Allergiker müssen wissen, was sie essen

„Wir wollten noch eine Stunde miteinander verbringen, doch stattdessen landeten wir in der Notaufnahme eines Krankenhauses. Wir hatten in einem Restaurant gut gegessen, in dem Gericht waren allerdings Nüsse enthalten, auf die meine Freundin allerdings höchst allergisch reagierte...“ So erzählt ein guter Bekannter.

Der Anteil der Menschen, die in Deutschland mit Allergien und Unverträglichkeiten auf Lebensmittel reagieren, steigt ständig - Mediziner schätzen, dass mittlerweile fast ein Drittel der Bevölkerung betroffen ist. Bei den Kindern nehmen Allergien besonders stark zu.

Eine der Konsequenzen: Seit dem 13. Dezember 2014 müssen in ganz Europa die 14 Hauptallergene schriftlich gekennzeichnet sein - und zwar auch für so genannte „lose“, also unverpackte Ware, zum Beispiel Brötchen.

Zu diesen Hauptallergenen gehören glutenhaltiges Getreide wie Weizen und Roggen, Milcheiweiß und Nüsse. Aber auch Eier, Fisch, Krebstiere, Sojabohnen, Sellerie, Sesam und Senf.

Wir machen einen kleinen Marktcheck in Werden und Heidhausen. Wie haben die örtlichen Bäckereien und die Gastronomie die neue Allergenkennzeichnung umgesetzt? Ist die Anordnung einer schriftlichen Dokumentation ein Meilenstein für die Verbraucher oder zusätzlicher Behördenkram?

Ob Allergene ausgeschrieben oder als Fußnote aufgeführt werden, bleibt der Gestaltungsfreiheit der Gastronomen überlassen. Wirt Michael Deumlich von der Gaststätte Zum Schwarzen in Heidhausen präsentiert eine übersichtliche und einblättrige Tabelle. In der Senkrechten sind Bier und Speisen aufgeführt – in der Waagerechten die 14 Hauptallergene. Die darin befindlichen Stoffe sind durch Kreuzchen gekennzeichnet. „Was ich nur nicht verstehe, und was für mich nicht nachvollziehbar ist, dass auf Produkten, die ich im Geschäft kaufe, ‘deklarationsfrei’ auf der Packung steht, zum Beispiel beim Mehl. Das Mehl ist aber gemäß EU-Verordnung deklarationspflichtig.“

Für Julia Witte vom Restaurant Schiffers auf der Brückstraße bedeutet die Kennzeichnungspflicht der Allergene bei ständig wechselnder Karte „mehr Aufwand“. „Alle 14 Tage schreiben wir neu. Wir haben immer eine Extra-Karte für die Gäste parat, auf der alles ausgewiesen ist. Bis heute hat jedoch noch nie jemand danach gefragt….“

Unter dem soufflierten Lachsfilet mit Käse-Lauch-Muffin und gerösteten Haferflocken-Erdäpfeln, dazu eine süße Senfsauce, ist vermerkt: „enthält Fisch, Milchprodukte, Weizenmehl, Käse und Butter“.

Seit Januar haben auch die Dom-stuben gegenüber der Basilika die Speisekarte um zehn der in den Gerichten vorkommenden Hauptallergene ergänzt. Chef Frank Hahn: „So können sich Betroffene schnell und einfach informieren und gegebenenfalls darum bitten, einzelne Bestandteile der Zutaten wegzulassen. Da wir überwiegend alles frisch herstellen, kann somit auf Wünsche Rücksicht genommen werden. Auch die Wahl anderer Beilagen ist kein Problem. Nicht nur die Speisen sind zu kennzeichnen, sondern auch die Getränke - wir informieren auch über die Zutaten in unseren Bieren.“

Kladde in den Bäckereien

Die Verkäuferinnen in den Filialen der Bäckereiketten Schmitz und Döbbe holen auf Nachfrage eine Kladde hinterm Tresen hervor, in der das Warenangebot aufgelistet ist und die jeweiligen Allergene und Zusatzstoffe nachzusehen sind.

So weit einige Betriebe, die die neue Allergenkennzeichnung schon erfolgreich umgesetzt haben, andere arbeiten daran - wie Irmgard und Wolfgang Werk von den Tuchmacher Stuben in der Heckstraße: „Wir sind dabei. In Kürze haben wir das Verzeichnis auch.“