nie auffällig“ geworden. Er habe sich noch auf dem Platz entschuldigt und der Polizei gestellt. Als sichtbare Geste habe er 200 Euro einem schulischen Förderverein gespendet. So verurteilenswert der Übergriff auf den Unparteiischen auch sei, das in erster Instanz ausgesprochene Strafmaß war nach Ansicht des Rechtsbeistandes überzogen. Dieser Auffassung hat sich die Berufungsinstanz nun augenscheinlich angeschlossenen.

Steht der BV Altenessen zu unrecht am Pranger?

Steht der BV Altenessen zu unrecht am Pranger? „Alles wird in einen Topf geworfen“, klagt Trainer Otto Prell. Kenner der Szene wissen zu berichten, dass die Mannschaft sportlich zu stark ist für den Rest der Liga. Einige im Team seien schon bei anderen Vereinen nicht nur wegen ihrer fußballerischen Leistung aufgefallen. Und hatte der Club seine 1. Mannschaft nicht selbst aus dem Verkehr gezogen nach zwei Polizeieinsätzen auf dem Platz? Ja, der Übergriff, der den Boykott auslöste, war nicht der erste im Fußballkreis in der laufenden Saison. Entsprechend laut war der öffentliche Aufschrei und der Druck auf die Verantwortlichen des Fußballkreises, endlich zu handeln. Und nun? Steht der Kreis wie ein zahnloser Tiger da.

Beim BVA will der neue Trainer, Otto Prell, „etwas Neues aufbauen“. Prell gilt als harter Hund, der eiserne Disziplin einfordert. Für die kommende Saison hat er 16 Spieler verpflichtet, aus dem aktuellen Kader dürften nur sechs oder sieben bleiben, „weil sie vom Charakter her passen“. Eine Meisterfeier wird sich der Verein verkneifen. „Es ist schade, dass man so aufsteigt“, sagt Prell.