Das aktuelle Wetter Essen 25°C
Chöre

300 Stimmen für Stephan Peller

12.09.2012 | 19:33 Uhr
300 Stimmen für Stephan Peller
Mit Leichtigkeit statt Strenge dirigiert Chorleiter Stefan Peller seine „Polizeihundertschaft“, die er seit zehn Jahren begleitet. Der exzellent ausgebildete Musikerist auch für den Essener Bachchor, die Kantorei Holsterhausen und den Gospelchor Gospel & more verantwortlich.Foto: Sebastian Konopka

Essen.   Der studierte Kirchenmusiker und Kapellmeister bereichert mit seinen vier Chören das kulturelle Leben der Stadt. Die Arbeit mit Laien sieht der 45-Jährige als große Herausforderung

Wer Stephan Peller in Aktion erlebt, merkt schnell: Ohne Humor geht bei dem 45-jährigen Chorleiter gar nichts. „Ich will Euer Zwerchfell mal so richtig schwingen hören“, ruft er der Hundertschaft zu, und die gestandenen Männer des Polizeichors lassen ihre Stimmbänder vibrieren, dass einem beim Zuhören fast schwindelig wird. „Ihr seid super, genauso muss es klingen“, sagt Peller strahlend und setzt sich schnell ans Klavier, um mit ein paar verspielten Akkorden das nächste Lied anzustimmen.

"Ich bin kein Dompteur"

Was von außen so leicht und charmant, ja fast beiläufig wirkt, ist das Resultat einer ausgezeichneten Ausbildung: Stephan Peller, dessen musikalisches Talent von seinem Großvater früh erkannt und gefördert wurde, ist studierter Kirchenmusiker und Kapellmeister. Heute ist er Kantor der Essener Erlöserkirchengemeinde, Leiter des Essener Polizeichores, des Bachchores, der Kantorei Holsterhausen und des Chores Gospel & More. Gut und gerne 300 Sänger und Sängerinnen hören bei den wöchentlichen Proben auf sein Kommando.

Kommando, das klingt Peller zu militärisch: „Ich bin kein Dompteur und auch kein General. Ich sehe mich als musikalischen Leiter und Begleiter.“ Sein Herz schlägt definitiv für die Laien, aus ihnen das Beste herauszuholen, sieht Peller als eine große Herausforderung. Dass er dabei auf so viele gute Essener Stimmen zählen kann, ist für den gebürtigen Gelsenkirchener kein Zufall. „Essen hat eine unglaublich vielfältiges heimisches Kulturleben, auf das wir stolz sein können “, lautet seine These. Dazu tragen nicht nur seine Ensembles bei, „hier gibt es eine Fülle von Chören, die ihresgleichen sucht“.

Ausverkaufte Konzerte

Mit importierter Kultur, die auch noch viel koste, das gibt Peller unverhohlen zu, könne er nicht so viel anfangen. Nicht, dass er die Leistungen der Stars schmälern möchte, aber die Frage, ob das alles sein müsse, sei doch berechtigt. „Allein der Polizeichor füllt alljährlich zur Weihnachtszeit an zwei Abenden die Philharmonie, ausverkauft sind auch die meisten Konzerte des Bachchores in der Erlöserkirche,“ zählt er stolz die Erfolge auf. Seine Solisten rekrutiert er dazu am liebsten aus den eigenen Reihen. Denn er ist kein Perfektionist, steht zu den Stärken und Schwächen seiner Ensembles. „Ich hole die Menschen dort ab, wo sie stehen“, sagt er voller Überzeugung, „und ich weiß, dass sie ihr Bestes geben“.

Ganzheitlich ist sein Ansatz; zu den Proben gehören immer Übungen zur Stimmbildung und Atemtherapie oder kleine gymnastische Einlagen. „Mich interessiert die Wirkung der Musik auf die Menschen, ich möchte das gemeinsam mit dem Chor erleben.“ Nicht nur um des Singens willen haben seine Chöre Zulauf. Auch die psychosoziale Komponente ist ein wichtiger Aspekt: Singen macht gute Laune, man trifft andere Menschen, ist Teil einer Gemeinschaft . Wenn diese auch noch von einem pädagogisch erfahrenen Chorleiter wie Stephan Peller geprägt wird, macht es umso mehr Spaß. „Ich fühle mich deswegen auch sehr verantwortlich für die Menschen, die unter meiner musikalischen Leitung stehen.“

Einladung nach Jerusalem

Woher nimmt er diese Leichtigkeit, diese Freude an der Arbeit mit Menschen? „Ich habe ein ausgeprägtes Gespür für Menschen und kann harmonisieren.“ Dieses Rüstzeug ist für seinen Beruf überlebenswichtig: Denn bei Proben mit 50 bis 100 Teilnehmern kann es schon mal wie in einem Hühnerhaufen zugehen. Jeder möchte wahrgenommen werden, jeder hat eine eigene Meinung. Da hilft es, wenn der Dirigent entspannt bleibt. Stephan Peller lässt sich immer in die Karten gucken, „das ist mein Markenzeichen“, geht sensibel mit seinen Sängern um.

Gerade erst ist Peller mit seinen Männern aus Frankreich zurück: Dort hat er sein zehnjähriges Jubiläum als Polizeichorleiter mit einer einwöchigen Tournee gefeiert. Eine Einladung nach Israel ist bereits ausgesprochen, „wo wir in der Erlöserkirche von Jerusalem singen sollen“. Besonders hervorheben möchte er übrigens keinen seiner Chöre, sie seien alle „musikalische Leuchttürme in einer Stadt, die sich zu Recht Kulturhauptstadt nennen darf“.

Vera Eckardt


Kommentare
Aus dem Ressort
Essener (30) bei Unfall auf A43 lebensgefährlich verletzt
Unfall
Bei einem Unfall in der A43-Abfahrt Bochum-Gerthe ist am Mittwoch ein 30-jähriger Mann aus Essen lebensgefährlich verletzt worden. Ein 45-Jähriger aus Herne wurde leicht verletzt. Das Auto war in der Kurve von der Fahrbahn abgekommen und gegen einen Baum geprallt.
Durchschnitts-Note für Essener Verkehrsschilder
Straßenverkehr
Bundesweiter Vergleich: Essen landet unter zwölf Großstädten im Mittelfeld. Verein überprüft Sauberkeit und Lesbarkeit von Verkehrsschildern in der Innenstadt und in den Stadtteilen. Etwa alle acht bis zehn Jahre wird ein Schild in Essen erneuert.
„Experiment zeigt, wie Einzelne manipuliert werden können“
Galileo
Der Psychologe Prof. Thomas Kliche betreut die Glascontainer-Sendung von ProSieben auf dem Essener Burgplatz. Er erklärt, was mit dem Experiment aufgezeigt werden soll.
Junge Libanesen nicht als religiöse Fanatiker brandmarken
Nahost-Konflikt
Auf Pro-Palästina-Demos entlade sich auch die Wut geduldeter Libanesen, sagt Ratsherr Ahmad Omeirat (Grüne) aus Essen. Kein Fall von Volksverhetzung sei zu entschuldigen, aber den Jugendlichen müsse man nicht nur mit Härte. sondern auch mit Bildung begegnen.
Ärger um Müll und Wildpinkler am Essener Niederfeldsee
Probleme
Der Niederfeldsee ist als Ausflugsziel in Altendorf derzeit nicht für alle Bürger eine Wohlfühl-Oase. Auf den Wiesen liegt Müll, an den Ufern sind die mühsam gesetzten Pflanzen plattgetreten. Schwimmer ignorieren das Badeverbot, sie springen und pinkeln laut Augenzeugen von der Brücke in den See.
Umfrage

Sollte die Stadt Essen die Steuern für Unternehmen senken?

Captcha

Bitte übertragen Sie den Code in das folgende Feld:

Wort unleserlich? (Neuladen)

 
Fotos und Videos
Das Univiertel, Essen Grüne Mitte
Bildgalerie
100 Orte
Überwachungs-Experiment
Bildgalerie
Glascontainer