14 600 Essener müssen ihren Lohn aufstocken

Wenn die eigene Arbeit nicht zum Leben reicht: Dieses Schicksal trifft in Essen von Jahr zu Jahr mehr Arbeitnehmer. Sie müssen ihren Lohn mit Hartz IV aufbessern, werden im Beamtendeutsch Ergänzer genannt. Viele sind Mini- oder Teilzeitjobber.

In diesem Jahr mussten rund 14 600 Essener ihren Lohn mit Hartz IV aufstocken. Das sind fast 5000 Betroffene mehr als im Jahr 2007. Für die Jahre 2005 und 2006 liegen keine statistischen Daten vor. „Die Zahl ist erschreckend“, sagt der Leiter des Jobcenters, Dietmar Gutschmidt. Der Fokus der Behörde liege deshalb besonders auf den Ergänzern, um ihnen auf lange Sicht ein auskömmliches Einkommen zu ermöglichen. „Arbeit muss sich wieder lohnen“, fordert er. Ob der Mindestlohn ab 1. Januar dazu beiträgt, ist sich Gutschmidt nicht sicher. Im Moment rechnet er eher damit, dass die Zahl der Ergänzer im kommenden Jahr steigt, weil sich auch der Regelsatz für Hartz IV erhöht.

Auch Sozialdezernent Peter Renzel ist skeptisch, ob der Mindestlohn die Lage spürbar verbessert. „Wir müssen davon ausgehen, dass sich ein Teil der Ergänzer mit ihren Mini-Jobs und Hartz-IV-Geld eingerichtet haben“, und somit keinen Anreiz verspüren, einer besser bezahlte Arbeit anzunehmen oder länger zu arbeiten. Arbeitsmarktexperten sagen dagegen auch, dass das Anwachsen des Niedriglohnsektors nicht erst mit Hartz IV eingesetzt hat, die Reform jedoch den Druck auf Arbeitnehmer erhöht hat, prekäre Beschäftigung anzunehmen.