Alles, nur kein „Kinder“-Kram

Als die Jungspunde der Unternehmensberatung Roland Berger noch bei der städtischen Grundstücksverwaltung GVE ein- und ausgingen, hatten sie ihren Spitznamen schnell weg: „Da kommen die Kinder“, hieß es dann augenzwinkernd, wobei nicht überliefert ist, ob das Amüsement anhielt, als zwischen September 2009 und Ende 2010 jene insgesamt elf Rechnungen ins GVE-Haus flatterten, die die Beratungsleistung allein für die Berger-Leute auf satte 3,3 Millionen Euro anschwellen ließen.

3,3 Millionen Euro wofür?

Fünf Jahre später suchen Mitarbeiter von Stadt und GVE jetzt offenbar im Aktenkeller nach einer Antwort auf diese und viele andere Fragen, weil es an einer ordnungsgemäßen buchhalterischen Aufarbeitung mangelt. Wer jemals verfolgt hat, wie im Rathaus um die Freigabe so manches Kleckerbetrages gerungen wird und wurde, der kommt nicht umhin, darüber mit dem Kopf zu schütteln.

Und wenn auch alle wissen, dass jede Pauschalkritik an städtischen Ausgründungen und deren Profiteuren niemandem wirklich gerecht wird, schwant doch langsam auch der Politik die Erkenntnis: Die so oft gelobte Handlungsfreiheit städtisch Bediensteter im GmbH-Mantel, sie ist nicht nur gut genutzt, sondern hier und da auch weidlich ausgenutzt worden. Wenn selbst die Spitzenkräfte städtischer Töchter ihre Firmenzentrale spöttisch einen „Protzbau“ nennen (Stadtwerke), wenn Wirtschaften nach Gutsherrenart offenbar kriminelle Blüten treibt (Entsorgungsbetriebe), wenn unternehmerisches Handeln mit politischem zu verschwimmen droht und sich keiner um Etatgrenzen schert (GVE) – dann fragt man sich, ob hinter all den bedauerlichen Einzelfällen nicht ein Systemfehler steckt.

Worum auch immer sich die Gespräche mit Roland Berger drehten – sicher nicht um all jene Punkte, die bei der Grundstücksverwaltung GVE in die Hose gingen und sie an den Rand der Insolvenz brachten. Der nicht nur hinter vorgehaltener Hand geraunte Verdacht, es könnten bei den Stadionkosten womöglich Projekte verbucht worden sein, für die man anderweitig kein Geld hatte, wiegt schwer und ist alles andere als „Kinder“-Kram: Er unterstellt dem ehemaligen Geschäftsführer Untreue und einen gezielten Betrug an den Aufsehern, die ihn mehr als nur den Job kosten können. Und er bringt die renommierte Beratertruppe von Roland Berger in den Geruch eines ziemlich anrüchigen Mauschelgeschäfts, bei dem viel Reputation auf der Strecke bliebe.

Dabei ist derzeit nicht erkennbar, ob irgendjemand aus dem peinlichen Durcheinander politischen Honig saugen kann: Eingestielt wurde das Stadionprojekt unter CDU-OB Wolfgang Reiniger, umgesetzt wurde es in der Amtszeit von Reinhard Paß (SPD). Hat die Beteiligungsverwaltung geschlafen? Der Aufsichtsrat? Oder wurden sie mit frisierten Kostenberichten und in kleinstem Kreis abgesprochenen, aber nie schriftlich fixierten Abmachungen hintergangen?

In der öffentlichen Wahrnehmung bleibt – unabhängig von seinem Wahrheitsgehalt – schon jetzt das Bild einer überforderten Stadt- und Politspitze hängen, der die Kontrolle über ihre ambitionierten Vorhaben entglitten ist. Wobei die Bürger am Ende dafür blechen müssen. Wer wundert sich über deren Wut?