Wohltuender Theaterabend mit leisen Tönen

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Ennepetal..  „Halpern & Johnson“, das Schauspiel von Lionel Goldstein (Deutsch von Ulrike Syha) erobert schon seit Jahren die Bühnen der Welt. Am Samstag war es im Rahmen des städtischen Kulturprogramms in der Aula des Reichenbach-Gymnasiums zu sehen. In dem Zwei-Mann-Stück blitzte nicht einmal eine Sekunde Langeweile auf. Klaus Mikoleit als Joseph Halpern und Friedhelm Ptok als Dennis Johnson - beide bekannt von großen Schauspielhäusern, selbstverständlich auch aus Film und Fernsehen - werden für dieses Schauspiel als Idealbesetzung bezeichnet. Und wer die Männer auf der Bühne erlebt hat, der wird diese künstlerische Einordnung unterstreichen.

Zwei-Mann-Inszenierung

Es begann mit einer ungewöhnlichen Szene: Halpern steht am noch frischen Grab seiner Frau und trauert. Da nähert sich Johnson mit Blumen in der Hand. Zaghaft kommen die beiden ins Gespräch, reden noch zurückhaltend über dieselbe Frau, die nun unter der Erde ruht. Aber schon gehen dem Ehemann Gedanken durch den Kopf. „Hat seine Flora ein Doppelleben geführt?“

Nach einer Trauerzeit treffen sich die Männer auf einer Parkbank wieder. Johnson hatte Speisen und Getränke mitgebracht, genau die, die Halpern so mag. Woher wusste er das?

Nach vielen Gesprächen, auch mit emotionalen Ausbrüchen des Witwers, kam es heraus: Halpers Frau war schon über 50 Jahre mit Johnson befreundet. Sie hatten sich zunächst geliebt, sie heiratete aber Halpern und auch Johnson ging eine Ehe ein. Dennoch: Flora, die eigentlich Florenz hieß, und Johnson blieben Freunde, platonisch, wie es Johnson dem Witwer immer wieder deutlich zu machen versucht. Man habe bei den regelmäßigen Treffen immer voller Hochachtung über Halpern gesprochen.

Die Inszenierung von Felix Prader ließ die Schauspieler Stimmungen ausloten, Charaktere ausleuchten. Manchmal war es sogar amüsant zu sehen, wie die beide älteren Herren in die Vergangenheit blickten, einfühlsam und nuanciert gespielt. Es ging um Wahrnehmungen, um Liebe und Glück, um Geheimnisse und auch um Probleme im ehelichen Leben. Bald ahnt der vom Bühnengeschehen gebannte Zuschauer, dass die beiden Männer sich gedanklich näher kommen. So sagte Johnson zu Halpern: „Vielleicht kannten Sie ja nur eine Seite von ihr. Das ist in Beziehungen manchmal so.“ Nachdenklichkeit setzt ein, gewinnt die Oberhand. Was war das für ein Bild, als Halpern und Johnson wieder am Grab standen, untergehakt und gemeinsam trauernd.

Viel Beifall

Eine Menge Beifall gab es für Klaus Mikoleit und Friedhelm Ptok. Er beinhaltete wohl auch Anerkennung für Felix Praders Regieleistung. Wohl für alle, die trotz verschneiter Straßen in die Reichenbach-Aula kamen, war es ein wohltuender Theaterabend.