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Hochbegabt und in der Schule ein Freak

Essen, 22.09.2008, PASCAL HESSE

INTELLIGENZ. Beim 30-jährigen Jubiläum der deutschen "Gesellschaft für das hochbegabte Kind" ging's um die Förderung der kleinen Genies.

Thomas und Max sind hochbegabt und haben beide einen IQ von über 140. Doch das dürfen ihre Mitschüler nicht wissen, sonst werden sie gemobbt. (NRZ-Foto: Oliver Müller) Foto: Oliver Müller NRZ

"Hochbegabung" - Viele denken dabei an Hyperintelligenz und wandelnde Lexika, doch so einfach lässt sich das Wort nicht erklären: "Hochbegabte denken einfach etwas schneller als andere. Wir halten uns nicht für eine Elitegruppe, sondern sind Teil der Gesellschaft. Wir möchten anerkannt und gefördert werden, aber auch unseren Beitrag leisten", erklärt Birgit Zahradnik, Vorstand der deutschen Gesellschaft für das hochbegabte Kind (DGHK) - ein Verein, der am Samstag sein 30-jähriges Jubiläum mit einem Kongress im Haus der Technik feierte. Die Förderung und die Probleme, die eine Hochbegabung im Alltag mit sich bringt, standen im Fokus.

"Warum muss ich mich klüger stellen als ich bin? Warum unterdrückt man die Unterdrückten noch mehr? Warum akzeptiert man mich nicht wie ich bin?" - Wie ein Hilfeschrei klingt der Aufruf von 14 hochbegabten Jugendlichen, darunter drei Essener, die im Improvisationstheater provokativ ihren Eindruck von Hochbegabten in der Gesellschaft darstellen: "Willkommen zur Versteigerung im Auktionshaus Bildung. Hier sehen sie ein Objekt mit einem IQ von 147 und einer Hochbegabung in Naturwissenschenschaften und Mathematik. Bedenken Sie, er ist anders als Sie. Es rentiert sich!"

Aus dem Publikum ertönen Gebote ausländischer Firmen. Ab und an ist ein deutscher Bieter dabei. Das Theater will die Situation Hochbegabter deutlich machen: Für viele sind sie nur eine Ware. In Deutschland will die Wirtschaft nur wenig von ihrem Können wissen.

Im Gespräch möchte ich mehr über die drei jungen Essener, jeder mit einem IQ von über 140, erfahren. Doch das ist schwierig: "Kein Foto! Meinen Namen dürfen Sie nicht nennen!", meint ein 14-Jähriger, der, von der Kamera verschreckt, hinter seiner Mutter Schutz sucht: "Wenn meine Mitschüler und Lehrer mich in der Zeitung sehen, werde ich gemobbt und habe keine Ruhe mehr." Auch die anderen wollen sich nur ungern in der Zeitung sehen, deswegen sind auch ihre Namen geändert.

Mobbing in der Schule

"Ich habe eine starke Begabung im literarischen Bereich. Bis zum Wechsel aufs Landschulheim am Solling war ich auf dem Carl-Humann-Gymnasium. Dort wurde ich von meinen Mitschülern und Lehrern gemobbt. ,Das ist nicht die Leistung eines Neuntklässlers, sondern eines Erwachsenen. Schreibe wie ein Neuntklässler', meinte ein Lehrer mal zu mir", erzählt Thomas. Auch Max, der das Burggymnasium besucht, wird oft in Schublade "Freak" gesteckt: "Nur wenige wissen von meiner Begabung. Im Unterricht fühle ich mich oft unterfordert."

Das Hochbegabung allein nicht automatisch zu einem unbeschwerten Leben führt, verdeutlicht Oberbürgermeister Wolfgang Reiniger in seinem Grußwort: "Entgegen der langläufigen Meinung haben es hochbegabte Menschen in unserer Gesellschaft nicht immer leicht. Oftmals unverstanden, gelten sie als Sonderlinge und Querköpfe, die häufig schon im Kindesalter ausgegrenzt werden. Doch es ist wichtig, sie zu fördern und zu fordern."

"Jedes Kind hat ein Anrecht auf individuelle Förderung. Es wird aber nicht umgesetzt. In Essen haben wir 160 Familienmitgliedschaften. Immer weniger schicken ihre Kinder auf Essener Schulen. Ob ein hochbegabtes Kind gefördert wird, ist vom sozialen Stand der Eltern abhängig", meint Birgit Zahradnik: "Um eine besondere Förderung vom Jugendamt zu erfahren, müssen sozial benachteiligte Eltern ihre Kinder oft psychisch krank erklären lassen. Doch damit sind sie für ihr Leben gebrandmarkt. Welche Krankenkasse nimmt sie im späteren Leben noch auf?" Der DGHK will als Gemeinschaft an dieser Situation etwas ändern und setzt sich deshalb für die Förderung hochbegabter Kinder und Jugendlicher sein. Informationen zum Thema gibt's unter www.dghk.de/rhein-ruhr.

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