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Bildungsstreik

154 Studierenden droht Anzeige nach Protest in Essen

17.11.2009 | 20:31 Uhr

Essen. Mehr als 3000 Schüler und Studierende haben am Dienstag in Essen für ein besseres Bildungssystem gestreikt. Einige widersetzten sich Anordnungen der Polizei. 154 Demonstranten wurden festgehalten. Sie müssen mit Anzeigen rechnen. Demos gab es auch in Düsseldorf, Bochum, Dortmund und Bonn.

Aufregung gab es am Abend auch in Bonn. 200 Studierende hatten in der Uni am Nachmittag einen Hörsaal besetzt. Am Abend rief die Uni-Leitung die Polizei zu Hilfe und drohte gegen die Studierenden Strafanzeigen an. Nach Auskunft der Polizei, die "mit starken Kräften" vor Ort gewesen war, hätten daraufhin alle Studierernden den Hörsaal geräumt. "Ein vorsorglicher Strafantrag der Hochschule wurde zurückgezogen", sagte eine Sprecherin auf Anfrage von DerWesten. Gegen 20 Uhr sei die Besetzung beendet gewesen.

Auch in Dortmund, Düsseldorf und Bochum gab es Bildungsstreiks. Während aus diesen Städten keine größeren Übergriffe gemeldet wurden, ging es in Essen drastischer zur Sache. Für kleinere Kassen, gegen die Kopfnoten, gegen das Turboabi, gegen das dreigliedrige Schulsystem, gegen Zentralabitur und Schulzeitverkürzung demonstrierten am Dienstagmorgen allein in Essen weit über 3000 Schüler und Studenten. Erwartet wurden bei der Veranstaltung 500 Teilnehmer. Sie wollen mit ihrem Bildungsstreik die Politiker wachrütteln und fordern bessere Lernbedingungen. Wenn die Schüler jetzt immer noch nicht auf das Gehör der Politiker stoßen würden, sei ein mehrwöchiger Generalstreik nicht ausgeschlossen.

Schüler widersetzen sich Anordnungen der Polizei

Vollversammlung der Studierenden im Audimax an der Lotharstraße der Universität Duisburg-Essen. Studierende riefen letzte Woche einen zweitägigen Streik aus und besetzen das Audimax. Bild: Udo Milbret

Allerdings kam es bei dem Streik zu Zwischenfällen, so die Polizei. Der Aufzug der Schüler und Studenten (Hirschlandplatz, Hachestraße, Varnhorststraße, Fontänengasse, Kastanienallee, I. Hagen) mit ihrer Auftakt- und Zwischenkundgebung (Kopstadtplatz) verlief noch friedlich. Aber nach offizieller Beendigung durch den Veranstalter und die Polizei liefen mehrere hundert Demonstranten durch die Innenstadt. Es kam zu spontanen Straßenblockaden und Durchbrechungen von Polizeiabsperrungen, die sowohl für Autofahrer und den Demonstranten  gefährlich waren. Die Teilnehmer wurden mehrfach über Lautsprecher von der Polizei aufgefordert, die Örtlichkeiten zu verlassen. Trotzdem befolgten etwa 150 Demonstranten nicht die ausgesprochenen Platzverweise und widersetzten sich den Anordnungen.

Vor dem Rathaus wurden 154 Personen zur Personenfeststellung festgehalten. Noch vor Ort konnten 35 Kinder nach der Personenfeststellung wieder gehen. Die Jugendlichen und Erwachsenen müssen mit Anzeigen wegen Verstößen gegen das Versammlungsgesetz rechnen. Die Eltern der Jugendlichen wurden von der Polizei über den Verbleib ihrer Kinder informiert. Nach der Überprüfung fuhr die Polizei die Jugendlichen in die Stadt zurück. Einige wurden von ihren Eltern abgeholt, heißt es weiter in einem Polizeibericht. 

Dritter Bildungsstreik

Die Schüler wollen kein Zentralabitur. Foto: Ellen Andresen

Bereits im November vergangenen Jahres sowie im Juni dieses Jahres gab es große Bildungsstreiks. "Erreicht haben wir inzwischen immerhin, dass es Verständnis gibt. Allgemein sind an Schulen mehr Bewegungen festzustellen", so Frederic Genn, Schüler am Berufskolleg Stadtmitte in Mülheim. Allerdings habe es seitens der Politik noch keine Reaktion gegeben - daher der erneute Streik. "Die Kopfnoten wurden zwar von sechs auf drei reduziert, aber das macht das ganze nicht gerechter", findet Lea Kühn, Sprecherin der Essener Bezirksschülervertretung.

Das Essener SchülerInnen Bündnis organisiert seit 2008 die Schul- und Bildungsstreiks in Essen. Beim letzten Bildungsstreik im Juni haben sich in Essen über 5000 Schüler und Studenten beteiligt. 

Ellen Andresen

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Kommentare
21.11.2009
19:12
154 Studierenden droht Anzeige nach Protest in Essen
von Entsetzter Vater | #71

Sorry, ich vergaß noch die Gymnasiasten der Klassen 5 und 6, denen aufgrund des Turboabis die Kindheit gestohlen wird.

21.11.2009
19:01
154 Studierenden droht Anzeige nach Protest in Essen
von Entsetzter Vater | #70

Liebe Studenten, bittet teilt uns doch das nächste Mal rechtzeitig mit, wann ihr studiert. Dann gehen wir Eltern nämlich mit euch. Opa und Oma kommen übrigens auch mit. Und dann machen wir Püppi, Herrn Pinkdingels und dem, dessen Name nicht ausgesprochen werden darf („Inder statt Studenten“ oder so ähnlich), mal dermaßen Feuer unterm Hintern, dass diese feinen Herrschaften bis zum 6. Mai kein Auge mehr zutun. Und wir werden uns zwischen euch und die Polizisten stellen. Mal sehen, ob die sich auch uns Alten gegenüber als mit Totenkopf beklebten Knüppeln schwingende Todesschwadronen auftreten.
Wir Eltern haben allen Grund auf die Barrikaden zu gehen: 30 % Unterrichtsausfall in der Grundschule. – Krampfhaftes Festhalten an einer Hauptschule mit Null Berufschancen für deren Absolventen. – Zwangszuweisungen von Schüler auf diese Schulform, gegen den erklärten und fachkundigen Willen der Eltern, von Pädagogen, die diese Kinder überhaupt nur dreimal unterrichten, weil sie ansonsten mit administrativen Aufgaben und sonstigem Bürokram beschäftigt sind, da an den Hausmeistern gespart wird. – Psychisch kranke Lehrer auf der Realschule, die nicht in Ruhestand geschickt werden, sondern jedes halbe Jahr auf eine andere Schule losgelassen werden, bevor sie als Circle Jack wieder da ankommen, wo sie gerade noch weggelobt wurden. – Berufschulen, in denen Unterricht stattfindet, ohne dass auch nur ein Quantum Stoff und Fachwissen vermittelt wird. – Zusammenlegung unterschiedlichster Leistungsstufen in einen Klassenraum unter Überspringen von 35 % Lehrstoff, nur um den Lehrermangel auf den Gymnasien auszugleichen. Mit dem Erfolg, dass selbst hoch motivierte Schüler abgehängt werden und Fächer abwählen, denen sie unter anderen Umständen mehr als geneigt wären. – Ein dermaßen filigranes Abitursystem, das Schüler bei ungünstiger Fächerwahl den Unterricht der 11 in der 13 nochmals „absitzen“ lässt. – Hochschulen, in denen die Studenten auf den Stufen sitzen müssen, sofern sie nicht von der Feuerwehr aus Brandschutzgründen aus dem Hörsaal gebeten werden. – Studiengebühren incl. Sozialbeträgen von 800,-- Euro, die in der Regel die Familien tragen müssen und von denen viele gerade so über der Sozialgrenze liegen, dass ihnen das Gerede über höheres BAföG „am ***** vorbei geht“. – Bachelor-Abschlüsse, die entgegen dem eigentlichen Ziel, weder innerhalb Europas anerkannt werden noch in der deutschen Industrie. – Master-Absolventen, die als Sklaven des Turbokapitalismus selbst nach den dritten kostenlosen Praktika immer noch nicht fest angestellt werden.
Man beachte das chaotische Vorgehen des Bundesministeriums für Gesundheit bei der Schweinegrippe-Impfung. Das Chaos bei der Schulpolitik ist 100, nein 1000 mal größer. Gerade wieder muss man von 600 Lehrern lesen, die zwar dringend gebraucht, aber nun nicht eingestellt werden, weil sie „versehentlich“ geworben wurden, weil Prognosen nicht berücksichtigt wurden, weil die Forensik nun mal in Düsseldorf steht. Und über allem thront der Unaussprechliche in seinem Oktaeder des Grauens.

21.11.2009
17:59
154 Studierenden droht Anzeige nach Protest in Essen
von Flohy_Butterfly | #69

Das beste ist ja, dass besagte Festgenommene nicht einmal wissen, was man ihnen eigentlich vorwirft! Hausfriedensbruch oder Verstoß gegen das Versammlungsrecht?
Außerdem ist es eine Unmöglichkeit, dass die Eingekesselten erst eine Stunde festgehalten worden, ehe man sie abtransportiert und auf der Wache wieder zwei Stunden festgehalten hat!
Und dies nur, weil die Studenten auf sich aufmerksam machen wollten, was angesichts der Demonstrationsroute, die ja abseits aller Passanten verlief- parallel zur Fußgängerzone- nicht möglich war!
Ich halte es für ein Ding der Unmöglichkeit, dass man nicht angemessen demonstrieren kann in Essen, sondern die Essener Polizei jegliche größere Menschenkontakte der Demonstranten vermeiden. Und dann werden Demos mir nichts dir nichts abgebrochen, wenn man auf diese Unmöglichkeit aufmerksam macht und sich beschwert.

Wir sind eben KEINE Bandidos oder so, sondern firedliche Studenten. Was hindert also daran, eine Demo mitten durch die Innenstadt zu leiten?
Auch die verselbstständigten Demonstranten haben nichts auseinander genommen- obwohl kein Polizist weit und breit war.-
Und es hätte sich auch niemand verselbstständigt, wenn die Polizei die Demontranten von vorneherein eine bessere Route hätten nehmen lassen.
Aber die Essener Plozei wollte wohl mehr Arbeit... es ist ja scheinbar nicht gewollt von der Polizei, dass man in Essen anständig demonstrieren kann wie anderswo!

20.11.2009
21:17
154 Studierenden droht Anzeige nach Protest in Essen
von ... | #68

Schaut Euch doch mal die Berichte einiger der Augenzeugen an --> unter

www.ruhrbarone.de

20.11.2009
13:25
154 Studierenden droht Anzeige nach Protest in Essen
von tassi | #67

@ Georg Lohmann

Gute Einstellung, ein Vorbild !

Wat machse denn, wenn der Polizist auch 2 Töchter hat, die studieren? Und er nur seine Arbeit macht, seinen ***** dafür hinhält, damit man in dieser Republik seine Meinung kundtun kann?
Auch für Leute wie Du?

19.11.2009
20:55
154 Studierenden droht Anzeige nach Protest in Essen
von singlepunchknockdown | #66

ACAB!!!!

19.11.2009
11:20
154 Studierenden droht Anzeige nach Protest in Essen
von kommtklar | #65

...am besten keiner geht mehr hin......zur UNI.....dann können die Poliker weitere Einsparungen vornehmen und das Geld anschließend an OPEL weitergeben. Man sagt ja die Hoffnung stirbt zuletzt. Von hoffen wird nichts besser. Hoffentlich nicht........

19.11.2009
08:05
154 Studierenden droht Anzeige nach Protest in Essen
von Georg Lohmann | #64

Nach Wochen der Proteste geben die zuständigen Politiker nach und nach zu, eine Schulnote 6 im Umbau der Uniabschlüsse produziert zu haben. Natürlich für sie ohne Konsequenzen. Tausende von Studenten werden dagegen in unerfüllbaren Studienbedingungen psychisch und physisch verheitzt. Und wenn sie protestieren hetzt man die Bullen auf sie, die dann mal wieder ganz die Staatsmacht heraushängen lassen.
Ich bin 56 Jahre und Vater von 2 Studentinnen. Ich schwöre, dass ich den Knüppel heraus suchen werde und mit meiner geschiedenen Frau zusammen Polizisten verprügeln werde, wenn die Politik nicht endlich die Arbeit macht, für die sie bezahlt und gewählt worden ist.

18.11.2009
22:32
154 Studierenden droht Anzeige nach Protest in Essen
von Entsetzter Vater | #63

So was hatten wir schon mal vor 40 Jahren. Das Ganze gipfelte dann in der Leberwurst-Taktik des Berliner Polizeipräsidenten, was schließlich zum Tod von Benno Ohnesorg und letztendlich zum Terror der Bader-Meinhoff-Bande führte. Wollen wir da wirklich wieder hin?
Am 11. Mai 1952 wurde der 21-jährige Philipp Müller an der Gruga während einer Friedensdemonstration von der Essener Polizei erschossen.
Vor etwa 15…20 Jahren haben Essener Polizisten einen Obdachlosen aus der Stadt geholt und in Höhe des Flughafens Essen-Mühlheim ausgesetzt. Dummerweise haben sie nicht gemerkt, dass es tiefster Winter war. Oder haben sie den Tod dieses Mannes einfach nur billigend in Kauf genommen?
Wer Spaß daran hat, kann ja mal mit dem Namen der Essener Polizeipräsidentin im Zusammenhang mit dem kleinen Wörtchen Fahrerflucht googlen.

Und lieber Jürgen Rüttgers: Da letztendlich auch wieder der Mittelstand, sprich die Eltern der Studenten, die Studiengebühren zahlen, bekommst Du meine Stimme nicht! Und weil in den Berufsschulen scheinbar überhaupt kein Unterricht mehr stattfindet, schon gar nicht.

18.11.2009
19:10
Blockierter Kommentar.
von Thomas.Lau | #62

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