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Spardebatte : Stadtwerke Essen gönnen sich im Neubau nur Luxus-Möbel

Essen, 26.01.2010, Peter Szymaniak

Essen. Der Erweiterungsbau der Hauptverwaltung der Stadtwerke Essen ist schon jetzt architektonisch beeindruckend. Und auch die Inneneinrichtung soll es in sich haben - nur internationale Edelmarken sind vertreten. Allein der Bürosessel für den Vorstand kostet mehr als 3.300 Euro.

Der Erweiterungsbau der Hauptverwaltung der Stadtwerke Essen in Rüttenscheid ist architektonisch durchaus beeindruckend: Viel Glas und abgerundete Fassadenecken lassen das 30 Millionen Euro teure Gebäude schon fünf Monate vor dem Einzug von 160 Stadtwerke-Mitarbeitern luftig und transparent wirken. Bei der Inneneinrichtung wird nur auf Designer gesetzt – ganz im Sinne der Essener Architekten Eisenberg und Hoffmann, die sich mit ihrer Idee in einem Wettbewerb gegenüber sechs Konkurrenten durchsetzten.

Ebenso beeindruckend für Gäste, Kunden und Beschäftigte des Essener Gas-, Wasser- und Stromlieferanten soll nun offensichtlich auch die Inneneinrichtung werden: Nur internationale Edelmarken der Büro-Ausstatterszene nennt die 78-seitige öffentliche Ausschreibung, die gerade läuft: Vitra, Montana, Fritz Hansen, Holzmedia, Walter Knoll, Moroso – die Luxusklasse der Möbelhersteller ist versammelt. „Das ist alles gehobenes Segment. Wer auf Design Wert legt, der kauft da ein“, gibt Branchenkennerin Barbara Schwaibold vom bso-büromöbelverband an.

„Auch Alternativen zulassen“

Der Vorstandsstuhl Vitra Skape Highback kostet mehr als 3.300 Euro. Foto: WAZ

Dabei lässt die Stadtwerke-Ausschreibung über die Ausstattung von Büros, Eingangsbereich, Besucherecken, Konferenzräumen und der Restaurantkantine in der Regel keine Alternativen für mehrere Angebotsvarianten zu: Aufgeführt sind neben der detaillierten Beschreibung von Funktion, Merkmale und Komfort die exakte Marke, Modellbezeichnung und Typ.

Es gibt Leute aus der Büroverkäuferbranche, die dieses Vorgehen äußerst ungewöhnlich finden: „Wenn man wirklich Preiswettbewerb haben will, dann macht man eine offenere Ausschreibung, lässt Alternativen zu“, heißt es.

Geordert werden sollen beispielsweise für die Kantine 182 Holzschalen-Stühle von Fritz Hansen aus der Serie 7 (Designer: Arno Jacobsen), Modell 3107 – aktueller Marktpreis: 300 bis 350 Euro, 16 Fritz-Hansen-Barhocker Modell 3197, Marktpreis: 550 Euro, 29 Esstische Vitra Eames Contract Table, Marktpreis: 500 bis 700 Euro.

Für die Büros der beiden Stadtwerke-Vorstände Bernhard Görgens und Dietmar Bückemeyer sollen zwei Vitra Skape Highback mit hoher Rückenlehne, Nackenstütze und Lederbezug angeschafft werden – Marktpreis: je 3300 bis 3900 Euro. „Skape bietet einen außerordentlichen Sitzkomfort: Der Sitzende wird von den Armlehnen, die zusammen mit der Rückenlehne eine Art Schale bilden, umarmt“, heißt es in der Werbung für diese Stühle.

Die anderen Manager der Stadtwerke erhalten 27 „Vitra Headline Management-Chair“ mit Kopfstütze und Leder-Armlehnen, Marktpreis: zwischen 1800 und 1900 Euro. Für die Abteilungsleiter sind 104 Freischwinger-Konferenzstühle Visasoft von Vitra vorgesehen – Preis: Ab 800 Euro.

Ausschreibung ist bis zu eine Million Euro wert

Insgesamt wird in Branchenkreisen der Wert der gesamten Ausschreibung auf 700.000 bis eine Million Euro geschätzt. Was nicht überprüfbar ist: Büroausstatter behaupten, die Stadtwerke könnten die Möblierung 30 bis 40 Prozent bei gleicher Qualität billiger einkaufen, wenn diese sich nicht auf bestimmte Modelle versteifen würde.

Stadtwerke-Sprecher Dirk Pomplun versichert, dass die Innenausstattung Bestandteil des 30-Millionen-Euro-Pakets fürs Erweiterungsgebäude ist. Dass man auf namhafte Hersteller zurückgreife, sei nach bisherigen Erfahrungen die wirtschaftlichste Lösung.

„Man kann das nicht mit einem privaten Kauf vergleichen. Solche hochwertigen Möbel sind für uns kaum teurer, weil wir hohe Rabatte bekommen. Dafür halten diese Möbel statt drei oder vier Jahre, zehn oder mehr Jahre.“ Man habe in der Ausschreibung bestimmte Modelle genannt, weil Prototypen über längere Zeit von Mitarbeitern der Stadtwerke getestet und für gut befunden worden seien: „Was nützt ein Stuhl, auf dem man Rückenschmerzen bekommt, dann muss man den wieder teuer austauschen.“

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