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24-Jähriger will „endlich“ richtig leben

08.01.2013 | 17:55 Uhr
24-Jähriger will „endlich“ richtig leben
Foto: Oliver Müller

Essen. 24 Jahre alt ist er – und steht vor den Trümmern seines Lebens. Im letzten Moment hatte der mehrfach vorbestrafte Angeklagte kürzlich die Notbremse gezogen und die gesetzliche Betreuung über sich beantragt. Das stimmt den Essener Amtsrichter Georg Dodegge am Dienstag milde: Fünf Monate Haft mit Bewährung wegen zweifachen Betruges und Schwarzfahrten.

Einen Schulabschluss, die Qualifikation zur Fachoberschule, besitzt der junge Mann aus dem Essener Stadtteil Vogelheim . Mehr nicht. Immerhin tritt er bald seine erste Ausbildungsstelle an. Angeklagt ist er, weil er wieder einmal schwarz Bahn fuhr und im Internet mit einer falschen Rechnungsanschrift Elek­tronikware für 1500 Euro orderte.

Probleme mit Geld

Er macht sein Wort. Reumütig klingt anders: „Probleme mit Geld hatte ich immer. Es wurde mir nicht beigebracht. Meine Pflegeeltern haben mir Geld zur freien Verfügung gegeben.“ Verteidiger Michael Wolff greift ein: „Zuerst will er sagen, dass er die Taten zugibt.“ Er kenne den Angeklagten „leider lange“, erinnert der Anwalt an Vorstrafen und erklärt: „Er hat Phasen, da kümmert er sich um nichts. So gibt es kein Geld vom Jobcenter, er verliert seine Wohnung, landet im Bahnhofsmilieu.“

Staatsanwältin Katja Himmelskamp ist beeindruckt, wie der Angeklagte für den Betrug Angaben zur Rechnungsanschrift fälschte: „Das ist ja pfiffig.“ Der aus dem Münsterland stammende Mann nickt: „In so Dingen ja.“

Schluchzer unterbrechen Plädoyer

Die Anklägerin sieht Reue, fordert Bewährung und rührt den Angeklagten mit ihrem Plädoyer zu Tränen. Schluchzer unterbrechen sein letztes Wort: „Ich hoffe, dass ich endlich ein richtiges, ein anständiges Leben führen kann.“

Richter Dodegge sieht ebenfalls Positives, vor allem wegen der Betreuung: „Sie sind auf einem guten Weg in ein besseres Leben.“ Zur Sicherheit gibt er ihm einen Bewährungshelfer und warnt: „Wenn etwas Neues passiert, stehen Sie mit einem Bein in der JVA.“

Stefan Wette



Kommentare
09.01.2013
20:24
24-Jähriger will „endlich“ richtig leben
von 4nc3st0r | #2

Es ist tiefster Schwachsinn, dass fahrscheinloses Fahren immer noch strafrechtliche Relevanz hat. So eine Lappalie kann wie hier gesehen schnell mitschuld am Ruin eines Menschen sein.

09.01.2013
12:49
"Schluchzer unterbrechen sein letztes Wort"
von kumpelanton | #1

Man muss vor Gericht nur die richtige Show abziehen, dann gibt es trotz vieler Vorstrafen wieder nur Bewährung.

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