Die alte, neue Bad-Pleite "Oase" - die Anfänge
Ein Aus des Freizeitbades "Oase" ist sehr wahrscheinlich. Damit würde das zweite große Kapitel unglücklicher Essener Bädergeschichte zu Ende gehen - nach dem "Gildehof"-Debakel in den späten 80er Jahren. Ein Rückblick
Als am Mittwoch im Rathaus das lang erwartete "Bäderkonzept" vorgestellt worden war und die Journalisten damit begannen, ihre Kulis und Kameras einzupacken, da sagte Stadtdirektor Christian Hülsmann (CDU) zwei bemerkenswerte Sätze: "Mit Genugtuung stelle ich fest", hob er an und streckte den Zeigefinger, "dass die Verwaltung schon zur Jahrtausendwende die Schließung der ,Oase' gefordert hat. Wir sind dann aber politisch umgedreht worden."
Das Bemerkenswerte daran ist: Es war die CDU selbst, Hülsmanns Partei, die ihn, Hülsmann, "politisch umgedreht" hat. Im Verbund mit der FDP entschied man wider Erwarten: Die kränkelnde "Oase" (siehe Kasten) wird mit einem neuen Außenbecken zum vermeintlichen Freizeitbad aufgemöbelt. Dafür verschwindet das Freibad West (Nöggerathbad). Aus dem Verkaufserlös der Nöggerath-Grundstücke sollte das Traditions-Bad Dellwig ("Hesse") 1,5 Mio Euro abbekommen, damit es saniert werden kann. Ein Bürgerbegehren für den Erhalt scheiterte knapp.
Das jetzt vorgestellte Gutachten lässt der "Oase" aber so gut wie keine Chance mehr - alle Schließungs-Szenarien, die vorgeschlagen werden, sehen ein Ende der "Oase" vor, und, nebenbei bemerkt, auch ein Ende des Freibads "Hesse". Gründe: die schlechten Besucherzahlen der "Oase" (144 000 jährlich - zu wenig für ein Freizeitbad) und der Standort. "Freizeitbäder müssen dauernd erneuert werden, sonst bleiben sie nicht attraktiv. Die Konkurrenz im Revier ist zu hoch", erklärt Ulrich Lawitzke, Co-Autor des Bädergutachtens und Experte beim Regionalverband Ruhrgebiet (RVR). "Rund um die Oase ist keine Freifläche. Es gibt kein Entwicklungspotenzial. Der Umbau zu einem Freizeitbad war ein Konstruktionsfehler."
Dieser Umbau beginnt 2000 mit dem Auftritt von Karlhans Trenks und seiner Leisure Management GmbH. 870 000 E bekommt er 2001 in die Hand, um das Bad umzubauen und auf eigene Rechnung zu betreiben. Es sei eine "Fehleinschätzung", räumt Hülsmann im November 2002 ein, "dass die Firma Trenks die ,Oase' ohne Betriebskostenzuschüsse führen" könne. Im Sommer 2002 eröffnet die ,Oase' - nur das Prunkstück, die Surfwelle, ist nicht fertig. Sie wird auch nie fertig werden. Trenks fordert von der Stadt Geld nach, bekommt keins - und macht den Laden nach wenigen Monaten wieder dicht. Im Insolvenzverfahren über Trenks' Firma wird der Insolvenzverwalter später wettern: Es sein "unverständlich, dass die Stadt öffentliche Mittel derart leichtfertig vergeben konnte".
Die Stadt erzwingt sich im Frühjahr 2003 vor Gericht das Hausrecht zurück, nimmt einen neuen, fast eine Million Euro teuren Anlauf, um die Oase zu einem "Spaßbad" umzubauen. Gegen den Rat von Experten, statt dessen lieber das damals noch vorhandene Nöggerathbad zu reaktivieren. Ende 2003 eröffnen die Sport- und Bäderbetriebe die "Oase" wieder, Pfingsten 2004 wird das Außenbecken fertig. "Die ,Oase' wird euch über Jahre beschäftigen", prophezeit SPD-Ratsherr Gerd Meiwald der Mehrheitsfraktion. Er sollte Recht behalten. Fortsetzung und "Lupus" 2. Lokalseite Das "Bädergutachten" sieht vor, die "Oase" 2010 zu schließen, wenn in OB der "Aquapark Marina" eröffnet. Blick zurück: 1983 wird die "Oase" an der Nöggerathstraße eröffnet. 1984 kommen fast 400 000 Besucher. (Heute noch 144 000). Das Bad gilt als "erfolgreichstes kommunales Schwimmbad Deutschlands", die Einnahmen übersteigen die Erwartungen. Das Bad kann sich aber finanziell nie selbst tragen. 1985 bieten private Investoren 14 Mio DM für den Kauf des Bades. Es bleibt aber in der Hand der Stadt. Ab 1988 sinken die Gästezahlen. 1992: Erste Bestrebungen, die "Oase" zu privatisieren. Jetzt findet sich aber kein Investor mehr. 2000: Neue Schließpläne - da tritt Pächter Karlhans Trenks auf. Das nächste Drama beginnt.










