Zimmerer-Nationalmannschaft bei Spax

Die Nationalmannschaft der Zimmerer ist zu Gast in Gevelsberg, Sie demonstriert ihre Künste im Spax-Ausbildungszentrum.
Die Nationalmannschaft der Zimmerer ist zu Gast in Gevelsberg, Sie demonstriert ihre Künste im Spax-Ausbildungszentrum.
Foto: Christian Werth

Gevelsberg..  Die Auszubildenden staunten nicht schlecht, was aus Holz nicht alles anzufertigen ist und wie präzise man handwerken kann. Schließlich war die Nationalmannschaft der Zimmerer zu Gast in Gevelsberg und machte Werbung für ihren Beruf. Die Spitzen-Zimmerer absolvieren zurzeit ein dreiwöchiges Trainingslager in den Räumlichkeiten des Spax-Ausbildungszentrums.

Beste Gesellen der Welt gesucht

Die fünf jungen Männer, darunter der 22-jährige Europameister Simon Rehm aus Hilpotstein in Bayern, stehen in Vorbereitung auf die World-Skills. Hierbei werden im August im brasilianischen Sao Paulo in 50 Berufen die besten Gesellen der Welt gesucht werden und darunter auch die Zimmerer-Weltmeisterschaften ausgetragen.

In einem teaminternen Wettbewerb gilt es bis zum Ende des Wochenendes für jeden Handwerker, einen Holzpavillion entstehen zu lassen, der anschließend der Firma Spax zur Verfügung stehen soll. Große Augen konnten am Freitagnachmittag zum „Tag der offenen Tür“ nicht nur die 30 Auszubildenden von Spax machen, sondern auch rund 100 Zimmerer-Gesellen aus der Region.

So waren Nachwuchshandwerker aus Ennepetal, Witten und Wuppertal gekommen, um den Profis über die Schulter zu schauen. Millimetergenau sägten und hobelten die Perfektionisten, um möglichst hohe Maß- und Passgenauigkeiten zu erreichen. Schließlich wird dies im Wettbewerb bewertet. „Schon bei einer Abweichung ab einem Millimeter gibt es Punktabzug“, erklärt Nationaltrainer Roland Bernardi und ergänzt, dass es insgesamt 40 Jurymessungen gebe. „Neben der handwerklichen Ausarbeitung geht es in unserem Sport darum, ganz genau vorzuzeichnen und vorab seinen Arbeitsplatz zu planen. Außerdem fließt der Gesamteindruck in die Wertung ein“, nennt der Saarländer weitere Bewertungskriterien.

Bei der anstehenden WM dürfen auch Maschinen benutzt werden. „Der Umgang mit den Maschinen erfordert ebenfalls höchste Präzisionsarbeit, wobei die vielen filigranen Arbeitsschritte überwiegend reine Handarbeit erfordern“, weiß Bernardi. Bei den Welttitelkämpfen, die auf das Teilnahmealter von 23 Jahren beschränkt sind, wird man auf Gegner aus 60 verschiedenen Ländern treffen. Hier gilt es an vier Tagen nach insgesamt 22 Arbeitsstunden, ein bestimmtes Holzkonstrukt zu erstellen. „Ich hab einen 15-jährigen Koreaner erlebt, der so präzise sägen konnte wie es eigentlich nur mit einer Maschine möglich ist“, spricht der Coach die starke Konkurrenz an, die den Sport im Gegensatz zur deutschen Delegation zum Teil professionell ausübt und sogar mit staatlichen Mitteln gefördert wird.

Ziel der deutschen Zimmerer ist es, erneut eine Mannschaftsmedaille zu holen; so wie vor zwei Jahren in London, als Bronze heraussprang. Obwohl die 19 bis 22 Jahre alten deutschen „Athleten“ sogar mit Autogrammkarten aufwarten, sind sie allesamt als Gesellen in einem Zimmerei-Betrieb tätig und betreiben ihren Sport nur nebenher.

Öffentliche Trainingspräsentationen in ganz Deutschland gehören dazu und ziehen die begabten Nachwuchszimmerer auf Handwerksmessen oder zu Besuchen der 15 in Bau- und Handwerk angesiedelten Sponsoren.

Selbstbewusstsein steigern

Einer dieser so genannten Leistungspartner ist eben Spax. Das Unternehmen unterstützt die Nationalmannschaft finanziell und dient der Zimmererinnung als Zulieferer von Schrauben. „Für uns ist Ausbildung sehr wichtig. Wir unterstützen die Nationalmannschaft, weil wir immer ein offenes Ohr für junge Leute haben und daran interessiert sind, dass sie weiterkommen“, erklärt Helmut Stoll, Produkt-Manager Holzbau, und bezeichnet das Nationalteam als „tolles Aushängeschild für die Leistungsfähigkeit des Handwerks“. Daher habe man auch bewusst Auszubildende eingeladen, um darauf hinzuweisen, wie viel Spaß Handwerk machen kann, ergänzt der Holzfachmann, der Anfang der 90er Jahre selbst Mitglied des Zimmerer-Nationalteams gewesen ist und es sogar zum Vize-Weltmeister gebracht hat. „Es geht darum, Lust auf den Zimmerer-Beruf zu machen und das Selbstbewusstsein der jungen Leute zu steigern. Deshalb sehen wir uns auch als Botschafter“, erklärt Holzbau-Vertreterin und Nationalmannschafts-Pressereferentin Swantje Küttner und hebt hervor, dass die Ausbildungszahlen im Zimmerer-Handwerk nach wie vor ansteigend seien.