A40-Sperrung hat Halbzeit - wie geht es nach den Ferien weiter?

Unter der heißen Sommersonne werkeln knapp 100 Bauarbeiter für eine rechtzeitige Fertigstellung der A40-Baustelle.
Unter der heißen Sommersonne werkeln knapp 100 Bauarbeiter für eine rechtzeitige Fertigstellung der A40-Baustelle.
Foto: Essen
Ende September soll die Autobahn A40 wieder frei sein. Bis dahin heißt es: informieren, umsteigen, Gleitzeit nutzen. Im Nahverkehr können Evag & Co. auf die Sperrung reagieren. Die Bauarbeiten werden unterdessen teurer, das dauerhafte LKW-Verbot scheint vom Tisch.

Essen.. Erbarmungslos prallt die Sonne auf den Beton. Kreissägen, Schaufelbagger und andere Baumaschinen lärmen, und wo sich bis zum 6. Juli noch Lastwagen und Autos drängten, schaufeln, hämmern und schrauben jetzt Tag ein Tag aus 60 Arbeiter. Geben alles, damit die größte Autobahn-Vollsperrung der Republik nicht noch länger dauert.

„Wir liegen wieder im Zeitplan. Das schlechte Wetter hatte uns anfangs in Rückstand gebracht, den haben wir wieder aufgeholt“, ist Projektleiterin Annegret Schaber von Straßen NRW sichtlich zufrieden mit dem Fortgang – trotz der schweißtreibenden Temperaturen. Am Freitag besuchte Schaber gemeinsam mit NRW-Bau- und Verkehrsminister Michael Groschek die Baustelle rund um die Helbingbrücken (die NRZ berichtete).

Lob für die konsequente Vollsperrung und Organisation

Dabei kam sie wieder zur Sprache, die viel diskutierte Frage: Ist eine dreimonatige Komplettsperrung der Ruhrgebiets-Verkehrsader richtig oder wären doch Arbeiten bei laufenden Verkehr effektiver gewesen? Zur Baustellen-Halbzeit und kurz vor dem Ende der Sommerferien fand Groschek nur lobende Worte für die Entscheidung pro Vollsperrung: Es sei eine „mutige Umsetzung“, ein „Modellprojekt, das vom Bund genau beobachtet wird“.

Nicht nur bundesweit, wie die Essener Landtagsabgeordnete Britta Altenkamp (SPD) sagt. „Der lange Planungsvorlauf von zwei Jahren hat einen Lerneffekt auch für städtische Projekte.“ So laufen die Vorbereitungen für den Neubau der Altendorfer Straße sehr gut, die Anwohner seien gut und ausführlich informiert worden, so dass im Oktober die gesamte Straße gesperrt werden kann. Auch im Falle der A40-Sperrung habe der lange Vorlauf dazu geführt, „dass die Menschen sehr gut informiert waren“, was wiederum zur stauarmen Situation in den Sommerferien geführt habe, wie Groschek meint.

Die Pendler kommen zurück

Doch mit den Ferien ist es jetzt vorbei, die Pendler kommen zurück, der normale, meist stauintensive Alltag wird die A40 schon bald zurück haben. „Jetzt wird es ernst“, weiß auch der Minister.

Nach all dem Lob für die ersten sechs Wochen müsse nun das alltägliche Verkehrsaufkommen bewältigt werden. Im gesperrten Streckenabschnitt sind das 90.000 bis 120.000 Fahrzeuge täglich. Die Ausweichstrecken auf der A42 und der A52 hätten sich laut Autobahnpolizei zwar bewährt, sagt Groschek, „wir bauen aber zusätzlich darauf, dass sich die Pendler auf öffentliche Verkehrsmittel ausweichen und Gleitzeiten nutzen“.

Nahverkehr kann im Staufall reagieren

Die Essener Verkehrs AG (Evag) und die Deutsche Bahn haben sich auf mehr Pendler eingestellt: Die S6 fährt seit heute wieder vom Hauptbahnhof alle Haltestellen an, die Evag kann im Fall von Stau-Verspätungen auf den Bus- und Bahnlinien weitere Fahrzeuge und Pendelbusse einsetzen. Von möglichen Verspätungen bedroht bleiben vor allem die Ruhrallee-Linien (155, SB 15 oder 160) und Straßenbahnlinien wie die 105 oder 107. In welchem Ausmaß zusätzliche Angebote notwendig werden, bleibe abzuwarten, so die Evag.

Abwarten. Mehr bleibt wieder nicht übrig, wie schon vor sechs Wochen, als bereits zum Ferienbeginn das große Stauchaos befürchtet wurde. Ganz auf die guten Erfahrung der ersten Halbzeit vertrauen wolle er nicht, gab der Minister zu, „das Baustellenmanagement hat jedoch bislang tolle Teamarbeit geleistet, dem gilt es zu vertrauen“.

Dort konzentriert man sich jetzt vor allem auf die zeitgemäße Fertigstellung. Noch besteht die Fahrbahn nur aus abgefrästem Beton, die neuen Übergänge zu den Brücken müssen montiert, die Lärmschutzwände fertiggestellt werden und auch im Ruhrschnellweg-Tunnel arbeitet das „Bagger-Ballett“, wie Minister Michael Groschek die Baustelle metaphorisch umschreibt, weiter auf Hochtouren.

„Es gibt noch viel zu tun“, weiß Projektleiterin Schaber. Der Zeitplan steht, zum 1. Oktober soll alles fertig sein und die Bahn wieder freigegeben werden. Bis dahin empfiehlt der Minister: „Noch sechs Wochen einfach durchhalten.“

Keine Chance für ein LKW-Verbot

„Lasst die Verkehrsführung so wie sie ist“, hätten viele Bürger, aber auch städtische Politiker von ihm gefordert, erzählt Bau- und Verkehrsminister Michael Groschek. Gemeint ist damit speziell ein LKW-Fahrverbot auf der A40. Der Duisburger Professor und Verkehrsexperte Michael Schreckenberg hatte das Thema angestoßen. Die Schwergewichte sollen stattdessen, wie momentan verbreitet, über die A42 geleitet werden.

Beim Minister stößt der Vorschlag auf wenig Verständnis: „Die A40 ist für den Schwerlastverkehr logistisch notwendig und wird nach der Sperrung auch wieder für diesen freigegeben.“

Mehrkosten durch Mehrarbeit

Die Renovierungsarbeit auf der A40 werden teurer als ursprünglich veranschlagt. „Wir haben zusätzliches Geld für zusätzliche Arbeiten ausgegeben“, beschwichtigt Annegret Schaber. So seien mit Beginn der Arbeiten weitere Mängel aufgefallen, unter anderem werden nun neue Gleitwände und Entwässerungsleitungen eingebaut. Die Kosten steigen dadurch um „geschätzte ein bis zwei Millionen Euro, bislang hatten wir noch keine Zeit das genau zu berechnen“, sagt Schaber. Das soll nach Bauabschluss geschehen. Das Projekt war mit etwa 18 Millionen Euro veranschlagt.

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