Wenn die Stromsparerin klingelt

Gevelsberg..  Der Fernseher läuft, der Laptop auch, Festtagsbeleuchtung in der ganzen Wohnung, obwohl in den meisten Zimmern niemand ist. Petra Erfurt kennt das nur zu gut: „Ich war mal Stromkönig, habe 3500 Kilowattstunden pro Jahr verbraucht“, sagt sie. Da hatte die damals noch Langzeitarbeitslose mit Energiesparen noch nichts am Hut. Heute hat sie einen Job, der das massiv geändert hat: Als Stromsparhelferin des Caritasverbands besucht sie Hartz-IV-Empfänger, stattet die Wohnungen individuell aus und gibt Energieberatungen.

Werben für mehr Vertrauen

Petra Erfurt ist für den Caritas-Verband Hagen/Ennepe-Ruhr unterwegs. Das Projekt startete im Jahr 2008 in Hagen, ein Jahr später ging es auch im Ennepe-Ruhr-Kreis los. Die Sache ist denkbar einfach: Jeder, der aufgrund seiner Einkommenssituation dazu berechtigt ist, kann sich bei der Caritas melden. Die schickt dann einen Stromsparhelfer los – allesamt übrigens selbst ehemals Langzeitarbeitslose wie Petra Erfurt.

Sie betritt eine Wohnung, der geübte Blick schweift über die technischen Geräte, die Stromanschlüsse, die Leuchtmittel, im Kopf rattert es – Zahlen und Sparpotenziale sind zu ihrem täglichen Geschäft geworden und Möglichkeiten, zu sparen, entdeckt sie in jeder Wohnung. Standby-Geräte: 10 bis 30 Euro pro Jahr. Schaltbare Steckdosenleiste dran und das Thema ist erledigt. Ein alter Kühlschrank. Austauschen. LED statt Halogen. „Manchmal habe ich kinderreiche Familien, wo in mehreren hochtechnisierten Kinderzimmern den ganzen Tag über zahlreiche ungenutzte Geräte laufen, da ist richtig viel Geld rauszuholen“, sagt sie.

Im Durchschnitt bauen die Stromsparhelfer kostenlos Geräte für ungefähr 70 Euro ein, die sich ab dem ersten Tag rentieren. „Pro Haushalt sparen wir im Schnitt 162 Euro jährlich auf die Lebenszeit der Produkte gerechnet“, sagt Thomas Koslowski von der Caritas. Kaputte Geräte werden kostenlos ausgetauscht. Die Ersparnis bleibt zum größten Teil bei den Bewohnern, bei der Wasserersparnis – auch ein Punkt – profitieren aber die ganzen Hausgemeinschaften und die Kommunen, die die Nebenkosten bezahlen. Die größte Hürde sei es, an die potenziellen Kunden zu kommen, wie Koslowski verdeutlicht: „Es herrscht zunächst Skepsis, wenn jemand Fremdes in die Wohnung will und sagt: ,Ich schenke Dir für 70 Euro Geräte, damit Du Geld sparst.’“

Als sinnvoll und lobenswert bezeichnet AVU-Vorstand Uwe Träris die Aktion. „Für uns ist es selbstverständlich, dass wir nicht nur finanzielle Unterstützung leisten, sondern auch die Öffentlichkeitsarbeit vorantreiben.“ So soll es bleiben.