365 Essener Kinder warten auf einen Kita-Platz

Die erste städtische Kindertagesstätte in Kettwig am Mintarder Weg.
Die erste städtische Kindertagesstätte in Kettwig am Mintarder Weg.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Fürs nächste Betreuungs-Jahr plant die Stadt Essen 36 neue Kindergarten-Gruppen. Bis 2018 sollen sogar 1200 weitere Plätze entstehen. Noch ist der Bedarf größer als das Angebot in den Einrichtungen.

Essen.. Es ist Jahr für Jahr das selbe Dilemma: Trotz millionenschwerer Investitionen in den Ausbau der Essener Kindergarten-Landschaft hält das zusehends wachsende Betreuungsangebot mit der tatsächlichen Nachfrage von Nachwuchs und Eltern einfach nicht Schritt.

365 Kinder mit einem Rechtsanspruch warten aktuell auf einen Kita-Platz. Auf der Warteliste finden sich 271 unter Dreijährige und 94 Drei- bis Sechsjährige, sagte Peter Herzogenrath vom Jugendamt gestern auf NRZ-Nachfrage nach einem Blick in die aktuelle Statistik vom 2. Februar. Auch wenn nach dieser Momentaufnahme noch vieles in Bewegung sein kann, weil zum Beispiel Doppelanmeldungen in Einrichtungen das Bild verzerren können, führt für die Stadt kein Weg daran vorbei: Weitere Plätze für beide Altersgruppen müssen her.

Mehr als eine vage Vorstellung

Um die vom Rat beschlossene stadtweite Versorgungsquote von 40 Prozent für die Jüngsten und 100 Prozent für über Dreijährige zu erreichen, sollen im kommenden Kita-Jahr über 600 neue Plätze in 36 Gruppen an zwölf Standorten in sieben Stadtbezirken entstehen. Bei ihren Planungen wurde die Stadt inzwischen von der Wirklichkeit überholt: Da die Zahl der Kinder zwischen drei Jahren und dem schulpflichtigen Alter im Vergleich zum Vorjahr gesunken, die Gruppe der unter Dreijährigen aber innerhalb nur eines Jahres um 600 kleine Köpfe gewachsen ist, sieht das Jugendamt einen zusätzlichen Bedarf gegenüber den bisherigen Annahmen von 240 Plätzen. Dies entspricht etwa drei bis fünf weiteren Kindertageseinrichtungen.

Die Tagespflege aufzustocken, ist indes nicht angezeigt: Mit 37 Prozent liegt diese Art der Betreuung schon jetzt deutlich über den von der Politik vorgegebenen 25 Prozent, steht in einem Verwaltungspapier, mit dem sich der Jugendhilfeausschuss in einer Woche beschäftigen und dabei erfahren wird: Die drei Notgruppen zur Erfüllung des Rechtsanspruchs in drei Einrichtungen des Kita-Zweckverbandes an der Sälzerstraße, Wüstenhöfer Straße und Barthel-Bruyn-Straße werden auch im kommenden Jahr benötigt. Die Stadt will weiterhin für die 100prozentige Finanzierung sorgen. Zumindest solange, bis die geplanten Neubauten am Husmannshof in Altendorf, an der Kleine Buschstraße in Bochold und Cranachhöfe in Holsterhausen fertig gestellt sind. Bis dahin, so heißt es, werden allerdings noch zwei bis drei Jahre ins Land ziehen.

Vom Jahr 2018 hat die Stadt bereits eine mehr als vage Vorstellung: Nach aktueller Einschätzung müssen bis dahin stadtweit über 1200 weitere Betreuungsplätze für Essens Nachwuchs geschaffen werden.