Abschied vom Georg-Melches-Stadion mit gemischten Gefühlen
20.05.2012 | 20:22 Uhr 2012-05-20T20:22:00+0200
Essen. 11 000 RWE-Fans kamen zum letzten Punktespiel noch einmal in ihr Georg-Melches-Stadion. Um 15.50 Uhr war für immer Schluss. Mit dem Abpfiff des Viertligaspiels Rot-Weiss Essen gegen Fortuna Köln, mit einem 1:1, endete nach 86 Jahren die fußballerische Laufbahn des Georg-Melches-Stadion.
Irgendwie passend zur wechselvollen Geschichte von Rot-Weiss Essen, lief natürlich auch an diesem Abschiedstag für die Stadion-Legende an der Hafenstraße 97 A nicht alles glatt: Dass drei Spieler an verbotenen Wetten gegen den eigenen Verein (!) beteiligt waren, dass der Wechsel von Timo Brauer nach Aachen vor Anpfiff bekannt wurde, dies alles war mal wieder Pein für die RWE-Seele.
Die knapp 11.000 Fans, die zur großen Abschieds-Gala gekommen waren, quittierten vor allem den Wettbetrug mit einem Pfeifkonzert. Und auch der Versuch einiger uneinsichtiger Anhänger, trotz vieler Appelle nach Spielende den Rasen zu stürmen, wurde von der Masse lautstark „zurückgepfiffen“. RWE-Chef Michael Welling und einige Spieler, die sich mit Worten in den Weg stellten, drängten die Fans höflich aber bestimmt in die Ostkurve zurück, wo bereits einige Bengalos abbrannten. Der unerfreuliche und überflüssige Teil einer ansonsten wunderschönen Abschieds-Choreographie, mit einem Riesentransparent auf Nord- und Osttribüne und einem rot-weißen Fahnenmeer auf der Haupttribüne.
Leidensfähigkeit
Eine gewisse Leidensfähigkeit als RWE-Fan gehört schon dazu, da will Lothar Dohr gar nicht widersprechen. Wer über das Seelenleben an der Hafenstraße berichten will, kommt an dem 52-jährigen Fanbeauftragten, an dem ehemaligen „Schrecke vom Niederrhein“ nicht vorbei. „Seit drei Uhr heute morgen habe ich nicht mehr geschlafen“, sagt Dohr, der in seinem Fanbüro, wo einst Dieter Bast und Willi Lippens zur Miete nächtigten, auf seine Mitstreiter vom 1. Rot-Weiss-Fanclub wartet. „Ich habe hier mehr Zeit verbracht, als irgendwo sonst“, sagt Dohr. „Das ist mein Zuhause. Jetzt hier auszuziehen, das fällt mir verdammt schwer.“ In der Ecke stehen schon die Umzugskartons. „Es ist für mich ein trauriger Tag. Aber natürlich weiß ich, dass wir das neue Stadion brauchen, sonst kommen wir nie aus der 4. Liga heraus.“
Abschied nehmen – während am Sonntag noch einmal 3000 bis 4000 Fans zum Fußballspiel der Legenden, zur letzten Party kamen, war für Lukas Konieczny bereits am Samstag Schluss: Dem Wirt der Vereinsgaststätte wurde fristgerecht zum 19. Mai gekündigt, im neuen Stadion wird es keine Gaststätte geben. „Wir haben schon im Mai die Gaststätte Matecki in Oberhausen eröffnet. Aber es macht uns traurig, wir wären gerne geblieben“, sagt Konieczny, der zwölf Jahre lang im Georg-Melches-Stadion zapfte.
Neu orientieren – für die Fans beginnen da völlig neue Welten: Fanprojekt, Fanbetreuung bekommen eine 232 Quadratmeter große Container-Landschaft auf den P3-Parkplatz gestellt, dazu 1000 Quadratmeter Veranstaltungsfläche drumherum. „So ‘ne Art Fan-Notunterkunft“, sagt einer der Jungs, die „Ultra“ auf dem T-Shirt stehen haben. Wie es im neuen Stadion wird? „Schwer zu sagen, unser Bock fehlt ja noch.“
Zweimal Westtribüne?
Es ist die Osttribüne, die 2013 auf dem Platz der alten Westtribüne errichtet wird, und deshalb auch Westtribüne heißen soll. Westtribüne im Osten? Etwas verwirrend. „Block K wäre vielleicht besser“, meint Roland Sauskat vom Awo-Fanprojekt. „Vielleicht mit Gestaltungsfreiheit für die Fans.“ Block K war auf der Nord-Tribüne nach dem Aus für die Westkurve das neue Ultra-Domizil. Natürlich trauern auch sie dem alten Stadion nach: „Aber egal wo RWE spielt, wir werden mitgehen“, sagt der junge Ultra-Fan, der von der Begeisterung berichtet, mit der er und seine vielleicht 100 Freunde das riesige Transparent für die Osttribüne gefertigt haben. Eine Hommage an Georg Melches: „Moderne, Erinnerung, Mythos, Heimat“ haben sie ihre Gefühle in riesige Worte gekleidet, dazu ein paar tausend weiße und rote Fähnchen gebastelt, für jeden Sitz der Haupttribüne eine: „Zwei Monate lang haben wir Tag und Nacht geschuftet, die Tücher genäht und gemalt. Einige haben sich Urlaub genommen, ein paar andere wochenlang krank gefeiert.“
Einmal RWE, immer RWE. Da wäre zum Beispiel Michael Pust, der seinem Sohn Florian die Mitgliedschaft im Verein zum Geburtstag geschenkt hat: „Ich war auch mit fünf Jahren das erste Mal hier.“ Klar, traurig sind sie alle, „aber mit dem neuen Stadion soll es ja besser werden“.
Hans-Georg Krawinkel ist davon felsenfest überzeugt. Der 72-Jährige pilgert seit er sich erinnern kann zur Hafenstraße. 1955, mit 17, schenkte ihm seine Mutter die Karte fürs Meisterschaftsendspiel in Hannover: „Ich freue mich aufs neue Stadion, das ist die Zukunft. Und mit dem alten lassen wir hoffentlich endlich auch die Zeit der vielen Fehler, der falschen Versprechen hinter uns. Das alles können sie gleich mit abreißen.“

00:10
Tja Ente, deine Emotionalität kann ich nachvollziehen, trotzdem hat aus meiner Sicht der Vorstand alles richtig gemacht.
Mit Blick nach vorne muss der Verein jede Möglichkeit nutzen, um Einnahmen zu erzielen. Die Trennung zwischen dem letzten Ligaspiel und dem Event am nächsten Tag war im Sinne des Vereins 1907% richtig.
Das "Türöffnen" auf der Ost: Alle Essener Fans fanden es vollkommen okay. Einige extra angereiste Hooligans aus Bremen nicht. Grandios die Leistung des Ordnungsdiensts, nach gewaltsam erzwungener Öffnung danach sich zurückzunehmen und den Affen die Show zu stehlen und nicht auf ihre (von ihnen gewünschte) Gewaltbereitschaft einzugehen. Intellektuell überfordert (warum gab es keine Gegenreaktion auf Gewalt?) haben die Schwachmaten dann wieder das Feld geräumt. Für mich ein Erfolg für den Sport.
23:38
Nach dem letzten Pflichtspiel hätte ich mir den Abschied im Stadion doch wirklich emotionsvoller gewünscht. Es ist gute Tradition, die Tore zu öffnen und das Stadion zu begehen. Was soll der Quatsch mit den so genannten Legenden am nächsten Tag? Diese Vorführung vermeintlicher Legenden war z.T. oberpeinlich. Neben wirklicher Legenden tauchten im betriebswirtschaftlich vernebelten Raum "Spieler" auf, die die meisten der Fans vergeblich versucht haben, sie dauerhaft zu verdrängen. Wir hätten alle zusammen am Samstag feiern sollen. Dazu wären tatsächlich verdiente ehemalige Spieler gekommen und den Sonntag (mit Eintrittspreisen ??!!) hätte man ersatzlos streichen können. Die wenigen Fans, die sich tatsächlich erdreisteten, nach dem Spiel den heiligen Rasen zu betreten, wurden angemacht und ausgepfiffen. Na ja, Fußballkultur, wo bist nur nur geblieben? Man muss mit der Zeit gehen. Hole mir jetzt ein Home- und ein Away-Trikots, male mein Gesicht an und ...
19:44
Am Samstag, das gedränge hinter der Osttribühne, wurde durch übereifrige Ordner verursacht.Die haben die Leute vor den Aufgängen ins Stadion festgehalten, bis auf den Rängen angeblich Platz ist.Nur stand oben kein Ordner, der hätte dafür Sorgen können das die Leute nicht vorne am Ausgang stehen blieben.Wenn man ordnern so eine Aufgabe zuweist, sollte man diese auch dahingehend ausbilden.
Ansonsten...Nur der RWE!!!
12:53
Mal ein ganz anderer Aspekt für die Kritiker des neuen Stadions.
Die Stadt muss als Betreiber des GMS auch für die Sicherheit der Zuschauer sorgen. Die war aber im GMS nicht mehr gewährleistet. Auf der Nordtribüne hätte niemand mehr stehen dürfen, wenn der Gästeblock geöffnet wurde. Es existierten zu wenig Fluchtwege.
Was am Samstag in der Halbzeitpause hinter der Osttribüne stattfand, kann man teilweise nicht begreifen nach der Loveparade in Duisburg.
Es müssen nicht erst Menschen sterben, damit einige die Notwendigkeit eines neuen Stadions begreifen.
07:48
Lothar Dohr, Zitat: "Aber natürlich weiß ich, dass wir das neue Stadion brauchen, sonst kommen wir nie aus der 4. Liga heraus.“
RWE hat ja Geld genug um den Neubau zu finanzieren oder sollte ich mich da irren?
Nein, RWE hat nicht genug Geld, aber der Rat hat den Bau ja mit grosser Mehrheit beschlossen. Also muss der Rat so viel Geld haben, oder sollte ich mich da auch irren?
23:21
Versprecht euch nicht zu viel von dem neuen Stadion. Auch später wird es Spieler bei RWE geben, die nicht wegen Printen den Verein wechseln, aber Stunden vorher noch ihr RWE-Emblem küssen. Solange keine "richtigen Großsponsoren" auftauchen, wird sich an der Qualität der Mannschaft gar nichts ändern.