Wunsch nach einem Ort der Begegnung

Der Runde Tisch Flüchtlinge tagte im Mehrgenerationenhaus.
Der Runde Tisch Flüchtlinge tagte im Mehrgenerationenhaus.
Foto: WP

Ennepetal..  Einen Ort der Begegnung, an dem sich in der Stadt lebende Flüchtlinge und Ennepetaler Bürger kennen lernen können und an dem Hilfe im persönlichen Kontakt vermittelt werden kann, wünscht sich der Runde Tisch Flüchtlinge. Das wurde beim zweiten Treffen des Gremiums deutlich, zu dem alle in der Flüchtlingshilfe aktiven Einrichtungen, Vereine und Verbände eingeladen sind.

Anke Velten-Franke, Referentin des Bürgermeisters und Koordinatorin des Runden Tischs, kündigte an, dass sich die Stadt um einen solchen Ort kümmern werde. Es soll auch eine Anlaufstelle im Internet geschaffen werden, bei der Hilfsangebote und -gesuche der verschiedenen Akteure auf möglichst einfache Weise zusammengeführt werden können. Eventuell sei es möglich, das Mehrgenerationenhaus etwas auszuweiten und die ehemaligen Räume des Tanzclubs einzubeziehen, um ein Café oder ähnliches einzurichten, erklärte Hans-Georg Heller, Leiter des Fachbereichs Jugend und Soziales. Hierzu werde es in Kürze Gespräche geben.

Schon zahlreiche Helfer geschult

Beim jüngsten Treffen im Mehrgenerationenhaus, zu dem Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen auch der heimische Landtagsabgeordnete Hubertus Kramer (SPD) sowie die Referenten der Bundestagsabgeordneten Cemile Giousouf (CDU) und René Röspel (SPD) begrüßte, stellten die Einrichtungen ihre Arbeit und ihre Planungen vor:

Der Kinderschutzbund bildete bereits 30 ehrenamtliche Flüchtlingshelfer aus. Bei der VHS konnte dank einer Spende ein Sprachkursus gebucht werden. Zudem gibt es Betreuungsangebote in der städtischen Unterkunft an der Heimstraße. „Wir haben jetzt auch unsere Fühler nach Hasperbach ausgestreckt“, erklärte Petra Backhoff vom Vorstand des Kinderschutzbundes. Dort sind gerade die ersten Flüchtlinge in zwei von der Stadt angemietete Häuser eingezogen.

Denke konstruktiv mitgestalten

Die Initiative Ökumene 2017 bietet Unterstützung in Einzelfällen an und steht beispielsweise für Fahrdienste bereit. Für besonders wichtig hält der Vorsitzende Bruno Hessel, „die Denke konstruktiv mitzugestalten.“ Es gebe Menschen, die sagen, dass das Boot voll sei. Er halte dem entgegen, dass man möglichst viele Bürger mit ins Boot holen solle, um das gegenseitige Kennenlernen zu ermöglichen. „Leute, die keine Ausländer kennen, haben Angst davor“, so Hessel, der daher ein „Café International“, eben einen Ort der Begegnung, befürwortet.

Die Evangelische Kirchengemeinde Voerde will ihre Mitglieder aufrufen, Flüchtlingspate, -helfer oder ähnliches zu werden und entsprechende Schulungen bezahlen.

Der Tafelladen in Voerde helfe im Kleinen, sagte Rolf Bärenfänger. „Wir arbeiten daran, die Begegnungs- und Beziehungskultur auszubauen.“

Die Katholische Gemeinde Herz Jesu hat einen Arbeitskreis Flüchtlinge gegründet. Mitglied Ursula Schmutz wies auf ein Problem bei der Beschulung hin: Weil Haupt- und Realschule auslaufen und es keine 5. und 6. Klasse mehr gibt, die Sekundarschule aber voll belegt ist, fehlen Plätze für Kinder dieser Altersstufe. Dieses Problem betrifft im Übrigen alle Familien in Ennepetal. Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen erklärte, dass man Gespräche über eine Erweiterung der Sekundarschule auf vier Züge führe.

Sabine Görke-Becker von der AWo EN erläuterte, dass sich ihre Institution um die Integration von Flüchtlingen auf dem Arbeitsmarkt gekümmert habe. Doch trotz großer Erfolge müsse die Arbeit zum 30. Juni mangels Förderung wohl beendet werden. Zudem bietet die AWo eine Flüchtlingsberatung und über den Jugendmigrationsdienst Kurse an.

Die Diakonie bildete ebenfalls Paten aus.

Der Kreissportbund vermittelt Flüchtlinge in Sportvereine und bietet beispielsweise auch Unterstützung bei der Anschaffung von Sportmaterialien an.

INFO:

Der Runde Tisch Flüchtlinge knüpft an den Runden Tisch Roma an, den die Stadt 2014 im Zusammenhang mit den in großer Zahl nach Hasperbach gezogenen Roma-Familien ins Leben gerufen hatte, um den damit verbundenen Herausforderungen auf einer möglichst breiten Basis von Mitwirkenden zu begegnen.

Nachdem die Roma Ennepetal mittlerweile wieder verlassen haben, verständigten sich die Beteiligten darauf, die Initiative fortzuführen und sich um die in immer größerer Zahl ankommender Flüchtlinge zu kümmern.

Aktuell leben in Ennepetal 192 Flüchtlinge. Damit hat sich die Zahl innerhalb von knapp zwei Jahren verdoppelt. „In diesem Jahr haben wir schon mehr als 50 Flüchtlinge zugewiesen bekommen“, erklärt Sozialamtsleiter Michael Schmidt.