Wenn das Internet zur Sucht wird

Schwelm..  99 Prozent der 12- bis 19-Jährigen haben ein eigenes Smartphone, 91 Prozent mit Internet-Anschluss. Diese Fakten nannte die stellvertretende AWo-Bereichsleiterin Muna Hischma bei der mittlerweile dritten Fachtagung „Hinschauen, Gewalt verhindern und Opfer schützen“, zu der mehr als 80 Fach- und Leitungskräfte aus Schulen, Jugendhilfe, Kindertageseinrichtungen und Offener Ganztagsschule aus dem gesamten Ennepe-Ruhr-Kreis auf Einladung der AWO EN ins Schwelmer Ibach-Haus gekommen waren. „Wir sprechen nicht mehr miteinander, wir schicken uns nur noch Nachrichten“, stellte Bürgermeister Jochen Stobbe in seiner Begrüßung fest und fragte: „Wo sind die Ursachen?“ Auch darum ging es bei dieser Tagung.

Hischma hatte im Vorfeld viele Kooperationspartner nach ihren Themenwünschen befragt. Daraus sind drei Fachforen entstanden, die von ausgewiesenen Experten geleitet wurden. Jugendpsychiater Dr. Stefan Kimm analysierte, wann man den Internetkonsum von Kindern und Jugendlichen als Sucht bezeichnen und was man dagegen tun kann. Gordon Jensen vom NRW-Innenministerium und Hilal Simsek (Wegweiser Bochum) gingen der Frage nach, was extremistischen Salafismus für Jugendliche so attraktiv macht, und Prof. Holger Schmidt (FH Dortmund) erläuterte, wie Einrichtungen und Institutionen der Gewaltbereitschaft vorbeugen können.

Jochen Stobbe machte deutlich, dass es „Mobbing“ schon immer gegeben habe, „auch als es das Wort noch gar nicht gab.“ Da wurde man von einer überschaubaren Gruppe gehänselt und geärgert, suchte sich, wenn es gut ging, neue Freunde und der alte Ärger war bald vergessen. Heute gebe es keine Freunde mehr, sondern nur noch „Follower“. Um überhaupt noch beachtet zu werden, stellten die jungen Menschen „immer aberwitzigere Bilder“ von sich in die Soziale Netzwerke. „Am Ende zählen nur die zehn Sekunden Aufmerksamkeit, die so etwas erzeugt“, meinte Stobbe.

Auch 2016 wird es wieder einen n Fachtag geben. Themenwünsche können ab sofort genannt werden.