WGS-Auflösung passt zur Situation des Handels

WGS. Beim Lesen der Berichterstattung fiel mir spontan ein, dass die derzeitige Situation der WGS nur die zwangsläufige Folge der unzureichenden Schwelmer Einzelhandelslandschaft ist. Es wäre somit kein „Armutszeugnis”, wenn die Werbegemeinschaft Schwelm (WGS) sich auflösen würde, die Einzelhandelslandschaft in Schwelm ist bereits das größte Armutszeugnis.


Es gibt dort nichts, was einem ein Einkaufserlebnis verspricht, noch ist das Warenangebot besonders, es schrumpft sogar von Jahr zu Jahr. Es hat mal jemand gesagt: In Schwelm bekommt man nur das, was anderswo nicht verkauft werden kann. Meine selige Tante beklagte vor Jahrzehnten schon den Umstand, dass es im damals noch vorhandenen Kaufhof noch nicht einmal einen simplen Schrubber zu kaufen gäbe.


So haben wir derzeit noch nicht einmal mehr einen Drogeriemarkt in Schwelm, da an dem neu geplanten Geschäft scheinbar länger gebaut wird, als die Ägypter für die Pyramiden brauchten. Und die „funktionierende” Fußgängerzone bietet vor allem zweifelhaften Gestalten Raum, um Schach zu spielen oder zu jeder Tageszeit Alkohol zu konsumieren. Ich finde diesen Anblick auf dem Märkischen Platz bei schönem Wetter regelrecht abstoßend, ich fühle mich unbehaglich und es lädt mich nicht gerade ein, die Fußgängerzone zu durchstreifen, um dann ggfs. einen Kaffee zu trinken bei einem der drei Niederlassungen ein und desselben Inhabers.


Schwelmer Einzelhandel, der zum Teil sogar über Mittag schließt, ist Langeweile pur, wo Schwelm doch so verkehrsgünstig liegt und die wahren Konsumtempel wie z.B. Ruhrpark und CentrO bzw. andere Metropolen wie Köln, Dortmund, Düsseldorf, etc. nicht gerade weit weg liegen. Die Schwelmer Konsumenten praktizieren das doch schon seit Jahren. Es ist die berühmte Katze, die sich in den Schwanz beißt. Aufgrund des Warenangebotes kaufen die Konsumenten woanders, und aufgrund des fehlenden Umsatzes schrumpft das Warenangebot weiter.


Daran ändern auch die verkaufsoffenen Sonntage nichts, die allenfalls dazu führen, dass die Stadt voll ist mit Leuten, die nicht konsumieren sondern sich unterhalten wollen und allenfalls einen Laib Brot bei einem der führenden Bäcker Schwelms kaufen möchten. Zusätzlicher Konsum wird hier nicht generiert. Auch die paar Tage Weihnachtsmarkt um Nikolaus herum sind ein Witz, nicht nur von der kurzen Dauer her sondern auch von dem notdürftig zusammengekratzten Warenangebot. Da sind uns andere Städte wahrlich voraus, warum also etwas nachmachen wollen, was andere viel besser können?


Betrachten wir die harten Fakten: Schwelm ist eine überalterte und was den Einzelhandel angeht sterbende Stadt. Warum sollte sich also die WGS, die sicher mal eine Berechtigung hatte, nicht diesen geänderten Umständen anpassen und sich auflösen? Warum Leichen zehnmal um den Friedhof tragen bevor man sie beerdigt? Eine typisch deutsche Attitüde!

Also, ich würde es kaum merken, gäbe es die WGS nicht mehr!

Olaf H. Möllenberg, Schwelm