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Aktion "Stadtradeln" endet in Essen - „ganz ohne Auto geht es nicht“

29.09.2012 | 06:00 Uhr
Aktion "Stadtradeln" endet in Essen - „ganz ohne Auto geht es nicht“
Ina Toups, Sohn Joscha und Ehemann Kai Lipsius ließen drei Wochen lang ihr Auto stehen.Foto: Kerstin Kokoska

Essen.   Rund 1000 Bürger haben im Rahmen der Aktion "Stadtradeln" drei Wochen aufs Auto verzichtet. So wie Familie Toups/Lipsius aus Bochold. Das Fazit der jungen Familie lautet: „Ganz ohne Auto geht es wohl doch nicht.“

Die Aktion „Stadtradeln“ ist zu Ende gegangen – rund 1000 Bürger haben drei Wochen aufs Auto verzichtet – so gut, wie es geht. Gefahrene Rad-Kilometer wurden in eine Online-Datenbank eingetragen. Bis zu diesem Wochenende sind noch Nachträge möglich, deswegen steht das Ergebnis noch nicht fest.

Aber: Essen hat sich mit rund 170 Kommunen der Bundesrepublik beteiligt und hat durchaus Chancen auf einen Platz unter den ersten zehn Städten.

Mit dazu beigetragen haben vor allem jene Bürger, die ganz aufs Auto verzichtet haben – Politiker wie Wolfgang Freye (Linke) oder Rolf Fliß (Grüne) – und die Familie Toups/Lipsius aus Bochold. Ihr Ford Kombi stand drei Wochen vor ihrer Haustür, eingepackt in graue Folie, mit einem blauen Aufkleber: „Dieses Auto macht Pause – Fahrer ist jetzt Stadtradler.“

Stressig waren Fahrten mit dem öffentlichen Nahverkehr von Bochold nach Rüttenscheid zum Kleinkinderturnen – das berichtet Ina Toups. Und am allerstressigsten war eine Fahrt mit Bus und Bahn zu den Eltern nach Meerbusch: „Der Bahnhof Borbeck-Süd hat keinen Aufzug.

Da stehen Sie dann mit einem Kinderwagen da und müssen sich helfen lassen.“ Beeindruckend war für die Mutter, wie viel Zeit eine solche Reise in Anspruch nimmt: „Es hat doppelt so lang gedauert wie mit dem Auto.“ Ehemann Kai unternahm zwischenzeitlich eine Dienstreise nach Berlin, mit dem Zug, und auch in der Hauptstadt stieg er aufs Leihrad: „Das ging erstaunlich gut.“

„Ganz ohne Auto geht es wohl doch nicht“

Doch das Fazit der jungen Familie lautet: „Ganz ohne Auto geht es wohl doch nicht.“ Aber, wirft Kai Lipsius ein: „Es muss ja nicht unbedingt ein eigenes Auto sein.“ Die Familie räumt ein, über „Carsharing“-Angebote bereits nachgedacht zu haben. Doch so lange es der silberne Ford noch tut . . .

Kai Lipsius fährt auch sonst mit dem Rad so viel, wie es geht, zur Arbeit zum Beispiel, über die Radtrasse „Rheinische Bahn“, doch neu war: „Als ich einmal einen Platten hatte, habe ich den noch abends reparieren müssen, das Rad brauchte ich ja am nächsten Morgen wieder.“

Immerhin: Die Familie hat einen Schlauch-Automaten entdeckt, an der neuen „Finca Barcelona“ in Altendorf. Am Baldeneysee gibt es solche Automaten übrigens auch. Aufgefallen ist Kai Lipsius ansonsten noch, dass Details wichtig werden, die man bei Gelegenheitsfahrten übersieht: „Wenn an wichtigen Stellen abgesenkte Bordsteine fehlen, das wird auf Dauer durchaus nervig.“ Im Herbst geht es übrigens erst mal in den Urlaub, ins Sauerland. Aber mit dem Auto . . .

Martin Spletter



Kommentare
29.09.2012
14:07
Aktion
von bloss-keine-Katsche | #5

lieber dschidschi5 #2,

glauben sie mir, wer (mit Kindern) mobil sein muss, über die Grenzen des VRR hinaus,
für den ist gerade Bahnfahren Luxus!
Noch heute gilkt für uns,
fährt einer, fährt er Bahn,
fahren zwei, leihen wir uns ein Auto! Trotz BahnCard!
Das Auto wird in diesem Land immer noch extensiv gefördert, subventioniert!

1 Antwort
Aktion
von Wochenend_Essener | #5-1

Dann listen sie die Subventionen doch mal auf.
Dass Bahnfahren zu teuer ist, steht ausser Frage. Aber das Auto kann doch nun wirklich nicht an allem Schuld sein.

29.09.2012
13:38
Natürlich geht es auch ohne Auto ...
von Partik | #4

... aber es ist schon klar, warum solche Aktionen nur im Sommer stattfinden. Sobald der erste Schnee fällt, es regnet, sind die Straßen erwiesenermaßen prompt von Fahrrädern entvölkert.

Kein arbeitender Normalbürger fährt das ganze Jahr über mit dem Fahrrad. Bis auf ein paar ganz Hartgesottene mit top Kondition, oder ein paar Jugendliche und ähnlich zwangsweise aufs Auto Verzichtende, macht und kann das doch keiner. Ein durchgeschwitzt oder regentropfender Banker etwa?

Zudem - warum der Hardcore-Abstieg vom Auto auf das Fahrrad? Wenn es kein Auto sein soll, dann eben der Motorroller. 2-3l Verbrauch/Elektro, gegenüber dem Fahrrad hervorragender Regenschutz, mehrfach schneller, besseres Licht, gleicher Platzbedarf.

Fahrräder als Verkehrsmittel der Zukunft - so ein Schwachsinn. Vielleicht in ein paar Innenstädten im Flachland, ok. Für alles andere ist ein leichter Kabinenroller o.ä. mit Motor extrem besser geeignet.

Die Wirtschaftsnation BRD fährt Fahrrad statt Auto - lachhaft.

2 Antworten
Aktion
von truckerchen | #4-1

Schon mal was von Pedelecs gehört? Die gibt es auch als Velomobile für Zuckerpüppchen. Und das das Licht von Fahrrädern schlecht ist, gehört langsam der Vergangenheit an. Die aktuellen Scheinwerfer haben eine Ausbeute von 40 Lux (10 sind lt. StVO vorgeschrieben), ganz neue Leuchten verfügen sogar über 60-70 Lux, bei Pedelecs gibt es jetzt sogar 140 Lux-Leuchten. Wer da nicht genug sieht, ist blind.

Vom Auto aufs Fahrrad umzusteigen ist nur für überzeugte Blechdosenführer ein Abstieg. Wer etwas für seine Gesundheit und das Weltklima tun will, nimmt da gerne mal in Kauf, nass oder kalt zu werden. Das härtet nämlich ab, im Gegensatz zum Fahren in einer von äußeren Umständen abgeschirmten, klimatisierten Blechdose.

Aktion
von Wochenend_Essener | #4-2

für das Weltklima aber auch nur dann, wenn man völlig verblendet die CO² Lüge schluckt. Viele Grüße aus dem klimatisierten rollenden Wohnzimmer an die ***********.

29.09.2012
12:28
dschidschi5 | #2
von dummmberger | #3

Wie lustig-

Immer wieder meinen Menschen, ihre persönlichen Erfahrungen verallgemeinern zu können. Ich komme ohne Auto aus, also sind alle, die das nicht wollen, bequem und faul.
Dass andere Menschen vielleicht in ganz anderen Situationen leben, spielt da ja keine Rolle.

7 Antworten
Aktion
von truckerchen | #3-1

Natürlich ist es nicht leicht, aufs Auto zu verzichten, wenn sich das bisherige Leben voll darauf eingestellt hat. Kita an der einen Ecke der Stadt, Arbeitsplatz zwei Orte weiter in die andere Richtung usw. und so fort. Da ist man schnell aufgeschmissen, wenn die Blechdose mal nicht zur Verfügung steht.

Berücksichtigt man aber bei seiner Lebensplanung auch den Anschluß an den ÖPNV, guter Fahrradinfrastruktur und wohnortnahen Einkaufsmöglichkeiten, fällt es schon deutlich leichter, aufs Auto zu verzichten. Wenn dieses der eine oder andere Teilnehmer der Aktion erkennt, ist schon viel gewonnen. Auch, wenn sie nur ab und zu das Auto stehen lassen und nur bei strahlendem Sonnenschein Rad fahren (=Warmduscher).

truckerchen | #3-1
von dummmberger | #3-2

In welcher Welt leben Sie?

Wie viele Menschen können sich denn bei der "Lebensplanung" nach solchen Dingen richten?
Wer kann sich denn den Arbeitsplatz so aussuchen, dass er eine gute Anbindung an den ÖPNV hat? Oder den Wohnort? Und wo gibt es im Ruhrpott "gute Fahrradinfrastruktur"? Und was nützen einen "wohnortnahe Einkaufsmöglichkeiten", wenn man z.B. für eine mehrköpfige Familie einkaufen muss, mit Sprudelkästen und allem drum und dran?

Aktion
von truckerchen | #3-3

Ich erledige den Wocheneinkauf meiner 4köpfigen Familie mit dem Fahrrad + Anhänger. Sprudelkästen werden übrigens auch nicht mehr geschleppt, dafür gibt es Aufsprudler für Kraneberger. Mein Einkaufsmarkt liegt übrigens in 13 Kilometern Entfernung.

Und natürlich kann man, muss man sogar die Mobilität einplanen. Ich ziehe doch nicht raus aufs Land, wenn ich mich dadurch täglich durch die überfüllten Straßen quälen muss!? Wer da über schlechte Anbindungen meckert, hat es nicht anders verdient!

Aktion
von dummmberger | #3-4

Ich vermute mal, dass Sie nicht berufstätig sind. Sonst würden SIe nicht so blauäugig sein. "Mobilität", das ist, was heute gefordert wird. Da wird umstrukturiert im Betrieb und plötzlich arbeiten Sie ganz woanders. Klar, da zieht man natürlich um, damit man eine günstige ÖPNV-Verbindung hat. Ist ja alles kein Problem. (außer für die Betroffenen)

Und wenn Sie mit dem Fahrrad zum 13 km entfernten Einkaufsmarkt fahren, haben Sie anscheinend unwahrscheinlich viel Zeit.

Wissen Sie, es geht alles, im 18. Jahrhundert hat man seine Erledigungen mit der Pferdekutsche gemacht. Und in Afgrika fahren die Menschen einen halben Tag mit dem Eselskarren zum einkaufen.

Aber wir leben weder im 18. Jh noch in Afrika.

Aktion
von truckerchen | #3-5

Falsch geraten, ich gehe arbeiten. - Besser gesagt fahre ich zur Arbeit, mit dem Rad natürlich und das täglich, bei nahezu jeder Witterung.

Vor noch gar nicht vielen Jahrzehnten war es üblich, den neuen Arbeitsplätzen hinterherzuziehen. Heute gehört es zum Standard, ein kleines Häuschen zu bauen und sich somit an einen Ort zu binden. Da nimmt man dann mal längere Wege zur Arbeitsstelle in Kauf. - Aber wie lange soll das weitergehen? Irgendwann ist mal Schluss mit dem Ausbau der Asphaltpisten, irgendwann auch mit fossilen Brennstoffen. Bei den derzeitigen Wachstumsraten des motorisierten Individualverkehrs wird das nicht lange gut gehen.

Was den Zeitfaktor angeht: für den Arbeitsweg brauche ich netto nur unwesentlich länger als mit dem Auto und das, wo es teils über Land geht, wo Autos nun mal schneller fahren dürfen als innerstädtisch. Hinzu kommt bei der Autofahrt meist auch noch die Parkplatzsuche und der Fussweg vom Auto zur Arbeit. Mit dem Fahrrad kann ich vor der Türe parken.

Aktion
von truckerchen | #3-6

- Fortsetzung -

Andere Leute fahren mit dem Auto nach der Arbeit nach Hause, holen sich ihr Sportzeug und fahren dann mit dem Gefährt ins (meist gar nicht weit entfernte) Fitnessstudio, um dort auf den Crosser oder auf den Ergometer zu gehen. - Dann sitze ich aber schon längst zuhause auf dem Sofa.

Aktion
von dummmberger | #3-7

Ja, Sie leben gut in Ihrer kleinen Welt.

Sie reden immer vom "Häuschen auf dem Land". Wissen Sie eigentlich, wie viele Arbeitnehmenr in de rmietwohnung leben? Und wie viele davon sich überhaupt nicht leisten können, ständig ihrem Arbeitsplatz hinterherzuziehen? Abgesehen davon, dase vielleicht beide Ehepartner arbeiten und die Kinder in KITA oder Schule gehen. Alles kein Problem, mal eben umzuziehen, neue Stellen für den Ehepartner gibt es zuhauf, Schul- und KITA-Wechsel sind super für die Kleinen.

Ja, vielleicht alles etwas kompliziert, aber damit retten wir ja das Klima. LOL

29.09.2012
10:00
Aktion
von dschidschi5 | #2

Wie lustig - ich hatte bisher nicht den Eindruck, dass ich nicht am Leben teilnehmen kann, nur weil ich mir kein Auto leisten kann. Im Gegenteil, bisher bin ich noch immer dorthin gekommen, wo ich hin wollte. Die hier angeführten Beispiele haben doch wohl überwiegend mit Bequemlichkeit zu tun, um nicht zu sagen mit Faulheit. Übrigens, #1, wenn man ein Auto unterhalten kann, kann man sich stattdessen auch Bahnfahren erlauben. Der Service der Bahn ist natürlich eine andere Sache....

29.09.2012
08:50
Aktion
von bloss-keine-Katsche | #1

Ganz ohne Auto gehts nicht?
Doch nur, weil man sich fortschrittliche Alternativeb nicht leisten kann!
Das Auto das stark subventionierte Verkehrsmittel auf der einen, z.B. die Bahn als teure Alternative dagegen,
Alle Angebote, wie einst das "Wochenendticket" wurden gestrichen, als Familie kann ma sich Bahnreisen nicht erlauben!
oder,
wie wärs mit funktionierenden Aufzügen und Rolltreppen, damit jeder/jede bequem den öffentlichen Nahverkehr nutzen kann!
Es gibt viel zu tun, packen wir es an!

1 Antwort
das "Wochenendticket" wurden gestrichen
von muemumin | #1-1

Das wurde auch Zeit. Ich bin 5 Jahre lang berufsbedingt jede Woche von Essen nach Berlin gependelt und zurück. Dabei waren mir diese Großfamilien mit ihren unerzogenen Blagen ein steter Dorn im Auge. Diese Tickets hätten nur mit vorheriger Platzreservierung und für bestimmte Bereiche verkauft werden dürfen (z.B. Ruhezonen ausgenommen).

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