Von Youtube ließ er sich beflügeln
03.07.2012 | 18:30 Uhr 2012-07-03T18:30:00+0200
Ennepetal. „Für Elise“ spielt Thomas nahezu fehlerfrei. „Ich kann es besser, wenn ich mehr übe“, sagt der Zehnjährige. Doch zurzeit ist sein Keyboard defekt und so nutzt der junge Musiker das Klavier in der Aula der Grundschule Friedenstal. Das alles wäre eigentlich keine Besonderheit; doch Thomas Dick hat sich das Klavierspielen im Zeitraum eines halben Jahres selbst beigebracht – mit Hilfe der Internetplattform „Youtube“.
Erster Auftritt im Unterricht
Bis Weihnachten dachte der Grundschüler überhaupt nicht daran, ein Instrument zu erlernen. „Meine Großmutter schenkte mir dann ein Keyboard“, erzählt er. „Ich wollte meiner Großmutter einen Gefallen tun und es einfach ausprobieren“, so der Viertklässler. Das war der Moment, in dem seine Leidenschaft zur Musik auflebte. „Es machte so großen Spaß, dass ich anfing, mir auf Youtube Lehrvideos anzusehen.“ Schnell kam das Talent des kleinen Mannes ans Tageslicht: In nur anderthalb Wochen lernte er, Beethovens Werk „Für Elise“ zu spielen.
„In einer Unterrichtsstunde fragte Thomas mich dreimal, ob er uns etwas vorspielen dürfe“, so OGS-Lehrerin Bettina Sichelschmidt. Es war eine ungewöhnliche Bitte, war Thomas bis zu diesem Tag doch ein stiller, unauffälliger Junge, der nur wenig Kontakt zu anderen suchte. „Und dann spielte er für uns“, erinnert sich Sichelschmidt daran, wie „überrascht, sprachlos und gerührt wir alle waren“. Thomas erhielt stehende Ovationen von seinen Schulkameraden. „Ein tolles Gefühl“, sagt der kleine Musiker, der seit diesem Erlebnis aufgeschlossener und kontaktfreudiger ist.
Unterstützung erfährt der Viertklässler, der nach den Sommerferien die Realschule besuchen möchte, vor allem von seiner Mutter. „Die ist ziemlich stolz auf mich“, freut sich der junge Ennepetaler, dessen Lehrerinnen und Freunde ihm „gerne beim Spielen zuhören“. Erste Auftritte hat Thomas bereits für sich verbucht: Vor seinen Klassenkameraden und auch während zweier Schulfeste glänzte er am Klavier.
Wie seine Zukunft als Musiker aussehen wird, ob er weitere Auftritte absolviert oder vielleicht eines Tages in einer Band spielen wird, das weiß der talentierte Junge noch nicht. „Ich muss mir erst noch Gedanken machen und noch viele Musikstücke lernen“, sagt er bescheiden.Doch vorerst will Thomas etwas Geld sparen, um sich ein neues Keyboard zu kaufen. „Auf dem Schulklavier darf ich nicht immer üben“, bedauert der Zehnjährige, dessen Großmutter mit ihrem Weihnachtsgeschenk überraschend seine Leidenschaft zur Musik entfachte.
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