Abfall vergangener Tage
23.01.2013 | 00:11 Uhr 2013-01-23T00:11:00+0100
Man hätte sie für einen einfachen Stein halten können, rund zehn Zentimeter lang, rundgespült vom Wasser der Ruhr. Doch was ein aufmerksamer Bürger am Wegesrand in Kettwig gefunden hat, ist eine etwa 6000 Jahre alte Steinaxt. Deutlich ist das Loch zu erkennen, an dem sie wahrscheinlich mit einem Holzstock verbunden war. Vor 6000 Jahren gab es die Stadt Essen als solche natürlich nicht. Aber dass hier schon viel früher Menschen gelebt haben, zeigt nicht nur die 2012 aufgetauchte Steinaxt.
Mit über 1500 Fundstellen gehört Essen zu den interessantesten Gebieten für Archäologen im Ruhrgebiet. Der älteste Fund auf Essener Boden war 1926 eine Feuersteinklinge, die mit einem Alter von rund 300 000 Jahren auf das Leben der Neandertaler hinweist. Jährlich zeigt das Institut für Denkmalschutz und Denkmalpflege die Ergebnisse seiner Arbeit im Foyer des Rathauses. Am Montag eröffneten Oberbürgermeister Reinhard Paß und Stadt-Archäologe Detlef Hopp die diesjährige Ausstellung.
„Archäologen sind die, die sich für den Müll vergangener Zeiten interessieren“, sagte Hopp bei seiner Ansprache. Vergangenes Jahr wurde das besonders wörtlich genommen, die Stadtarchäologie hat sich viel mit Abfall beschäftigt: In der Frillendorfer und der Rheinischen Straße – beides Orte, die früher als Müllkippe dienten – fand man den Hausmüll der Anwohner zwischen dem Ende des 19. Jahrhunderts bis 1950. Während die Essener im Jahr 1900 noch 38 420 Kubikmeter Müll erzeugten, waren es 13 Jahre später bereits 58 562 Kubikmeter. Abgeholt wurde er gegen Gebühr von Aschenknechten, der Müllkutscher fuhr ihn auf die Deponie. Zwischen 1930 und 1950 finden sich in den Abfällen Tintenfässer, Kosmetikbehälter und sogar Austernschalen. „Während aus dem 19. Jahrhundert meist zerbrochene Gegenstände auftauchten, fanden wir vollständige Gefäße aus dem 20. Jahrhundert.“ Daran ist eine deutliche Entwicklung hin zum Wohlstand zu erkennen“, erklärte Hopp.
Neben der Aufarbeitung der Funde, die vergangenes Jahr aufgetan wurden, war ein weiteres Projekt der Stadtarchäologie die Visualisierung der Essener Stadtbefestigung. So wird in der Ausstellung ein historisches Modell der Stadt präsentiert, wie sie um 1800 ausgesehen hat – hergestellt mit einem 3D-Drucker. In der Innenstadt sind keine Überreste der Mauern mehr zu sehen, jedoch wurden bei Kanalbaumaßnahmen in Werden Spuren des mittelalterlichen Heck-Tores gefunden. Es sind die Überbleibsel der Toranlage, die im 15. Jahrhundert zur Werdener Stadtbefestigung gehörte.
Die Ausstellung ist bis 6. Februar im Rathaus zu sehen. Eintritt frei.

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