Zwei Leute vor Polizisten verprügelt

Schwelm..  Das traurige Wort „Ehrenmord“ machte in den vergangenen Jahren immer wieder Schlagzeilen. Andere Kulturen haben manchmal andere familiäre Einstellungen, die sich mit der hiesigen Rechtsprechung aber oftmals nicht vereinbaren lassen. Wieder einmal ging es vor Justitia um die Frage der Ehre. Diesmal wegen zweifacher Körperverletzung vor dem Schwelmer Strafgericht. Angeklagt war in diesem Fall ein in der Kreisstadt lebender türkischer Mitbürger.

Am 12. Oktober vergangenen Jahres schellte es bei ihm früh morgens gegen 7.30 Uhr an der Haustür. Völlig aufgelöst stand dort der Lebensgefährte seiner jüngeren Schwester. „Ein anderer Mann ist bei Deiner Schwester, hilf mir“, hieß es von dem vermeintlich Gehörnten.

Das ließ sich der 28-Jährige von dem Lebensgefährten seiner Schwester nicht zweimal sagen; gemeinsam fuhren die beiden in die Sedanstraße zur Wohnung der jungen Frau. Dort wartete schon die Polizei, weil der Freund bereits einmal der Örtlichkeit verwiesen worden war. Ihr Bruder ließ sich von den Beamten allerdings nicht aufhalten und stürmte ins Haus.

1800 Euro Geldstrafe für Schläger

Er stellte den Besucher seiner Schwester schließlich auf dem Dachboden des Mehrfamilienhauses und versetzte ihm einen derartigen Kopfstoß, dass jener einen Nasenbeinbeinbruch erlitt. Danach beruhigte sich der junge Mann allerdings immer noch nicht, stürmte stattdessen daraufhin wütend und schimpfend die Treppe wieder herunter und schlug unten angekommen seiner Schwester vor den Augen von drei Polizeibeamten brutal ins Gesicht, bevor diese den tobenden 28-Jährigen schließlich mit geballter Kraft überwältigen konnten.

Vor Gericht gab der 28-Jährige die Taten im Grunde zu. Warum er so gehandelt habe, wollte Strafrichter Bastian Cardue wissen. Antwort: „Wenn sie fremden männlichen Besuch hat, dann sollte sie mir den zumindest vorher vorstellen. Das gehört sich so. Zumindest bei uns.“ Cardue: „Was meinen Sie mit bei uns, hier in Schwelm?“, folgte die süffisante Nachfrage des Vorsitzenden.

Erst danach wurde der Angeklagte zahm und entschuldigte sich für sein Vorgehen. „Ich habe wohl unnötig überreagiert.“

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft verurteilte ihn das Gericht letztlich rechtskräftig zu 1800 Euro Geldstrafe.