Wo die Eltern ins Plaudern geraten dürfen

Gevelsberg..  Der Tisch ist reich gedeckt mit den leckersten Dingen, die man sich zum Frühstück vorstellen kann. Kaffee- und Teedüfte ziehen durch den Raum. Geschirr klappert, doch das wird von den angeregten Unterhaltungen der Frauen deutlich übertönt. Dazwischen spielen Kinder. Auf den ersten Blick eine Frühstücksrunde unter Frauen, wie sie überall auf der Welt stattfindet. Doch wer sich mit den Damen unterhält, merkt schnell, dass hier etwas Außergewöhnliches läuft – derart besonders, dass das Kuratorium der Hans-Grünewald-Stiftung das Elterncafé für Förderungswürdig erachtete und finanziell unterstützt. Davon kündet nun auch eine Plakette am Eingang der Schule.

Geschichte begann eher zufällig

Dabei fing die ganze Geschichte eher zufällig an, wie sich Katja-Kirchhoff-Klamroth, die Leiterin des Elterncafés erinnert: „Einige Eltern haben sich, nachdem sie ihre Kinder zur Schule gebracht haben, immer noch lange vor der Tür unterhalten. Warum also sollten wir uns nicht auch dabei hinsetzen und in aller Ruhe über Dinge reden, die uns auf dem Herzen liegen?“ Gesagt, getan. Zweimal pro Monat sitzen nun mittwochs Frauen aus Marokko, Italien, Deutschland und der Türkei von 8 bis 9.30 Uhr zusammen und leben das, was Politik und Verwaltung Integration nennen – ganz nebenbei, ganz selbstverständlich.

Denn im Kern ist ihnen egal, woher die anderen Frauen kommen, sie haben sowieso alle ähnliche Sorgen. Was passiert, wenn Junior mit Läusen, Zecken und Co. nach Hause kommt? Wie ernähre ich meine Kinder richtig? Aber auch: Welche Beerdingungsrituale gibt es in den unterschiedlichen Kulturen? Mit Vorträgen, Veranstaltungen und – ganz wichtig – gegenseitigen Tipps füllen die Frauen ihr Elterncafé (auf einen Mann warten sie bisher vergeblich, die Herren sind aber stets willkommen) mit Leben.

Dengoul Zhor bringt den Kern der Sache auf den Punkt: „Wir sind aus Wuppertal nach Gevelsberg gezogen, nicht zuletzt durch das Elterncafé habe ich mich sofort wohlgefühlt, genauso wie mein Sohn hier sehr gern zur Schule geht.“ Fazit aller Frauen, die regelmäßig dort hingehen: „Wir haben von jedem einzelnen Treffen etwas für uns mitgenommen.“

Ein ganz wichtiger Grund für die Kuratoren der Hans-Grünewald-Stiftung, dem Elterncafé den Zuschlag zu gewähren. „Wir glauben, dass ein solch enges Zusammenspiel zwischen Schule, Kindern und Eltern erforderlich ist, denn es gehört zur Erziehung, dass die Eltern eingebunden werden. Die Lehrer können nicht alles allein leisten“, sagt Kurator Peter Erne, der gemeinsam mit Peter Gerd Westermann das Eltercafé besuchte und die Plakette übergab.

Auch Bürgermeister Claus Jacobi war zugegen und machte deutlich warum ausgerechnet an der Schnellmark dieses Café so wertvoll ist: „Die Grundschule liegt traditionell inmitten eines sehr starken Migrationsgebiets mit etlichen Problemstellungen. Diese stabile Grundschule trägt unglaublich viel dazu bei, dass ein so vorbildlicher Austausch unabhängig aller kultureller Unterschiede stattfindet.“ Dem pflichtet auch Fachbereichsleiter Michael Pfleging bei: „Diese Grundschule ist für den Stadtteil viel mehr als eine reine Bildungsanstalt.“

Da drängt sich den Kuratoren der Hans-Grünewald-Stiftung die nächste Frage förmlich auf: „Kann man ein solches Café nicht auch andernorts installieren?“ Können ja, das Geld muss nur bereitgestellt werden. Zumindest Schulsozialarbeiterin Katja Kirchhoff-Klamroth stünde parat: „Wenn ich gefragt werden, das auch am Vogelsang zu machen – gern!“ Vielleicht klappert dann ja auch bald an anderen Schulen das Geschirr und Mütter machen Integration – so ganz nebenbei, so ganz selbstverständlich.