2015 geht es vom Dirigentenpult in den Souffleurkasten

Volker Perplies wechelt im neuen Jahr in eine neue Position. Sein neuer Arbeitsplatz ist der Souffleurkasten der Bayerischen Staatsoper.
Volker Perplies wechelt im neuen Jahr in eine neue Position. Sein neuer Arbeitsplatz ist der Souffleurkasten der Bayerischen Staatsoper.
Foto: WAZ
Volker Perplies bekommt im neuen Jahr einen in deutschen Opernhäusern ziemlich einmaligen Job: Der Kapellmeister des Aalto-Theaters darf sich in München dann „Maestro suggeritore“ nennen

Essen.. Für das Abschiedsfoto besichtigt Volker Perplies seinen alten Arbeitsplatz an diesem Abend zum ersten Mal aus der zukünftigen Position. Perplies, seit 2006 Kapellmeister und Solorepetitor am Aalto-Theater, wechselt im neuen Jahr vom Orchestergraben des Essener Musiktheaters in den Souffleurkasten der Bayerischen Staatsoper. „Maestro suggeritore“ heißt das in deutschen Opernhäusern ziemlich einmalige Amt, das Perplies den meisten Zuhörern deshalb erstmal erklären muss.

Im 19. Jahrhundert in Italien entstanden, ist der „Maestro suggeritore“ so etwas wie eine Mischung aus Souffleur und Co-Dirigent, der vor allem in großen Opern-Produktionen eine Extra- Hilfestellung für die Gesangssolisten gibt. „Man ist der verlängerte Arm des Abenddirigenten“, erklärt Perplies das seltene Amt, das im deutschsprachigen Raum bislang allein an den großen Häusern in Wien, Zürich und eben München zur festen Einrichtung gehört. „Häuser, die viel Repertoire spielen“, erklärt Perplies. Aber auch in Essen ist der „Maestro suggeritore“ nicht gänzlich unbekannt, denn der vorherige Generalmusikdirektor Stefan Soltesz hat die Vorteile in Wien kennen gelernt.

Regelrechter Opernskandal ausgelöst

Herbert von Karajan hatte den zweiten Maestro in der österreichischen Metropole 1963 erstmals eingefordert und damals einen regelrechten Opernskandal ausgelöst, erzählt Perplies aus dem Souffleurkästchen. Dabei führt der zweite Mann im Graben ja eher ein verborgenes Dasein, und beim Schlussapplaus steht nur der Dirigent im Rampenlicht auf der Bühne. Manche Pult-Kollegen ließen sich aber schon dazu hinreißen, „eine Hand nach unten zu reichen“, hat Perplies beobachtet, „aber man ist nicht das Ausstellungsstück“.

Sein erster Einsatz wird die Wiederaufnahme von Wagners „Götterdämmerung“ sein. Das Bayerische Musiktheater, zum „Opernhaus des Jahres“ gekürt, wird Perplies große Stars wie Jonas Kaufmann und Anna Netrebko vor den Taktstock führen. Nicht alle schätzen aber die Extra-Hilfestellung aus dem Souffleurkasten, auch das weiß der 35-jährige Musiker, der in Fulda geboren wurde, an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg studiert hat.

„Man gibt den Sänger, was sie brauchen“, erklärt Perplies seinen sensiblen Vermittlerjob und das ist meist mehr als ein Stichwort. Aber du willst doch dirigieren“, habe ihn einige Wegbebleiter gefragt. „Und das tue ich ja immer noch, nur an einem Ort“, antwortet Perplies und versteht den Wechsel als eine „hervorragende Möglichkeit, mich weiter zu entwickeln. Man trifft viele Leute, die man gerne mal treffen würde“, glaubt Perplies. Und das aus einer ganz neuen Perspektive.