A 52-Ausbau – Fotochronik eines umstrittenen Bauprojekts

Sprayer-Kommentare als unmissverständliche Reaktionen auf das Autobahnprojekt:  Lärmschutzwand A 52 in Essen.
Sprayer-Kommentare als unmissverständliche Reaktionen auf das Autobahnprojekt: Lärmschutzwand A 52 in Essen.
Foto: Daniel Stemmrich
Was wir bereits wissen
Daniel Stemmrich hat das umstrittenste Straßenbauprojekt der Essener Geschichte mit der Kamera verfolgt. Fotochronik des A 52-Ausbaus gibt’s als E-Book.

Essen.. Landschaftsfotografie beginnt für Daniel Stemmrich gemeinhin da, wo für andere die Idylle aufhört: Wenn sich statt beschaulicher Rastbänke plötzlich Autobahnbrücken vors Objektiv schieben wie beim Ausbau der heutigen A 44 durch das malerische Asbachtal. Oder wenn der Teich im Krupp-Park plötzlich einer sumpfigem Baubrache weicht.

Stemmrich interessiert, was Mensch und Maschine mit der Umgebung machen. Und so ist er von Anfang an mit der Kamera dabei, als sich die erste Baggerschaufel 1977 in seiner Rüttenscheider Nachbarschaft in die Erde gräbt, um den Bau der A 52 damals zwischen Rüttenscheid und Essen-Ost voranzutreiben. Seither hat ihn das Thema nicht mehr losgelassen.

A 52 in Essen ist ein Teil seines Lebens geworden

Rund 800 Bilder hat Stemmrich inzwischen gemacht, von Baustellenzäunen und Schallschutzwänden, von monströsen Raupen und tief zerschnittenen Landschaftsräumen. Irgendwann hat er den Blick geweitet, nach Altenessen, Frillendorf und Stoppenberg, wo eine Trasse seit Jahrzehnten für den geplanten Lückenschluss zwischen dem Autobahn-Dreieck Essen-Ost und dem A 42-Kreuz Essen-Nord freigehalten wird. Den Schrebergarten, der irgendwann mal zur unterirdischen Einfahrt der A 52 in Altenessen werden sollte, gehört ebenso zu den Motiven wie das liebliche Asbachtal, das mit dem Ausbau der damaligen B 227 zerschnitten wurde.

Die A 52 in Essen aber ist so etwas wie ein Teil seines Lebens geworden, ein Projekt, das der heute 65-Jährige seit seinem 27. Lebensjahr begleitet. Und weil ein Abschluss trotz jahrzehntelanger Abstimmungen, Anträge und Prüfungen so schnell nicht in Sicht ist, hat Stemmrich nun eine – vorläufige – Bilanz vorgelegt. „Stadt und Straße - Fotochronik eines andauernden Konfliktes -1977 – Heute“ , dokumentiert das wohl umstrittenste Straßenbauprojekt der Essener Stadtgeschichte und ist nun im Netz als E-Book herunterzuladen.

Ohne Pathos, ohne Vorwurf, ohne Romantisierung

Stemmrich hatte keinen Auftrag, kein Konzept, keine Mission, als er mit dem Fotografieren anfängt. Er hat nicht mal eine klare Haltung zur A 52, aber er hat einen Vorsatz: Ohne Pathos, ohne Vorwurf, aber auch ohne Romantisierung will er die Veränderungen dokumentieren. Er fotografiert Schwarzweiß und hat dabei Meister der amerikanischen Landschafts-Fotografie wie Robert Adams im Hinterkopf.

Mit bemerkenswerten Akribie verfolgt Stemmrich, der hauptamtlich die fotografische Sammlung im Industriemuseum Oberhausen geleitet hat, so über Jahre eine verkehrspolitische Debatte, die immer wieder Purzelbäume schlägt. Mal votiert der Essener Rat gegen den A 52-Lückenschluss, mal zieht das Land den vermeintlichen Schlussstrich unter das 6,8 Kilometer lange Teilstück. Aber als in der vergangenen Woche laut wurde, dass das Land den Weiterbau durchs Essener Stadgebiet nicht abgehakt hat, wurde Stemmrich wieder einmal klar, dass das Thema noch lange nicht ad acta gelegt ist.

Sollte der Lückenschluss noch kommen, würde Stemmrich nicht zu den Gratulanten gehören. „Städte sind für mich kein Transitraum“, sagt der 65-Jährige und hat zum Beweis jede Menge Kartenmaterial parat, das Stadtpläne von Dortmund bis Düsseldorf umfasst. Eine von Schneisen durchzogene Innenstadt wie in Essen findet sich nirgends. Dass die Fotografien bei der Entscheidung etwas bewirken könnten, vermag er nicht zu hoffen, aber „sie bringen doch Reflexionen in Gang, wenn man guten Willens ist.“