64 Millionen Euro – das Stadion Essen wird immer teurer

Das Stadion Essen an der Hafenstraße.
Das Stadion Essen an der Hafenstraße.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Das „Projekt Fußball“ kostet die Stadt Essen inzwischen 64 Millionen Euro. Wirtschaftsprüfer haben zwei Versionen der Kostenrechnungen gefunden.

Essen.. Die mit dem Bau des neuen Stadions an der Hafenstraße betraute Grundstücksverwaltung Essen (GVE) nennt es „das Projekt Fußball“. Die städtische Tochtergesellschaft meint damit den Bau der schmucken Arena und alles, was notwendig erschien, um den Spielbetrieb durch den Traditionsverein Rot-Weiss Essen sicherzustellen.

Hat Ex-GVE-Chef Aufsichtsrat hinters Licht geführt?

Für die Stadt Essen aber entwickelt sich dieses „Projekt Fußball“ offenbar zu einem Fass ohne Boden. Wie in der Sitzung des GVE-Aufsichtsrates am Dienstag (12. Mai) bekannt wurde, belaufen sich die Kosten inzwischen auf 64 Millionen Euro. Das wären noch einmal fünf Millionen Euro mehr als die bisher bekannte Summe, und die lag bekanntlich bereits weit jenseits der eigentlich vom Rat der Stadt veranschlagten Kosten. Auch der Betrieb des Stadions kommt die GVE deutlich teurer als geplant.

GVE-Affäre Dies alles kommt nur tröpfchenweise ans Licht der Öffentlichkeit. Und wie es aussieht könnte auch diese neue Hiobsbotschaft nicht die letzte gewesen sein. Der Aufsichtsrat hält weiter Untersuchungen für angebracht. „Wir erwarten uns weitere Erkenntnisse, ob und in welchem Umfang das Aufsichtsgremium in Bezug auf die Kosten des Stadionneubaus in den zurückliegenden Jahren unzureichend oder gar falsch informiert wurde“, ließ die Vorsitzende des Aufsichtsrates, Barbara Rörig (CDU), im Anschluss an die Sitzung am Dienstag verlauten. Dahinter steht der unausgesprochene Verdacht, der mittlerweile geschasste Geschäftsführer Andreas Hillebrand könnte den Aufsichtsrat ganz bewusst hinters Licht geführt haben. Warum auch immer.

Eigentlich sollte Essener Stadion nur 31 Millionen kosten

Anhaltspunkte dafür gibt es offenbar. So stießen die vom Aufsichtsrat beauftragten Wirtschaftsprüfer auf zwei unterschiedliche Fassungen von Kostenberichten, erstellt für den Zeitraum von Juni 2011 bis März 2012. Während sich ein Bericht auf die Kostenschätzungen des Generalplaners Wolf & Partner bezieht, fand sich eine zweite Version, die allein Bezug nimmt auf die prognostizierten Baukosten, die dem Beschluss des Stadtrates für den Stadionneubau zugrunde lagen. Augenscheinlich besteht der begründete Verdacht, dass dem Aufsichtsrat nur diese Version zur Kenntnis gereicht wurde.

GVE-Affäre Denn die Wirklichkeit auf der Baustelle an der Hafenstraße sah anders aus. Schon wenige Wochen, nachdem der Rat den Baubeschluss im März 2009 gefasst hatte, sei der GVE klar gewesen, dass die veranschlagten rund 31 Millionen Euro nicht ausreichen würden.

Den Wirtschaftsprüfern bereitete es einige Mühe, die bisher bekannten Kosten für das „Projekt Fußball“ auseinander zu klamüsern. Demnach belaufen sich die Bau- und Baunebenkosten auf 49,5 Millionen Euro. Hinzu kommen rund 11,6 Millionen Euro für „Vorlauf- und Beratungskosten“. Mit rund 6,9 Millionen entfällt ein Großteil dieses Betrages auf den Ankauf von Vermarktungsrechten, Darlehnsforderungen und sogar Fanartikel von RWE. Weitere 2,9 Millionen Euro veranschlagen die Prüfer für „sonstige Kosten“, darunter die Untersuchung des Baugrundes.

Der Betrieb des Stadions kostet die GVE 3,8 Millionen Euro pro Jahr, womit die Stadttochter kräftig draufzahlt; für 2015 wird sich der Verlust auf 2,8 Millionen Euro belaufen, Abschreibungen inklusive.

Über 200.000 Euro für drei Konzerte draufgezahlt

Open-Air-Konzert Die Rede ist von schlampig ausgearbeiteten Verträgen. Mehr als 200 000 Euro soll die GVE für drei Konzerte im Stadion draufgezahlt haben.

Derzeit soll die Geschäftsführung mit dem Veranstalter über Nachbesserungen im Vertragswerk verhandeln. Auch da ist Musik drin.

Was das alles für Andreas Hillebrand bedeuten könnte, bleibt abzuwarten. Der 59-Jährige soll zurückkehren zur Stadt. Auf mögliche rechtliche Ansprüche gegenüber ihrem ehemaligen Geschäftsführer hat die GVE nicht verzichtet.