Alles in bester Kleiderordnung

Die Sache ist jetzt vier Tage her, sämtliche Spuren längst verwischt, da kann ich es ja sagen: Die Justiz ist auch nicht mehr das, was sie mal war.

Oder beschleicht nicht auch Sie ein ungutes Gefühl, wenn ein Justizbeschäftigter – für unsereins bis dato Inbegriff der Korrektheit auch in Fragen kleidungstechnischer Sittsamkeit – die schwarze Robe zugunsten eines fliederfarbenen Hemdes und einer knall-lilafarbenen Bermudashorts ablegt? Und also die Zeugen im gleichen Outfit in den Gerichtssaal bittet, wie ein Animateur die Pauschaltouris zum nächsten blöden Pool-Spiel?

Gestern soll sogar ein ganzes Gerichtsteam im Schweiße seines Angesichts auf den Muff der Talare verzichtet haben, was man – wie vorgeschrieben – im Protokoll vermerken ließ und nur für die Urteilsverkündung noch mal korrigierte.

Ja, es ist bei Temperaturen wie diesen „eine Gratwanderung zwischen Etikette und Luftigkeit“, da hat der Essener Unternehmensverband schon recht, allerdings halten wir es doch für ein Gerücht, dass – wie der EUV behauptet – in klassischen Branchen wie dem Bankensektor auf jeden Fall „die formale Etikette gewahrt werden muss“. Nach NRZ-Informationen jedenfalls nötigt man manchen Kunden auch an weniger warmen Tagen, die Hosen runterzulassen.