30 Jahre „das junge orchester NRW“

Jung geblieben ist es bis heute, „das junge orchester NRW“ als freier Zusammenschluss von Laien, Studenten und Profis, das der damals jugendliche Dirigent Ingo Ernst Reihl gründete. Zum 30. Geburtstag bereitete der Jubilar sich und seinem Publikum in der Philharmonie das Geschenk mit Beethovens Neunter selbst.

Und holte noch als Rarität „Das trunkne Lied“ des vergessenen deutsch-jüdischen Komponisten Oskar Fried aus der Versenkung. Eine Art philosophisches Oratorium um Nachtsehnen und Ewigkeit nach den Schlussworten aus Nietzsches „Zarathustra“. Das spätromantische Vollbad im süßen Reiz der Décadence, aus dem musikalischen Geist Mahlers zelebrierte Reihl mit seinem Orchester verklärt und klangsinnlich. Die tragende solistische Partie meisterte der gesundheitlich angeschlagene Bariton Jens Hamann respektabel.

Für den Chorpart vereinten sich die Uni-Chöre aus Dortmund, Köln und Witten/Herdecke zum Riesenorgan, das Schillers Ode über die Empore brachte. Reihl wählte für Beethoven die Bläser-betonte und dynamisch geweitete Bearbeitung von Mahler, unter der die Streicher oft genug das Nachsehen hatten. Egal: Nach so viel Freudentaumel, an dem sich solistisch Tina Scherer, Dagmar Linde und Raphael Preuß beteiligten, war der Publikumsjubel Ehrensache.