Alles hat ein Ende – auch die Currywurst

„Bitte schön, ganz frisch gebraten, ich wünsche guten Appetit!” Mit einem freundlichen Lächeln und zuweilen auch einem flotten Spruch auf den Lippen hat Herbert Keller in seinem Imbiss Schnitzel und Currywürste serviert. Am Sonntag mischte sich unübersehbar ein Hauch von Trauer in den spitzbübischen Blick des 80-Jährigen. Zum letzten Mal öffnete er die Pforten von „Kellers Imbiss” an der Grafenstraße.

„Natürlich ist das ein trauriger Tag”, räumt der Werdener Fleischermeister ein. „Schließlich ist es ein Abschied.” Erst vor zehn Monaten hatte er den Imbiss von seinem Sohn übernommen. Dieser hatte ihn gerade Mal ein Jahr lang unter dem Namen „Henner & Tom” geführt – und auch davor waren viele Imbisse an diesem Standort gekommen und gegangen.

Also entschied sich Herbert Keller, eigentlich längst im Ruhestand, sich selbst hinter die Theke zu begeben, bis sich ein geeigneter Nachfolger finden würde, an den er den Imbiss guten Gewissens verpachten kann. Und dies ging schneller als gedacht. „Eigentlich wollte ich das hier ein Jahr lang machen – aber wenn man nach Arbeitszeit geht, waren das sowieso eher zwei Jahre”, lächelt er und verweist auf die 14-Stunden-Tage, die er und seine Frau Doris mit dem Imbiss hatten.

Es ist ein ruhiger Abschied, zur besten Mittagsessen-Zeit kommen nur vereinzelt Gäste. „Das ist das nasskalte Wetter schuld”, sagt Herbert Keller. „Bei Sonnenschein ist hier wesentlich mehr los.”

Einer der Gäste, die sich trotz der schlechten Witterung einen letzten Besuch bei „Kellers” nicht entgehen lassen wollen, ist Friedrich Schwarz. Genüsslich verspeist er sein Schnitzel. „Eine äußerst umfangreiche Portion”, sagt er, „die schaffe ich gar nicht alleine.” Zum Glück hat er seine Gattin zur Verstärkung dabei. Immer wieder seien die beiden hier zu Gast gewesen, „besonders gerne mit den Enkelkindern – die lieben so ein Essen!” Eben diese Besuche seien es, die das Paar wohl am meisten vermissen werde – und die Freundlichkeit der Gastgeber. „Herr Keller hat seine Gäste immer so nett begrüßt”, betont Schwarz. „Das hat viel zu dieser gemütlichen Atmosphäre beigetragen.”

Man trifft sich ja immer wieder

Aber aus der Welt sei er bestimmt nicht: „Man trifft ihn ja immer wieder mit seinem Hund in der Werdener Fußgängerzone.” „Künftig wohl wieder häufiger”, stellt Herbert Keller fest. „In den letzten Monaten habe ich viel zu wenig Zeit gehabt und musste immer wieder beispielsweise meinen Bruder bitten, mit dem Hund Gassi zu gehen.”

Schon weicht die Trauer über den Abschied der Vorfreude über die neu gewonnene Zeit. Und auch aufs Reisen freuen sich die Kellers. „Gereist sind wir schon immer gern und viel um die Welt”, berichtet der baldige Wieder-Ruheständler und zeigt stolz auf die gerahmten Fotos, die an den Imbisswänden hängen und von seinen Trips erzählen, zum Beispiel zum Kilimandscharo.

Doch natürlich werden die Kellers das Geschehen in Werden weiter im Auge behalten – und auch seinen Nachfolger mal ausprobieren – ebenso wie Gast Friedrich Schwarz. „Natürlich, man muss ja jedem eine Chance geben”, sagt er und deutet dabei an, dass die Kellers die Messlatte recht hoch gehangen haben. Doch Keller selbst winkt ab. „Das wird schon gut”, ist er überzeugt – sonst hätte er kaum den Bratenwender aus der Hand gegeben.

Doch nun gehen erst mal die Lichter aus für einige Monate – der Neue will renovieren, vor allem die Küche nach seinen Vorstellungen umgestalten. Den Kellers ist es recht. Für sie ist das Kapitel Imbissbetrieb nun geschlossen: Alles hat ein Ende, auch die Currywurst.