200 Mieter in Essen-Steele seit einer Woche ohne Heizung
01.02.2012 | 17:32 Uhr 2012-02-01T17:32:00+0100Essen. Weil die Wohnungsgesellschaft Gagfah auf Ersatzteile für die defekte Heizung wartet, frieren 200 Mieter in Steele schon seit einer Woche. Die Gagfah spricht von einer Verkettung „unglücklicher Umstände“. Die Mieter mummeln sich ein und schalten bei Raumtemperaturen um zehn Grad den Backofen an.
Eine Woche lang warteten 200 Mieter einer Hochhausanlage in Steele auf die Reparatur ihrer Heizung. Obwohl in den Wohnräumen Temperaturen um die zehn Grad herrschten, sah sich die Wohnungsbaugesellschaft Gagfah außer Stande, früher Abhilfe zu schaffen.
Für Mathilde Fischer war es ein Schock, als sie vergangene Woche in ihre Wohnung kam: „Ich hab’ einen neuen Herzschrittmacher eingesetzt bekommen, bin am Donnerstagmorgen aus dem Krankenhaus entlassen worden – und hier war es eiskalt.“ Die 78-Jährige rief bei der Gagfah an und hörte, das Problem sei bekannt. Geschehen sei nichts: „Ich rief öfter an, wurde nur vertröstet.“
„Ich trage Hausanzug, Strickjacke und Weste übereinander“
Laut Gagfah wurde die Heizung für die Häuser Hünninghausenweg vor zehn Jahren eingebaut und regelmäßig gewartet, zuletzt am 15. November 2011. Die Mieter ärgert neben der schleppenden Reparatur vor allem die Info-Politik der Wohnbaugesellschaft. Diese will nun mit den Mietern Kontakt aufnehmen, die sich schriftlich gemeldet hatten. Die „Unannehmlichkeiten“ bedauere man.
Nun setzt sie sich zu den Mahlzeiten vor den geöffneten Backofen in der Küche: Trotz Ofen zeigt das Thermometer bloß zwölf Grad an. „Ich trage Hausanzug, Strickjacke und Weste übereinander.“ Zum Fernsehen wickelt sie sich in eine Wolldecke, macht sich eine Wärmflasche und schaltet ein Elektroöfchen ein. „Wer kommt nachher bloß für die Stromkosten auf?“, fragt Mathilde Fischer, die seit 40 Jahren in der Wohnung am Hünninghausenweg 20 lebt: „Sowas hab’ ich noch nie erlebt“.
Bei der Gagfah stellt man den langen Heizungsausfall als Verkettung unglücklicher Umstände dar. Am Mittwoch vergangener Woche (25. Januar) habe der Notdienstmonteur die Heizungsanlage für die Häuser Hünninghausenweg 20-24 angesehen und festgestellt, „dass die Hubschnecke des Brenners der Heizung defekt war“, heißt es in einer Stellungnahme von Pressesprecherin Bettina Benner. Per Handbetrieb habe der Monteur die Heizung zeitweilig zum Laufen gebracht. „Diese Entstörung musste noch einmal vorgenommen werden, d.h. aber die Heizung ist nicht komplett ausgefallen.“
Das benötigte Ersatzteil sei „sofort bestellt“ und am Montag, 30. Januar – fünf Tage nach dem ersten Ausfall – eingebaut worden. Dabei sei festgestellt worden, „dass die Hauptplatine defekt ist“. Auch sie habe man bestellen müssen. Die Folge für die empörten Mieter: Am Mittwoch erwachten sie erneut frierend in ihren ungeheizten Wohnungen.
„Ich hab seit Montag Urlaub – und nun halte ich es zu Hause nicht aus“
„Ich hab seit Montag Urlaub – und nun halte ich es zu Hause nicht aus“, ärgert sich Beate Pick. Ihre Tochter Laura (21), die ein Freiwilliges Soziales Jahr macht, flieht an ihrem freien Tag aufs Solarium – und greift abends beim Fernsehen zum Fön. Nachteil dieser Warmluftzufuhr: „Ich muss den Fernseher sehr laut stellen.“ Für die Reparaturdauer hat sie kein Verständnis: „Es herrscht Frost, da kann man sich doch nicht ewig Zeit lassen, um Ersatz zu beschaffen.“
Gagfah-Sprecherin Bettina Benner sieht das anders: Man habe „unverzüglich“ reagiert, doch müsse bei der Bestellung von Ersatzteilen „mit einer gewissen Lieferfrist gerechnet werden“. Sollte die Reparatur im Laufe des Mittwochs nicht gelingen, werde „ein Aggregat aufgestellt, das die Wohnungen beheizen wird“. Warum man auf diese Lösung bei den aktuellen Außentemperaturen erst nach einer Woche – und einigen Medienanfragen – kam, verrät die Gagfah nicht.
12:55
Dies ist mit Sicherheit kein Einzefall und wird sich mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit auch wiederholen denn in Hamm ist es mitlerweile gang und gebe das bei fast allen Wohnungen in Hamm die der Gagfah gehören fast jede Heizungsanlage einmal in der Heizperiode wenigstens für 1 Woche ausfällt und immer kommt die gleiche Ausrede wie schon im Artikel steht "Wir müssen das Ersatzteil erst bestellen".
10:12
Es ist mittlerweile bekannt, dass die Gagfah zu den sogenannhten "Heuschrecken" gehört. Große Wonungsbestände werden aufgekauft, jedoch werden nur die allernötigsten Reparaturen bei entsprechendem Druck ausgeführt. Aus den Wohnungen wird der größtmögliche Profit gezogen bei minimalsten Investitionen. (Beispiel sind Wohnsiedlungen in Ostdeutschland).
Ich selber suche zur Zeit eine neue Wohnung. Dabei stehen 2 große Vermietungsgesellschaften auf meiner "roten Liste", die sich einen schlechten Namen wegen ihrer Wohnungsverwaltung (keine notwendigen Reparaturen, Schimmel in Wohnungen, falsche Betriebskostenabrechnungen, zunehmende Ghettobildung) gemacht haben. Das sind Gagfah und die Deutsche Annington.
und die Duisburger GEBAG notieren Sie sich bitte auch noch.Die sind fast pleite durch den Bau im Duisburger Innhafen (Schuhkarton) und ihre Mieter wohnen auch in runtergekommene Wohnungen.
09:40
Bei Totalausfall der Heizung im Winter sind die Mieter berechtigt, die Miete für diesen Zeitraum um 100% zu mindern. Quelle: http://anwalt-im-netz.de/mietrecht/heizung.html
Ich hoffe doch, das ALLE Mieter von ihrem Recht der Mietkürzung Gebrauch machen. Dann wird auch die Gagfah zukünftig adäquat Vorsorge tragen, damit kein Mieter mehr frieren muß.
08:48
Auch hier bitte mal den Hersteller nennen! Eine Heizungsfirma, die ein Ersatzteil nicht sofort liefern kann, gehört vom Markt gefegt und hat dort nichts mehr zu suchen. DHL ist in der Lage, ein Eilpaket innerhalb von einem Tag bundesweit zu liefern.
Trotzdem: Immer noch der Vermieter ist verantwortlich für das Funktonieren der Heizung.
08:23
Tolle unqualifizierte Kommentare hier.
1. Klar könnten die Mieter in ein Hotel ziehen, aber die Kosten werden sie niemals erstattet bekommen.
2. Ja, Mietminderung ist auf jedenfall möglich. Dafür gibt es Anwälte. Eine Zeitung um sein Foto mal in solcher zu sehen braucht es dafür nicht.
3. Einen Heizlüfter gibt es ab 10€. Da braucht es keinen Fön
4. Wenn ein Ersatzteil nicht lieferbar ist, da kann die Wohnungsbaugesellschaft nichts für. Die Gagfah vermietet Wohnungen und repariert keine Heizungen. Das macht eine Andere Firma. Also bitte nicht immer auf die bösen Wohnungsbaugesellschaften hauen.
08:00
Es ist wohl kaum zumutbar in seiner völlig ausgekühlten Wohnung auf Reparaturleistungen zu warten, bis die angeblich notwendigen Ersatzteile
von wo auch immer geliefert werden.
Richtig wäre es, wenn die Gesamtheit der Mieter zunächst einmal auf Kosten der Vermietungsgesellschaft in ein Hotel zöge. Ich möchte wetten, das beschleunigt
die Reparaturarbeiten enorm.
Dann sind natürlich die bisher entstandenen, erhöhten Stromkosten für elektrische
Heizgeräte, einschließlich Backofen ebenfalls vom Vermieter zu tragen.
07:32
Sie kassieren viel Geld für eine (oder keine!!) erbrachte schlampige Leistung. Wofür also eine meist überteuerte Wartung bezahlen, wenn 1. Fehler nicht festgestellt werden und 2. wenn etwas defekt geht, die Ersatzteile nicht verfügbar sind!
Vielleicht kann ja mal jemand den Namen dieser Wartungsfirma nennen, damit man in Zukunft einen großen Bogen um sie machen kann!
07:23
TV schauen scheint dort echt wichtig zu sein :-)! Im Artikel dreht es sich mehr darum das man wegen der defekten Heizung nicht mehr venünftig vor der Glotze hängen kann! Gibt es nicht auch andere Dinge im Alltag die man in der heimischen Wohnung macht? Ja, die Gesellschaft hängt teilweise nur noch stundenlang vor der Glotze...keine schöne Entwicklung!
07:09
Da würde ich die Miete um 100% kürzen. Diese Wohnungsunternehmen (u.a. auch die Allbau AG) sind alle gleich. Verschleierungstaktiken, Hinhalten, Schuldzuweisungen...die ganze Palette. Aber die Ursache "direkt" a.d. Wurzel anpacken, dazu fehlt es diesen Unternehmen der Esprit. Wie arm.
05:06
100 % Mietminderung kann erreicht werden, und wäre ja auch auf jedenfall berechtigt.
Allerdings variierten Urteile der Gerichte (LG und OLG) zwischen 50 und 100 %.
Versuchen sollte man es aber allemal.
Gruß