38.000 Besucher kamen zur Extraschicht auf Zollverein

Von Brücken und dem Erich-Brost-Pavillon hatten die Zuschauer auf Zollverein einen guten Ausblick auf die illuminierten Objekte der Extraschicht. Foto: Ulrich von Born
Von Brücken und dem Erich-Brost-Pavillon hatten die Zuschauer auf Zollverein einen guten Ausblick auf die illuminierten Objekte der Extraschicht. Foto: Ulrich von Born
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Kleinkunst-Bühnen und Lichtinstallationen beeindruckten rund 38.000 Besucher zur langen Nacht der Industriekultur auf Zollverein. Die Zeche Carl punktete mit entspannter Atmosphäre und Kuriositäten im Programm.

Essen.. Familie Kirsch ist unterwegs mit einem Reiseplan, der für eine Woche gedacht scheint. Aus Köln kommen sie, in Essen wollen Sie die Zechen Carl und Zollverein sehen, Duisburg steht auf der Wunschliste und mittendrin Oberhausen. Dabei haben sie nur acht Stunden Zeit, bevor sich die Pforten der Industrie-Kultur-Stätten hinter den Extraschicht-Besuchern wieder schließen werden.

Es ist sieben Uhr und Familie Kirsch weilt auf Carl. „Hierhin sind wir vom Hauptbahnhof mit dem Shuttle-Bus gekommen“ , sagt Sonja Kirch. Und nach Bahn- und Busfahrt ist wünschen die Kinder erst mal zu verschnaufen. Die Stimmung auf Carl ist entspannt, Sohn Tim (7) lässt sich eine Lacksprühdose geben und verewigt sich auf einem langen Teppichläufer mit einem Bild. Dazu spielt auf der Wiese das Singer-Songwriter-Trio Karin Åberg, Tommy Finke und Daniel Brandl und nur wenige Meter weiter auf der Bühne vor dem Maschinenhaus rappt ein Nachwuchs-Talent vor geschätzten zehn Zuhörern.

Extraschicht auf Carl, das ist ein wenig improvisiert, ein bisschen professionelle Kunst und viel Entspannungs- und Mitmachprogramm. Würstchen gibt’s vom Grill und zwischen den Bierzelt-Garnituren ist ein reges Kommen und Gehen.

„Es ist so eine angenehm entspannte Atmosphäre hier“

Mit zwei Programmpunkten ist Essen bei der diesjährigen Extraschicht vertreten – die Zechen Carl und Zollverein öffnen – und die gliedern sich in unzählige Erlebnis-, Kunst- und Mitmachaktionen. Das Wetter spielt mit, was noch mehr Menschen aus dem Haus treibt und am Ende der Schicht wird Zollverein verkünden, man habe rund 38 000 Menschen auf Kokerei- und Zechengelände zu Gast gehabt.

Gestaunt haben sie, die Besucher der Extraschicht. Vor Einbruch der Dunkelheit war es bunt, danach bunt und beleuchtet. Auf den Bühnen wurde getrommelt, gewitzelt, geredet, gesunken, vor dem Casino geplaudert und getrunken und dazwischen flaniert, gestaunt, fotografiert. „Es ist so eine angenehm entspannte Atmosphäre hier“, sagt Elisa Jahnke, die auf dem Weg zum Shuttle-Bus ist. „In Gelsenkirchen ist später Feuerwerk, da will ich auf jeden Fall noch hin.“

„Für mich als Hobbyfotografen ist das hier toll“

Nun, mit einem Feuerwerk wartet Zollverein an diesem Abend nicht auf, dafür blitzt es pausenlos von der Dachterrasse am Erich-Brost-Pavillon. „Für mich als Hobbyfotografen ist das hier toll“, sagt Manfred Wygacek, „wo findet man sonst schon so tolle Lichtinstallationen.“ Über den Rundweg von Zollverein sind Lichtbögen gespannt, die in allen Regenbogenfarben leuchten, am Haupteingang an der Gelsenkirchener Straße wehen rund drei Meter hohe beleuchtete bunte Blumen in der Abendluft.

Projektionen, aufs Zechengebäude geworfen, tauchen das Gebäude in pinkes, violettes, weißes Licht, darunter eine Schmiedevorführung, die viele Besucher erst bewusst wahrnehmen, als das laute Trommeln auf dem Ehrenhof verklungen ist. Mit Improvisationstheater empfängt das Meesleeptheater die Besucher auf dem Kokerei-Areal. 15 Gäste quetschen sich in einen Wohnwagen, dazu drei Schauspieler, einer von ihnen wird Bass und Akkordeon spielen. Und während man sich von draußen noch fragt: Kriegen die Leute da drinnen keine Beklemmungen, schallt wie eine Antwort lautes Lachen aus dem Wohnwagen-Innern.

Platz nehmen auf Grassofa

Mit bunten Ärmbändern, die kennzeichnen, dass man bezahlt hat, läuft ein Großteil der Besucher übers Gelände: Dabei kann man sich auch ohne einen Cent bei der Extraschicht prächtig amüsieren, kann auf runden Grassofas Platz nehmen und Musik hören, die Installationen auf dem weitläufigen Gelände besichtigen, die Bühnenshows sind ebenfalls kostenfrei.

Unter dem Strich jedoch lohnt das Ticket, selbst, wenn man „nur“ Carl und Zollverein besucht und den Weg nach Duisburg, Oberhausen, ach, quer durchs Revier, gar nicht erst antritt.