Vorwurf Drogenhandel im Internet

Seit einigen Jahren bereiten Designerdrogen den Fahndern Kopfzerbrechen.
Seit einigen Jahren bereiten Designerdrogen den Fahndern Kopfzerbrechen.
Foto: picture alliance / dpa

Ennepetal..  Wenn es nach der Staatsanwaltschaft geht, gab es in einem Ennepetaler Onlineshop für Chemiebedarf weitaus mehr zu kaufen als harmlose Substanzen für Hobbychemiker und Laborzubehör. Ein 38-jähriger Ennepetaler soll schwunghaften Handel mit Designerdrogen betrieben haben. Bei Hausdurchsuchungen fand die Polizei Drogen, die chemisch dem berauschenden Stoff in Cannabis nachgebaut waren. Gestern begann vor dem Hagener Landgericht der Prozess gegen den gelernten Lebensmitteltechniker.

Verbotenen Substanzen gleich pfundweise eingekauft

Warum der holländische Vertriebspartner ihm die in Deutschland verbotenen Substanzen geliefert hatte, konnte sich der 38-Jährige nicht erklären. Er soll besondere Mischungen eingekauft haben, die synthetische Cannabinoide enthielten, lautet nun der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Wissenschaftler nehmen an, dass diese künstlich im Labor nachgebauten Varianten des berauschenden Stoffes in Cannabispflanzen noch stärker wirkt als das Original.

In Deutschland bewegen sich die meisten dieser „Kräutermischungen“ am Rande der Legalität oder fallen bereits unter das Betäubungsmittelgesetz. Der 38-Jährige soll zwischen August 2012 und Juni 2013 die verbotenen Substanzen an zahlreiche Kunden in ganz Deutschland über seinen Internetshop verkauft haben. Vorher, so wirft ihm die Anklage vor, hat er die fraglichen Substanzen bei einem holländischen Unternehmen gleich pfundweise eingekauft. Insgesamt 13.600 Euro soll der Ennepetaler dafür ausgegeben haben.

Sein Verteidiger gab eine Erklärung ab, in der er die Vorwürfe gegen den Ennepetaler zurückwies. Der bisher unbescholtene Mann habe nie etwas mit Drogen zu tun gehabt. „Mein Mandant ist jemand, der nie in irgendeiner Form der Drogenszene verhaftet war.“ Der Angeklagte sei ein seriöser Geschäftsmann. Die Firma, die der Angeklagte von einem Bekannten übernommen hatte, handelte nur mit erlaubten Labormitteln und Chemikalien sowie LED-Design, versicherte die Verteidigung für ihren Mandanten.

Probe aus der Wohnung war synthetisches Cannabinoid

Dass sich eine mit dem Namen einer harmloseren Chemikalie versehene Probe aus der Wohnung des Mannes als ein synthetisches Cannabinoid herausstellte, als Chemiker des Landeskriminalamtes sie untersuchten, erklärte der Verteidiger so: „Er hat nie versucht, an ein synthetisches Cannabinoid zu kommen, sondern einen ähnlich klingenden Stoff von der niederländischen Firma bestellt. Er wollte diese Produkte nicht und wusste auch nichts davon!“ Als Beweise legten Angeklagter und Verteidiger Dokumente über die Bestellvorgänge vor und bemühten sich um Transparenz.

Dennoch: Als der 38-Jährige selbst zu den Chemikalien befragt wurde, konnte er kaum konkrete Angaben machen. Eine Bedarfs- und Kundenanalyse hatte der Angeklagte nie gemacht. Auch schien durch, dass er kaum kontrolliert hatte, mit welchen Substanzen er es wirklich zu tun hatte. Gute Angebote seien ihm wichtig gewesen. Bei den Fragen nach dem Einkauf berief er sich daher auf seinen Produktmanager, den Freund, von dem er den Shop für 450 000 Euro übernommen hatte. „Wie? Sie hätten also auch Mondasche gekauft, wenn es die im Angebot gegeben und Ihr Produktmanager Ihnen das geraten hätte?“, fragte der vorsitzende Richter fassungslos. Der Angeklagte lächelte betreten.

Mittlerweile liegt eine Untersagungsverfügung des Landrats des Ennepe-Ruhr-Kreises vor, die dem Ennepetaler verbietet, Handel mit bestimmten Stoffen und Chemikalien zu treiben.