Vor 27 Jahren einmal Pionierarbeit geleistet

Übergabe Pflegedienst Baumann Mull. vorne von links: Claudia Baumann (ehemalige Inhaberin und jettzt Angestellte), Mario Wolf (neuer Inhaber) und Ingrid Mull (ehemalige Inhaberin und jetzt in Rente).
Übergabe Pflegedienst Baumann Mull. vorne von links: Claudia Baumann (ehemalige Inhaberin und jettzt Angestellte), Mario Wolf (neuer Inhaber) und Ingrid Mull (ehemalige Inhaberin und jetzt in Rente).
Foto: WP

Gevelsberg..  Wenn Claudia Baumann heute das Büro in der Feldstraße 12 betritt, ist etwas anders als die 27 Jahre zuvor. Die Gevelsbergerin hat den Hut nun in ihrer Firma nicht mehr auf. 1987 gründete sie mit Ingrid Mull den gemeinsamen Häuslichen Pflegedienst. Nun haben die beiden Frauen ihre Firma verkauft. Während Ingrid Mull in den wohlverdienten Ruhestand geht, will Claudia Baumann unter dem neuen Chef noch ein paar Jahre arbeiten. Der ist auch kein Unbekannter in Gevelsberg: Mario Wolf leitete bisher die Diakoniestation in Gevelsberg.

Rückblick ins Jahr 1987: Die beiden jungen Mütter arbeiten als Kinderkrankenschwestern – Claudia Baumann im Schwelmer Verbandskrankenhaus, das heute das Helios-Klinikum ist, Ingrid Mull im Allgemeinen Krankenhaus in Hagen. „Wir sind privat schon lange gut befreundet gewesen und haben überlegt, wie wir Job und Familie besser unter einen Hut bekommen“, sagt Claudia Baumann. Die Idee, einen Kinderkrankenpflegedienst zu gründen, war geboren. „Dann haben wir einfach spontan losgelegt“, erinnert sich Ingrid Mull.

Damals gab es noch keine Angestellten, im privaten Wohnzimmer lief ein Anrufbeantworter, extra für die neue Selbstständigkeit schaffte Familie Baumann ein zweites Auto an. Die beiden Gevelsbergerinnen waren mit der Idee, kranke Kinder zu Hause zu pflegen, Pioniere. Das Radio wurde auf sie aufmerksam, das Fernsehen ebenso. Die Arbeit allerdings war mit der heutigen Zeit nicht vergleichbar. Die Gesetzeslage war eine vollkommen andere, Verträge mit den Krankenkassen waren noch nicht möglich. „Eine von uns ist früh rausgefahren, eine spät“, sagen die beiden, die eigentlich nur kranken Kindern helfen wollten.

Doch bald kamen die ersten Anfragen aus der Nachbarschaft, ob sich Claudia Baumann und Ingrid Mull nicht auch um Senioren kümmern könnten. Konnten sie, und das Geschäft wuchs. Bald fuhren die ersten Angestellten mit Baumann-Mull-Autos zu den Patienten, die Frauen mieteten ihr Büro an der Feldstraße an. Aus der Kinderkrankenpflege wurde der Häusliche Pflegedienst mit acht Angestellten – und ab heute neun, wenn Claudia Baumann ins zweite Glied rückt.

Betriebsübergang gut vorbereitet

Eineinhalb Jahre haben die Gespräche und die Vorbereitung zur Übergabe in Anspruch genommen. Aus gesundheitlichen Gründen wollte Ingrid Mull sowieso aufhören, der Gedanken, die Firma zu verkaufen, spukte schon länger in den Köpfen herum. Da traf es sich gut, dass Mario Wolf (44) bei der Diakonie nach 14 Jahren nicht mehr glücklich war. Er hatte parallel zum Vollzeit-Job Management im Gesundheitswesen studiert. Die avisierten Aussichten bei seinem bisherigen Arbeitgeber erfüllten sich jedoch nicht: „Ich habe Frau Baumann und Frau Mull dann angesprochen und so sind wir zusammengekommen.“

Wolf will den Betrieb im Sinne der beiden 59-Jährigen weiterführen. Denen war immer sehr daran gelegen, nicht zu stark zu wachsen. „Wir kennen alle Patienten persönlich und sind stets selbst herausgefahren“, sagen sie unisono. Besonders darauf freut sich nun auch Mario Wolf. „Zuletzt war ich fast ausschließlich im Büro. Ich freue mich darauf, auch mal wieder zu pflegen.“ Das kann er ab heute tun.