Zusammenarbeit mit ZOF war für Ennepetal ein Glücksgriff

Zogen Bilanz: (von links) Nicolae Davidoaia (ZOF), Marco Heimhardt (Stadtbetriebe), Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen, Stephan Langhard (Fachbereich II), Jennifer Waldeyer (Schulamt), Eduard Pusic (ZOF), Michael Schmidt (stellv. FB-Leiter Jugend und Soziales) Anke Velten-Franke (Bürgermeisterbüro), Hans-Georg Heller (FB-Leiter Jugend und Soziales) und Stadtsprecher Hans-Günther Adrian.
Zogen Bilanz: (von links) Nicolae Davidoaia (ZOF), Marco Heimhardt (Stadtbetriebe), Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen, Stephan Langhard (Fachbereich II), Jennifer Waldeyer (Schulamt), Eduard Pusic (ZOF), Michael Schmidt (stellv. FB-Leiter Jugend und Soziales) Anke Velten-Franke (Bürgermeisterbüro), Hans-Georg Heller (FB-Leiter Jugend und Soziales) und Stadtsprecher Hans-Günther Adrian.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Die Roma, die von Hasperbach nach Hagen gezogen sind, haben dort unbefristete Mietverträge und vereinzelt auch 450-Euro-Jobs bekommen. Soweit das zu beurteilen sei, handelt es sich dort um seriöse Vermieter.

Ennepetal.. Diese gute Nachricht übermittelte am Dienstag im Ennepetaler Rathaus Eduard Pusic vom Verein Zukunftsorientierte Förderung. Dort traf sich die verwaltungsinterne Arbeitsgruppe, die vergangenes Jahr nach Ankunft der Roma-Familien aus Duisburg gegründet wurde, ein letztes Mal, um eine Bilanz zu ziehen.

Dass die eher positiv als negativ ausfiel, verwundert nicht. Ist es der Arbeitsgruppe im Frühjahr 2014 schließlich innerhalb kürzester Zeit gelungen, fachbereichs-übergreifend und auf kurzen Dienstwegen Strukturen zu schaffen, die dafür sorgten, dass der Zuzug der Roma-Familien in Hasperbach niemals zu einem Brennpunkt-Thema wurde. Ganz allein, das betonten alle, war das nicht zu schaffen.

Der Runde Tisch mit den ihm angeschlossenen Institutionen wie Kirchen, Kinderschutzbund und Tafel, aber auch das Engagement einzelner – Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen hob SPD-Fraktionschef Volker Rauleff hervor – hatten für ein Klima gesorgt, das eine sachliche Auseinandersetzung mit der Aufgabe ermöglichte. Aus diesem Grund auch wird die bewährte Arbeit in der Verwaltung mit dem Wegzug der letzten Roma-Familie nicht eingestellt, sondern fortgeführt im Bereich der Flüchtlingsarbeit.

Zwei Häuser sehen verheerend aus

Soweit bekannt sind von einst 119 Roma zwischenzeitlich 60 nach Hagen gezogen. Die anderen zurück nach Duisburg bzw. nach Gelsenkirchen und Herne. In Hasperbach wohnt aktuell noch eine Familie mit neun Personen. Sie wollte eigentlich schon nach Hagen umgezogen sein und wird es – wie zu hören war – diese Woche tun.

Für die Verwaltung ist das Roma-Kapitel damit nicht zu Ende. Sie hat noch keine Rückmeldungen auf die Ordnungsverfügungen bekommen, die sie an die Vermieter schickte. Die Stadt will sich von ihnen Geld wieder holen, was sie für Heizöl und Wasser vorstrecken musste, als Kindswohlgefährdung drohte. Die Vermieter kamen, wie berichtet, ihren Pflichten nicht nach und hatten sich weder um Öl noch um Wasserrechnungen gekümmert.

Ordnungsamt zum Handeln gezwungen

Dabei wird es nicht bleiben. Zwei Häuser sollen derart vermüllt sein, dass sich das Ordnungsamt zum Handeln gezwungen sieht. Die Stadtbetriebe werden sie entmüllen und die erbrachte Leistung in Rechnung stellen. Für Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen ist das übrigens eine Frage des Prinzips, auch wenn er selbst Zweifel hat, dass das ohne Rechtsstreit über die Bühne geht – auch dies eine Erfahrung der Stadt aus den vergangenen Monaten. Die Vertreter der Arbeitsgruppe übten bei ihrer Bilanz keine Schönmalerei. Bei den Mietshäusern hätte es sich nicht um Schrottimmobilien gehandelt. Zwei Gebäude würden nach dem Auszug der Roma verheerend aussehen.

Zu hören war auch, dass schon die Vormieter der Roma ähnlichen Ärger mit den Vermietern hatten. Die Sprache war von leeren Öltanks, wie bei den Roma, und von fehlender Beleuchtung. Was die Vermieter nun mit ihren Immobilien vorhaben, darüber liegen keine Erkenntnisse vor.

In Kontakt mit der Stadt Hagen

Auch Hans-Georg Heller, Leiter des Fachbereiches Jugend und Soziales, zeichnete am Dienstag ein differenziertes Bild: „Unter den Roma gab es solche und solche“. Einige seien deutschlandweit gerichtsbekannt gewesen, die überwiegende Mehrheit allerdings nicht. Aus Sicht von Sozialarbeit sei ihr Wegzug bedauerlich. Bei ihnen sei erkennbar gewesen, dass Integration gelingen könnte. „Es ist schade, für sie hätten wir sicherlich mehr machen können“, so Heller.

Dies trifft vor allem auf die Kinder und Jugendlichen zu, die in Ennepetal beschult werden konnten. Aus diesem Grund auch ist die Stadt Ennepetal inzwischen auf die Stadt Hagen zugegangen, mit dem Angebot, sie weiter in der hier für sie geschaffenen Auffangklasse zu beschulen. Die Beförderung sollte für Hagen eigentlich nicht das Problem sein, ist Bürgermeister Wiggenhagen überzeugt.

Sprachkenntnisse Schlüssel zu den Menschen

Wenn man anderen Städten so etwas wie ein Ratschlag geben könnte, dann vor allem den, sich von Anfang an um die Roma zu kümmern. „Zu versuchen, es auszusitzen, ist definitiv falsch“, hatte dazu früher schon mal Sozialarbeiter Eduard Pusic gesagt.

Die Zusammenarbeit mit ZOF, die zum 31. Januar beendet wird, war für Ennepetal ein Glücksgriff, so Wilhelm Wiggenhagen. Deren rumänische Sprachkenntnisse seien der Schlüssel zu den Menschen gewesen.

70.000 bis 90.000 Euro Ausgaben

Erstmal bezifferte die Stadt am Dienstag die Ausgaben, die der Roma-Zuzug und die Umstände verursachten. Von 70 000 bis 90 000 Euro ist die Rede. 14.000 Euro davon stellte das Land für die Finanzierung von drei Integrationslotsen zur Verfügung. Deren Arbeit wird nun ebenso eingestellt wie der Busfahrdienst für die Roma-Schüler. Der Mietvertrag für das ZOF-Büro und die Unterkunft der Kinderbetreuung läuft Ende Februar aus.

Für alles, was für sie getan wurde, würden die Roma den Ennepetalern sehr dankbar sein. Das erklärte ZOF-Mitarbeiter Nicolae Davidoaia, der mit den Familien noch in Kontakt steht und dies ausdrücklich übermittel sollte.