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1000 Euro für eine Teppich-Reinigung - Essenerin fühlt sich abgezockt

30.08.2012 | 08:00 Uhr
1000 Euro für eine Teppich-Reinigung - Essenerin fühlt sich abgezockt
Maria Schortemeyer hat 1000 Euro für die Reinigung ihres Teppichs bezahlt.Foto: Fotografie Olaf Fuhrmann

Essen.   Maria Schortemeyer aus Essen-Huttrop sollte laut Rechnung 1000 Euro für die Spezialreinigung eines Teppichs bezahlen. Viel zu teuer, wie sie im Nachhinein feststellte. Doch der Mitarbeiter der Reinigungsfirma habe sie überrumpelt. Das scheint kein Einzelfall zu sein. Auch eine Bochumerin machte schlechte Erfahrungen mit einer Teppichreinigungsfirma.

Maria Schortemeyer fühlt sich abgezockt. So wie rund 30 Leser, die sich nach WAZ-Bericht meldeten. Dort ging es um eine Bochumerin, der das gleiche mit drei Teppichen und 3400 Euro passiert war.

Als Maria Schortemeyer kürzlich die WAZ las, war sie fassungslos: „Da stand genau mein Fall“, sagt die 79-Jährige aus Huttrop. Es ging in dem Bericht um eine Bochumerin (78), die sich abgezockt fühlte, nachdem sie für eine Reinigung von drei Teppichen 3400 Euro hat zahlen müssen . Auf der Rechnung von Maria Schortemeyer standen 1000 Euro für eine Spezial-Wäsche ihres Wohnzimmer-Teppichs.

Um es vorwegzunehmen: „Es war meine Dummheit, weil ich den Auftrag unterschrieben habe“, sagt die Huttroperin und erklärt es damit, dass sie einfach überfahren und besabbelt worden sei: „Ich war nicht stark genug, mich dagegen zu wehren.“ Ebenso hat es die Bochumerin beschrieben. Auch die Anliegen der beiden Frauen sind gleich: Sie wollen warnen, um anderen die Erfahrung mit der Teppich-Reinigung zu ersparen.

"Ich wurde überrumpelt"

Bei Maria Schortemeyer fing alles mit einem Rotweinflecken auf dem teuren und gerade mal ein Jahr alten Kaschmir-Teppich an. Sie suchte Fachfirmen im Internet heraus und wollte Kostenvoranschläge sammeln. Doch schon der erste Gesprächspartner am Telefon „kam sehr schnell vorbei und redete so auf mich ein, dass er den Teppich mit seinen Worten bereits zusammengefaltet hatte“, beschreibt die 79-Jährige.

Obwohl sie um ein Angebot bat, unterschrieb sie gleich den Auftrag für 1000 Euro. Dabei habe die Firma mit einem Preis ab 8,90 Euro pro Quadratmeter geworben - wie in Bochum. Das wären für Maria Schortemeyer rund 80 Euro gewesen. Nun lautete das erste Angebot gleich: 1500. Als die 79-Jährige ablehnte, fiel der Preis sofort um 500 Euro. „Ich wurde überrumpelt, weil der Mann sagte, dass schnell was passieren müsse, sonst wäre mein Teppich nicht zu retten.“

14 Tage später bekam sie ihren Teppich zurück; weil sie nicht zufrieden war („Da waren noch Konturen des Flecks“) gab es ein Wortgefecht: „Ich wollte nicht bezahlen, sondern einen Gutachter beauftragen“. Stattdessen hätten drei Männer der Firma den Teppich wieder mitgenommen. Nach weiteren zwei Wochen erhielt sie ihn zurück: „Es hieß, der Betrieb macht drei Monate Urlaub, wenn ich jetzt nicht zahle, müsste der Teppich in ein Lager, für das ich zusätzlich zahlen muss“, sagt die Huttroperin. Sie zahlte. „Ich hatte Panik, dass mein Teppich zerstört wird“, sagt sie.

Keine Stellungnahme vom Firmeninhaber

Gleichzeitig schaltete sie einen Anwalt ein. Der hat nun den Firmeninhaber angeschrieben mit der „vorsichtigen Formulierung“, dass der Vertrag unter „merkwürdigen Umständen“ zustande gekommen sei: „Sie haben sich um mindestens 800 Euro ungerechtfertigt bereichert“, heißt es weiter. Denn inzwischen liegt Maria Schortemeyer der Preis eines Gutachters aus der Branche vor. Demnach hätte die Arbeit bis zu rund 200 Euro kosten dürfen. Eine Stellungnahme wollte der Firmeninhaber nicht abgeben.

Der Anwalt von Maria Schortemeyer hat jetzt Klage beim Amtsgericht eingereicht, sie warten auf Antwort. 1000 Euro fordert der Jurist wegen wucherischen Werklohns. Die Huttroperin ist guter Dinge: „Ich verpacke einiges und vor allem will ich Gerechtigkeit“, sagt sie. Was sie hoffen lässt: Das Amtsgericht in Bochum hat die Klage inzwischen zugelassen. Das Verfahren ist am 19. September.

Der Redakteur, der über den Bochumer Fall berichtete, erhielt bis heute Rückmeldungen von gut zwei Dutzend Betroffenen aus dem gesamten Ruhrgebiet: Auch sie haben Teppiche reinigen lassen, auch sie sollten jeweils vierstellige Beträge pro Teppich zahlen.

Wer ähnliche Rechnungen für eine Teppich-Reinigung bekommen hat, kann sich bei der WAZ melden: redaktion.essen@waz.de (Betreff: Teppich-Reinigung)

Dominika Sagan

Kommentare
13.05.2014
18:21
1000 Euro für eine Teppich-Reinigung - Essenerin fühlt sich abgezockt
von merryme | #10

Es ist immer wunderlich wie einige Leute auf sowas reinfallen. Offensichtlich haben Sie entweder sehr viel Geld oder sind sehr leichtgläubig. Mit dem...
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1000 Euro für eine Teppich-Reinigung - Essenerin fühlt sich abgezockt
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http://www.derwesten.de/staedte/essen/1000-euro-fuer-eine-teppich-reinigung-essenerin-fuehlt-sich-abgezockt-id7038825.html
2012-08-30 08:00
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