Vorschläge für Zukunft des Bahnhofsgebäudes

Wie soll es mit dem Bahnhofsgebäude weitergehen? Die Verwaltung hat der Politik vier Alternativen zur Beratung vorgelegt.
Wie soll es mit dem Bahnhofsgebäude weitergehen? Die Verwaltung hat der Politik vier Alternativen zur Beratung vorgelegt.
Foto: WP

Ennepetal..  Die Stadtverwaltung hat für die Zukunft des denkmalgeschützten Ennepetaler Bahnhofgebäudes vier theoretisch mögliche Alternativen erarbeitet. Von einer Sanierung mit Fördermitteln des Landes bis zu einem – allerdings kaum denkbaren – Abriss reicht dabei die Bandbreite der vorgelegten Möglichkeiten. Von Seiten des Fördervereins Denkmal Bahnhof Ennepetal wird favorisiert, eine Sanierung des Gebäudes vorzunehmen, ohne auf eine Förderung angewiesen zu sein.

Die Stadt hatte das denkmalgeschützte Gebäude vor fünf Jahren erworben. Ziel war es, den Bahnhof dauerhaft zu erhalten und mit Leben füllen. Zu diesem Zweck war zugleich der Förderverein Denkmal Bahnhof gegründet worden. Nachdem die Bemühungen um eine nachhaltige Nutzung des Gebäudes ins Stocken geraten waren, hatte der Stadtrat im vergangenen September die Verwaltung den beauftragt, gemeinsam mit dem Förderverein Gespräche zu führen, ob und wie der Bahnhof unter Einbeziehung von Fördermitteln des Landes sowie ohne öffentliche Förderung möglich ist. Folgende Alternativen hat die Verwaltung nun der Politik vorgelegt.

A: Sanierung unter Förderbedingungen

Grundsätzlich bestehe die Möglichkeit, über das Programm „Initiative ergreifen“ Städtebauföderungsmittel des Landes zu erhalten, so die Verwaltung. Seit 2011 arbeite der Förderverein mit einem vom Land finanzierten Büro an der Erarbeitung eines Konzepts, das in einem Förderantrag münden soll. Voraussetzung ist bürgerschaftliches Engagement. 2014 sei zusätzlich von Vertretern des NRW-Städtebauministeriums herausgehoben worden, dass der Bahnhof eine bevorzugte Stellung im Integrierten Handlungskonzept der Stadt haben müsse. Nach wie vor ist der Verwaltung zufolge das Planungsbüro vom Land beauftragt, das Projekt zu begleiten und zu qualifizieren. Sollte im Herbst dieses Jahres eine detaillierte Planung vorliegen, könnte eine eventuelle Förderung frühestens Ende 2016 möglich sein. Dieser Zeitplan sei aber sehr ambitioniert, so die Verwaltung. Im Falle einer Förderung mit Landesmitteln wäre eine Nutzung eingeschränkt, weil kommerzielle Vermietungen nicht bezuschusst werden und derartige Flächen herauszurechnen wären.

Im Rahmen des bürgerschaftlichen Engagements ist geplant, ein Bildungsklassenzimmer (außerschulischer Lernort) einzurichten, soziale Projekte, Angebote der VHS und Veranstaltungen durchzuführen sowie gegebenenfalls ein Tourismusbüro anzusiedeln. Neben der Gastronomie ist auch eine Taxizentrale vorgesehen. Als Investitionsbedarf wurden Gesamtkosten von etwa 1,64 Millionen Euro ermittelt, wovon das Land 980 000 Euro (60 Prozent), der Förderverein 490 000 Euro (30 Prozent) und die Stadt 160 000 Euro (10 Prozent) tragen müsste. Architektenleistung in Höhe von etwa 300 000 Euro könnten auf den Anteil des Fördervereins angerechnet werden.

B: Sanierung ohne Förderung

In diesem Fall müsse sich nicht zwingend eine Betreiberinitiative bilden, so die Verwaltung. Es gehe ausschließlich um eine Vermietung, die kommerziell sein könne, vielleicht sogar sein müsse. Dadurch seien die Nutzungsmöglichkeiten – zum Beispiel Gaststätte/Diskothek, Übungsräume für Bands, Ateliers, Taxizentrale, Büroräume, gewerbliche Ausstellungsräume, gewerbliche Räume – wesentlich umfangreicher. Der Förderverein will auch in diesem Fall den Betrieb des Gebäudes übernehmen. Die Gesamtkosten werden für diese Variante auf 1,36 Millionen Euro beziffert.

Denkbar seien verschiedene Eigentums- und Betreibermodelle. So könnte die Stadt Eigentümerin bleiben, der Förderverein fungiere als Auftraggeber für die Sanierung und als Betreiber des Gebäudes. Möglich sei auch der Verkauf an einen privaten Investor sein, der nach der Sanierung zu vertraglich genau feszulegenden Bedingungen der Stadt beziehungsweise dem Förderverein das Gebäude überlässt. In diesem Fall sei eine Förderung aus Denkmalschutzmitteln möglich.

C: Keine Sanierung – Reparatur nach Bedarf

Falls auf eine grundlegende Sanierung verzichtet werde, so die Verwaltung, könne das Gebäude auf Dauer nicht genutzt werden. Es seien brandschutztechnische und bauordnungsrechtliche Voraussetzungen in den Obergeschossen nicht gegeben, zudem sei die Funktion der Heizungsanlage beeinträchtigt und die Wärmedämmung quasi nicht vorhanden. Um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten müssten nach aktuellem Stand etwa 560 000 Euro investiert werden.

D: Abbruch des Gebäudes

Diese Variante ist nach Einschätzung der Verwaltung kaum praktikabel. 1986 hatte die Stadt das Bahnhofsgebäude als Zeugnis der Industriegeschichte in die Denkmalliste eingetragen und sich in einem von der Deutschen Bahn angestrebten Planfeststellungsverfahren durch eine Resolution vehement gegen einen Abbruch ausgesprochen. 2010 kaufte die Stadt es dann. Wegen der gesetzlichen Verpflichtungen im Umgang mit einem Denkmal sei ein Verzicht auf Instandhaltung oder gar ein Abbruch aufgrund der Stellung der Stadt als Gebietskörperschaft laut Verwaltung höchstwahrscheinlich nicht durchsetzbar. Ein Abriss mit der Begründung einer fehlenden Wirtschaftlichkeit dürfte kaum in Frage kommen, weil die beiden erst genannten Alternativen diese als grundsätzlich darstellbar zeigen.

Fazit

Die beiden Alternativen für eine Sanierung würden das Bahnhofsgebäude in einen denkmalgerechten und gut vermietbaren Zustand bringen, so die Verwaltung. Zugleich würden die finanziellen Belastungen für die Stadt erheblich reduziert. Der Förderverein habe signalisiert, die Alternative B, eine Sanierung ohne Fördergelder, zu favorisieren, weil nicht feststehe, ob, wann und in welcher Höhe überhaupt Fördermittel fließen. Die Bereitschaft der Vereinsmitglieder, sich nach nunmehr fünf Jahren weiterhin „ins Blaue“ zu engagieren, sei nicht mehr vorhanden. Insofern biete es sich an, dass die Verwaltung weiter an der Umsetzung der Alternative B arbeitet, das Gebäude ohne Förderung zu sanieren.