Das aktuelle Wetter Essen 19°C
Essen

50 Grad unterm Panzer Die Arbeit ruft

15.07.2007 | 14:47 Uhr

In eiserner Rüstung und mit Original-Schwertern unterstützen die "Ritter von Huttrop"Kinder im Kampf gegen den Krebs und sammeln über 400 Euro für das Klinikum

Im Jahre des Herrn 2007 auf einem Hinterhof in Huttrop an der Steeler Straße 400: Inmitten von Rittern, Händlern und Burgfräulein üben sich Jungen und Mädchen im Bogenschießen, Hufeisenwerfen und Schwertkampf. Nur wer diese Aufgaben erfolgreich meistert, erhält von Ritter von Isenburg, alias Jürgen Bohm, den Ritterschlag.

"Du sollst immer treu und gehorsam sein und deinen Eltern treu dienen. Ich schlage dich zum Ritter. Erhebe dich", sagt er, während er mit seinem 600 Jahre alten böhmischen Schwert Kopf und Schultern der vor ihm knienden Antonia Homberg (9) berührt. Dann tritt er wieder in den Schatten vor sein Belagerungszelt zurück.

Als Ritter in voller Rüstung ist es für ihn in der Sonne kaum auszuhalten. "Gefühlte 50 Grad Celsius", schätzt er, seien es unter der 45 Kilo schweren Panzerung - nicht zuletzt, wegen des dicken Fells, das er zusätzlich unter der Rüstung trägt. "Das muss sein, damit ich abends nur blaue Flecken habe. Ohne Fell würde die Haut abscheuern", erklärt Jürgen Bohm. Nur auf das Kettenhemd, nochmal 15 Kilo schwer, hat er diesmal verzichtet.

Doch er und seine Kollegen schwitzen gern. Wie immer sammeln sie uneigennützig als "Ritter von Huttrop" für krebskranke Kinder des Essener Klinikums. Damit der Umsatz stimmt, verzichten die Organisatoren allerdings auf kulinarische Experimente aus dem 13. Jahrhundert und setzen auf Altbewährtes: Cola, Bier und Bockwurst mit Kartoffelsalat. Bezahlt wird in Silberlingen. Mit Verpflegung und freiwilligen Spenden haben sie es am Wochenende auf 402,69 Euro für die Krebsstation gebracht.

Für Bohm zählt aber nicht nur der gute Zweck. "Es macht Spaß, den Kindern ein Stück Zeitgeschichte näher zu bringen", findet er. Die dürfen ganz selbstverständlich in die Zelte hinein sehen, Waffen in die Hand nehmen oder einen der verschiedenen Helme aufsetzen, etwa die "Barbuta" aus dem Jahr 1250.

"Das war schon ein ganz moderner Helm ohne Vollvisier vor dem Gesicht", meint Jürgen Bohm. Irgendwann haben die Ritter nämlich gemerkt, dass man unter dem eisernen Helm schlecht Luft bekommt, weil man immer wieder die verbrauchte Luft einatmet.

Ein Stück weiter ist ein Fürstenhelm ausgestellt, gut zu erkennen an einer Art eisernen Krone, die darauf geschmiedet wurde. "So konnten alle sehen, wenn der Anführer gefallen ist. Dann war die Schlacht vorbei", erklärt der Experte. Aus ökonomischer Sicht sei das sehr sinnvoll gewesen, "denn Söldner waren teuer". Anstatt sich gegenseitig niederzumetzeln, wurden dann nur noch Gefangene gemacht, mit denen man die eigenen Truppen verstärken konnte. Auch Schmiede seien damals sehr gefragt gewesen. Niemand hätte einen handwerklich so begabten Gefangenen getötet, sondern ihn immer für die eigenen Zwecke eingesetzt.

A propos Schmied. Seine eigene Rüstung hat Bohm Ende der 90er von einem tschechischen Schmied anfertigen lassen. 4000 Mark hat ihn das damals gekostet. Andere Ausrüstungsgegenstände kauft er auf Mittelalter- oder Flohmärkten oder im Internet. "Sowas gibt's heut' an jeder Ecke", meint Bohm.

Doch so sehr die Darsteller das Mittelalter auch fasziniert: Die moderne Zeit möchten sie wohl nicht missen. Oder warum blitzt sonst an des einen Handgelenk eine Armbanduhr unter dem langärmeligen Gewand hervor, während ein anderer bei genauerem Hinsehen augenzwinkernd seine Zigarette hinter dem Rücken versteckt?Die "Ritter von Huttrop" können für Auftritte auf Großmärkten, in Schulen und Kindergärten gebucht werden. Außerdem sind sie immer auf der Suche nach Mittelalter-Fans, die sich ihnen anschließen und in verschiedene Rollen schlüpfen möchten. Tel: 26 25 58.

Von Bianca Belouanas

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/2090483/create

Aktuelle Fotos und Videos
Kaiserwetter zur Regatta
Bildgalerie
Ruderregatta
Ein Kaiser für Dellwig
Bildgalerie
Schützenfest
Abriss des RWE-Stadions
Bildgalerie
RWE
Ferienspatz wird 40
Bildgalerie
Ferienaktion
Aus dem Ressort
Ruhrbischof Overbeck rügt Umgang mit Opel-Belegschaft
Opel
Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck hat den Umgang mit der Belegschaft des Bochumer Opel-Werkes ungewohnt scharf attackiert. Die schon lange andauernden Unsicherheiten seien nicht mehr hinnehmbar, sagte Overbeck am Sonntag in seiner Pfingstpredigt im Essener Dom.
Foto 8 Kommentare 8
Ganz andere Schulprobleme
Kommentar
In diesen Tagen: Anmerkungen zum Stadtgeschehen von Hans-Karl Reintjens – die Schulpolitik in Essen.