1500 Pfadfinder kommen in den Sportpark am Hallo
04.08.2010 | 18:26 Uhr 2010-08-04T18:26:00+0200
Essen.Im Rahmen von Ruhr2010 kommen Pfadfinder aus aller Welt zum Ruhrjamb nach Essen. Zwei Wochen dauert das größte deutsche Lager. Auf dem Programm stehen Ausflüge, Wanderungen und Workshops.
Das ruhrjamb.2010, wie das Lager der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG) offiziell heißt, ist Teil von Ruhr2010. Beim Bergfest am 14. August wird deswegen Fritz Pleitgen um 10 Uhr die Eröffnungsrede halten. Danach präsentieren sich die verschiedenen Altersstufen. Abend gibt es einen Gottesdienst und eine Party.
Die Vorbereitungen laufen auf Hochouren: Seit einer Woche sind die 40 Helfer vom Aufbauteam am Werke. Die große Zeltburg, in der bis zu 300 Menschen Platz finden, haben sie schon zusammengeknüpft und hochgezogen. Sie wird das Zentrum sein, wenn sich ab morgen rund 1000 Pfadfinder aus der ganzen Welt im Park am Hallo versammeln und das Gelände für zwei Wochen in eine Zeltstadt verwandeln. Am mittleren Samstag haben sich noch 500 weitere Scouts angemeldet. Dann wird das Lager deutschlandweit das größte Pfadfindertreffen in diesem Sommer sein.
Pfadfinder? Sind das nicht die Leute mit den komischen Hemden? Die, die täglich eine gute Tat vollbringen? Christian Schnaubelt kennt die Fragen, ob es noch zeitgemäß sei, wenn sich junge Menschen in die Natur zurückziehen, Lagerfeuer machen und mit einem Minimum an Technik auskommen.
Größte Jugendorganisation weltweit
„Oft wundern sich die Leute sogar, dass es die Pfadfinder immer noch gibt“, sagt der Projektpressesprecher des Diözesanverbandes Essen. „Ja, es gibt sie noch“, antwortet Schnaubelt dann. Er könnte hinzufügen: und wie. Denn Pfadfinder sind die größte Jugendorganisation der Welt.
„Pfadfinder sind zeitgemäßer denn je. Man lernt, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und gewinnt so einen anderen Blickwinkel auf die Welt.“ In ihren Grundzügen habe sich die Jugendarbeit der Pfadfinder seit dem ersten Lager vor über 100 Jahren nicht verändert. Noch immer lernten die Kinder und Jugendlichen, wie man Knoten oder Lagerfeuer macht. „Aber wir haben uns der Lebenswirklichkeit der jungen Leute angepasst.“ Das Internet zum Beispiel gehört längst zum Alltag; viele Aktionen werden über soziale Netzwerke publik gemacht und vorbereitet. „Wir legen aber Wert darauf, das Web als Kommunikationsmittel zu nutzen und nicht sinnlos herumzusurfen.“ In der Zeltburg am Eingang gibt es neben einer Bibliothek und dem Infopunkt auch ein Internetcafé, „damit die ausländischen Gäste mit ihren Familien in Kontakt bleiben können.“
Ursprünglich sollten im Rahmen des Twins2010-Projekts nur Pfadfinder aus den europäischen Partnergemeinden der Ruhrgebietsstädte kommen. Doch neben Ungarn und Polen bekundeten auch befreundete Scouts aus Algerien, Jordanien, Palästinena, Weißrussland oder Russland ihr Interesse und wollten kommen. „Kein Problem, denn der internationale Gedanke hört ja nicht an den Grenzen Europas auf“, sagt Schnaubelt.
Kommunikation mit Händen und Füßen
Im Lager werden deutsche und ausländische Pfadfinder gemeinsam in sechs Zeltdörfern wohnen. „Durch das alltägliche Zusammenleben lernt man sich schnell kennen und pflegt den kulturellen Austausch“, berichtet Schnaubelt von seinen Erfahrungen bei internationalen Treffen. Dass sich gerade junge Pfadfinder, die noch nicht Englisch sprechen, mit Händen und Füßen unterhalten müssen, sei kein Problem: „Das klappt immer irgendwie.“
Muss es auch, denn während der zwei Wochen stehen viele gemeinsame Aktionen auf dem Programm: Tagesreisen, Workshops oder Wanderungen. Höhepunkt ist das Bergfest am mittleren Samstag, wenn unter dem Motto „pfadfinder.treffen“ zu den 1000 Dauercampern noch 500 Pfadfinder aus dem ganzen Ruhrgbiet stoßen. „Auch alle Bürger sind eingeladen, um zu sehen, was wir Pfadfinder machen“, sagt Schnaubelt, der mit über 2000 Menschen rechnet. Aber auch ein normaler Lagertag ist eine logistische Herausforderung: 1000 Liter Milch, 21 Kilo Käse und 70 Brote stehen auf der täglichen Einkaufsliste.
21:11
Das größte Pfadfindertreffen in diesem Sommer? Das kann nicht ganz stimmen. Eben waren fast 5.000 Pfadis in Wolfsburg beim VCP-Bundeslager zusammen.