80 Anhänger von Rot-Weiss Essen gelten als gewaltsuchend

Beim Halbfinale des Niederrhein-Pokals 2014 gegen MSV Duisburg zündeten RWE-Fans Rauchbomben und zeigten eine gestohlene Fahne der Zebras.
Beim Halbfinale des Niederrhein-Pokals 2014 gegen MSV Duisburg zündeten RWE-Fans Rauchbomben und zeigten eine gestohlene Fahne der Zebras.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Landespolizei hat gefährliche Fans aufgelistet. Bei RWE fallen 200 unter die Kategorie B. Behörde: „Kategorie C bedeutet nicht unbedingt Hooligan“.

Essen.. Sie produzieren monströse Bilder, die die Freude am Fußballfest gehörig zu stören vermögen: gefährliche und gewaltbereite Fans. Eine vertrauliche Erhebung der NRW-Polizei listet jetzt detailliert auf, wie viele solcher Fans unter anderen der heimische Regionalligist Rot-Weiss Essen in seinen Reihen hat. Danach gehören 200 zur Kategorie B und 80 zur gefürchteten Kategorie C.

„An sich eine kleine Zahl“, findet Frank Bramkamp, Sprecher des Landesamtes für Zentrale Polizeiliche Dienste. Aber er fügt einschränkend hinzu: „Selbst eine kleine Zahl kann uns große Probleme bereiten.“

Die Vereinsführung sah sich am Freitag zeitlich nicht in der Lage, diese Polizei-Zahlen zu bewerten. Dafür gab Claudia Wilhelm, seit 19 Jahren Sozialarbeiterin im rot-weißen Fanprojekt und Kennerin der heimischen Fanszene, zu Protokoll: „Ich halte diese Zahlen durchaus für realistisch.“

Erhoben werden die Zahlen von „Szenekundigen Beamten“

Was bedeuten die Kategorien B und C? Nun, erstere gelten als „gewaltgeneigt“ bzw. „gewaltbereit“, letztere hingegen als „gewaltsuchend“. „Wir benötigen diese Zahlen, damit sich die Polizeiführer vor Ort auf jedes Spiel gezielt vorbereiten können“, sagt Bramkamp. Erhoben werden die Zahlen von so genannten „Szenekundigen Beamten“, die ihr Klientel genau kennen und einzustufen vermögen.

Rot-Weiss Essen Um die Sicherheit in und vor den Stadien zu erhöhen, hat das Landesinnenministerium das „Intensivtäterkonzept“ aufgelegt. Damit sollen insbesondere die Rädelsführer der Schläger-Fans ausfindig gemacht werden. „Es handelt sich oft um Strippenzieher, die wie Paten im Hintergrund wirken und strafrechtlich gar nicht in Erscheinung treten“, weiß Polizeisprecher Bramkamp. „Ich kenne solche Strippenzieher nicht“, hält Rot-Weiss-Frau Claudia Wilhelm dagegen. Auch mit der Einteilung der RWE-Fans in friedliche und gewalttätige hat sie Schwierigkeiten. „Wir haben mehr als 8000 treue Fans, die alle zum Verein stehen, dazu gehören auch die gewaltbereiten.“ Die Polizei stellt klar, dass Kategorie-C-Fans nicht automatisch Hooligans seien.

„Es gibt keine Fans, die nur zum Prügeln kommen“

Erst vor einer Woche machten Rot-Weiss-Fans beim West-Klassiker gegen Alemannia Aachen von sich reden. Fünf von sechs Waggons des Sonderzuges wurden erheblich beschädigt, zwei Fenster sowie mehrere Sitzgarnituren herausgerissen. Die Bahn spricht von einem fünfstelligen Schaden.

„Es gibt keine Fans, die nur zum Prügeln kommen“, betont Claudia Wilhelm vom Fanprojekt. Sie bedauert, dass die positive Fan-Arbeit nicht gebührend gewürdigt würde. „Ich habe mit Jugendlichen zwei Tage lang in der Melches-Hütte von morgens zehn bis abends acht Fahnen gemalt.“