Achtung Zonengrenze
28.09.2008 | 19:07 Uhr 2008-09-28T19:07:00+0200VERKEHR. Ab 1. Oktober tritt die Umweltzone in Kraft. Sechs Prozent der Fahrzeuge dürfen nicht hinein. Erst 320 Ausnahmen.
Die Umweltzone ist eine knibbelige Angelegenheit. Autofahrer müssen eine Umweltplakette hinter die Windschutzscheibe pappen. Die Verkehrsbehörde muss dafür sorgen, dass die orange-schwarzen Klebestreifen rechtzeitig von den Hinweisschildern verschwinden. Rechtzeitig, das heißt spätestens am kommenden Mittwoch, 1. Oktober, und möglichst nicht früher, was angesichts von rund 300 Schildern eine logistische Aufgabe ist.
Ein Drittel des Stadtgebietes
Ab übermorgen also gilt's. Mit diesem Stichtag wird rund ein Drittel des Stadtgebietes zur Umweltzone erklärt. Diese erstreckt sich von Bochold im Westen über Rüttenscheid, die Innenstadt, Altenessen und Kray bis zur Stadtgrenze zu Bochum. Mit einer Fläche von 70 Quadratkilometern ist es die größte der acht Umweltzonen im Ruhrgebiet. Hineinfahren darf nur, wessen Wagen eine rote, gelbe oder grüne Umweltplakette bekommt. Von den rund 308 000 in Essen zugelassenenen Fahrzeugen sind das die allermeisten; kaum sechs Prozent zählen zur so genannten Schadstoffgruppe 1 und erhalten deshalb keine Plakette - was bei Kritikern die Frage nach dem Sinn der Umweltzone aufwirft. Beantworten will das Land diese Frage 2010, wenn wissenschaftlich belastbare Erkenntnisse vorliegen sollen. Immerhin: Jeder dritte in Essen zugelassene Lkw und mehr als 40 Prozent der Busse pusten so viel Abgase in die Atmosphäre, dass sie keine Plakette bekommen.
Wer mit seinem Wagen ohne gültige Plakette in der Umweltzone unterwegs ist, riskiert ein Bußgeld von 40 Euro und einen Punkt in der Flensburger Verkehrssünderkartei. Sechs Wochen lang will die Stadt "Gnade vor Recht" ergehen lassen, kündigt Hans-Dieter Schmitz vom Amt für Verkehrsmanagement an. Politessen werden in dieser Übergangsfrist in der Umweltzone jedem geparkten Auto ohne Plakette einen Hinweis hinter den Scheibenwischer klemmen: Bitte besorgen Sie sich eine Umweltplakette. Hartnäckige Verweigerer könnten sogar gezwungen werden, ein Fahrtenbuch zu führen, sollten sie als Halter behaupten, sie selbst seien gar nicht gefahren.
Nicht auszuschließen, dass die Politessen mehr Autos ohne Plakette "erwischen", als die Statistik erwarten lässt. Bislang hätten nur zwei von drei Fahrzeughaltern eine Plakette, schätzt man bei der Verkehrsbehörde nach mehreren Verkaufsaktionen. Belastbarer ist da die Zahl der Ausnahmegenehmigungen. 320 seien bislang erteilt worden. "Das sind höchstens ein Zehntel derjenigen, die in Frage kommen", sagt Schmitz. Anspruch auf eine Ausnahmegenehmigung haben zum Beispiel Anwohner mit einem entsprechenden Parkausweis, Schwerbehinderte und Betriebe, die innerhalb der Umweltzone liegen. "Ausnahmegenehmigungen gelten immer nur in zusammenhängenden Umweltzonen", betont Schmitz - für Essener also auch in Gelsenkirchen, nicht aber zum Beispiel in Bottrop.
Essens Umweltzone geht nahtlos in die Gelsenkirchener über. Feine Unterschiede gibt es dennoch. In der Nachbarstadt dürfen "Umweltsünder" auf mehr Nachsicht hoffen. Gelsenkirchen hatte sich bei der Landesregierung vergebens für eine dreimonatige Übergangsfrist eingesetzt. Nun heißt es vieldeutig, man werde, "mit besonderem Augenmaß" vorgehen, bevor Autofahrer ohne Plakette zur Kasse gebeten werden.DIE UMWELTZONEDie Umweltzone verläuft auf Essener Stadtgebiet entlang folgender Straßen:
A 42, Gladbecker Straße, Vogelheimer Straße, Hafenstraße, Bottroper Straße, Friedrich-Lange-Straße, Bocholder Straße, Altendorfer Straße, Hirtsieferstraße, Onckenstraße, Rüdesheimer Straße, Leipziger Straße, Hausackerstraße, Kaulbachstraße, Alfredstraße, A 52, Ruhrallee, Huttropstraße, Steeler Straße, Grenoblestraße, Bochumer Landstraße.
Infos zu Ausnahmegenehmigungen erteilt die Stadt unter Tel: 88 393 -33/-34/-35.
19:33
Wartet mal bis zum Weihnachstsmarkt, da kann dann die Stadt Essen den Haushalt noch ein wenig sanieren. Besonders dann wenn auch Besucher aus den Nachbarländern ohne Umweltplakette kommen ...
@Ruhrpottler: Wohnsitz verlegen, ggf. in Firmenadresse?
09:30
Ruhrpottler, mir gehts genauso. Wer am Zonenrand - also nicht in der Zone selbst - wohnt, hat auch ein Problem. Da wäre es noch besser, in der Zone zu wohnen, dann bekäme man wenigstens eine Ausnahme. So was irres habe ich echt nocht nicht erlebt. Das Schlimmste: Die Theoretiker im Rathaus glauben den Mist, den sie predigen!
Mit verbesserten Euro-Normen trägt die Politik dazu bei, daß der Staub in Gramm gerechnet weniger wird.
Doch: Der Staub wird durch TDIs, CDI, CRDI usw. derart fein, daß die Lungengängigkeit absolut betrachtet, erhöht wird.
Solche Fakten werden allerdings auf allen Ebenen geflissentlich ignoriert.
http://www.mpg.de/bilderBerichteDokumente/dokumentation/pressemitteilungen/2008/pressemitteilung20080208/index.html
Stattdessen bekommen wir vorgegaukelt, daß unsere, nichtplakettenkonformen Fahrzeuge das Problem wären.
Und Thyssenkrupp denkt in Duisburg über einen neuen Hochofen nach.
Einfach nicht mehr zu fassen.
07:02
Ich könnte kotz.... wenn ich das lese. Erst 320 Ausnahmegenehmigungen erteilt. Stimmt. Ich wohne nicht in der Umweltzone hätte aber eine Ausnahmegenehmigung gebraucht um mein Geschäft weiter aufrecht erhalten zu können. Und jetzt erfahre ich letzten Donnerstag das es keine Ausnahmegenehmigung für meinen Fall gibt.(Antrag wurde viel früher gestellt).
Habe jetzt also max. 6 Wochen Zeit einen fast neun LKW zu kaufen oder den ganzen Laden zu machen.
Schönen Dank auch