Grünes Blut spritzen gesehen
21-Jähriger steht wegen Totschlags an einer männlichen Sex-Bekanntschaft vor Gericht.
Es war sein erstes und, wie Raphael R. versichert, auch sein letztes „Sex-Date“. Über die Internet-Plattform „Gay Romeo“ hatte der homosexuelle 21-Jährige den 34-jährigen Christian M. kennengelernt. Sie trafen sich am Abend des 4. Dezember 2007 zum Sex in Raphaels Wohnung in Steele. Das „Date“ dauerte nur fünf bis zehn Minuten: Nach einem Streit über Sexualpraktiken starb Christian M. durch 26 Messerstiche. Mit zwei Messern hatte Raphael R. zugestochen. Das erste war abgebrochen. Der zur Tatzeit 19-Jährige, der sich seit gestern wegen Totschlags vor der Jugendstrafkammer verantworten muss, ist geständig, auch wenn es angeblich Lücken in seiner Erinnerung gibt. Vom ersten Stich weiß er und vom „grünen Blut“ des Opfers, das er vor die Wand spritzen gesehen haben will, und er erinnert sich, dass er dem Toten Haare ausriss. Warum? Er weiß es nicht. Aber schluchzend erzählt er unter Tränen von seiner großen Angst damals, dass der Internet-Bekannte ihn vergewaltigte oder sogar tötete.
Als „Weltbeherrscher“ trat Raphael R. im Netz auf. Der Name sei ein Jux aus der Schulzeit. Ganz gerade sitzt er auf der Anklagebank im ordentlichen karierten Pullover über dem hellblauen Hemd. Er sei jetzt in der Lage „ recht detailliert“ zu berichten, beginnt er seine Schilderung und erzählt so distanziert, als rede er über eine andere Person. Bis er zur Tat kommt, da schluchzt und weint er. Nach dem Streit habe Christian M. erst gefleht und gebettelt und sei dann aggressiv geworden, sagt er. Um zu drohen, will Raphael R. zum Messer gegriffen haben. Als das den anderen nicht beeindruckt habe, stach er zu.
Zur Tatzeit hatte der Angeklagte seinen Zivildienst in einer Klinik angetreten. Bei „Gay Romeo“ chattete er seit seinem 17. Lebensjahr. Zuletzt beschrieb er sich dort so: „Ich bin ein 19-jähriger Boy und würde mich als bitchig bezeichnen.“ Was Raphael R., der in einer festen Beziehung lebt, so übersetzt: „weiblich, exzentrisch, aufreizend, kaufe gerne Schuhe und bin bösartig“, sagt er: „Ich bin zickig und ein kleines Lästermaul.” – Der Prozess wird fortgesetzt.











